Rallye W4
Der Rechenstift bleibt in der Lade

Vor dem Showdown bei Rallye W4 geben sich die Titelkandidaten Julian Wagner und Hermann Neubauer sehr gelassen / Das Comeback von Rekordmeister Raimund Baumschlager und der Start von ERC-Pilot Simon Wagner sind zusätzlichen Spannungsfaktoren
Elf R5-Boliden sind es also, die bei der Rallye-W4-Premiere als Staatsmeisterschaftslauf in der stärksten Klasse 2 an den Start gehen werden. Dass das Hauptaugenmerk der Fans in erster Linie auf den Startnummern 1 und 2 liegen wird, liegt in der Natur der Sache. Julian Wagner (Skoda Fabia R5) und Hermann Neubauer (Ford Fiesta R5) kämpfen im direkten Duell um den Titel. Zur kurzen Erklärung: Wagner liegt zwar in der Bruttowertung der Tabelle noch um acht Punkte vor Neubauer, zieht man aber das vorgeschriebene Streichresultat am Ende heran, muss der Oberösterreicher momentan 18 Punkte hergeben, während der Salzburger seinen Nuller vom Ausfall bei der Jännerrallye ins Spiel bringen kann und dadurch eigentlich mit zehn Punkten vor Wagner ins Saisonfinale geht!
Dass der Rechenstift jedoch in der Lade bleibt, betonen beide Kontrahenten. Zumindest nach außen gibt man sich zwar extrem fokussiert, aber auch betont gelassen. Titelträume werden geschickt heruntergespielt, um das eigene Nervenkostüm etwas zu entlasten.
Julian Wagner: „Ich bin mit dem R5 noch nie eine komplette Schotter-Rallye gefahren. Da habe ich also sicher noch Aufholbedarf. Aber das ist ein weiterer Schritt in meinem Lernprozess, mit dem ich in mein erstes R5-Jahr gestartet bin. Dass es nun sogar um den Titel geht, ist zwar schön, berührt mich aber nur sekundär. Erstens liegt der Hermann ja nach der Streichresultats-Regelung vorne, zweitens liegt mein Fokus ganz klar auf Weiterentwicklung. Ich kann nur schauen so wenig wie möglich falsch zu machen, alles andere sieht man dann am Schluss.“
Hermann Neubauer: „Zu allererst freue ich mich auf eine mega-geile Rallye auf Schotter. Im Waldviertel am Start zu sein, ist immer ein fantastisches Erlebnis. Mit Rechenspielen hinsichtlich Meistertitel beschäftige ich mich überhaupt nicht. Das überlasse ich anderen. Ich selber glaube, dass es überhaupt nix bringt zu taktieren. Weil wenn du anfängst zu bremsen, um irgendein Ergebnis zu verwalten, bist du fehleranfälliger als wenn du voll konzentriert einfach nur Gas gibst. Wer am Start steht oder wie viele R5-Boliden das sind, und wer mir eventuell Punkte wegnehmen könnte, interessiert mich überhaupt nicht. Am liebsten wäre mir das allerstärkste Feld mit den meisten Top-Fahrzeugen. Dann hätten wir einen super Kampf auf der Strecke und die W4-Rallye die Aufmerksamkeit, die sie verdient.“
Was Hermann Neubauer damit anspricht sind natürlich die Nennungen von Julian Wagners Bruder Simon Wagner und Teamchef Raimund Baumschlager, der sich 412 Tage nach seiner letzten Rallye in Österreich wieder hinters Steuer setzt. Offiziell freilich nur, „weil ich in den letzten 13 Monaten gemerkt habe, wie sehr mir das Fahren fehlt“, inoffiziell aber natürlich mit dem Ziel, seinem Schützling zu helfen und dessen Konkurrenten im Bedarfsfall eventuell Punkte wegnehmen zu können. Ein legitimer Vorgang, welcher der Spannung bei der Rallye W4 nur förderlich sein kann. Noch dazu bringt der Rekord-Staatsmeister kurz vor seinem 60. Geburtstag auch noch den brandneuen Skoda Fabia R5 Evo mit, den er erstmalig wettbewerbsmäßig einsetzt. Baumschlager: „Ich habe dafür extra vier Kilo abgenommen und fühle mich richtig gut.“
Auch Simon Wagner schiebt den Part als Helfer für seinen Bruder in die zweite Reihe. „In erster Linie freue ich mich, dass ich wieder einmal in Österreich eine Rallye fahren kann“, sagt der ERC-Pilot zu seinem Start. Wie Baumschlager sitzt auch Simon Wagner im Waldviertel in einem Skoda Fabia R5 Evo. „Zweitens ist es mein Ziel, der Copilotin Anne-Katharina Stein, die diesmal mit mir und nicht mit meinem Bruder fährt, zum möglichen Beifahrer-Staatsmeistertitel zu verhelfen. Und wenn es dann nötig ist, dass Julian Hilfe braucht, dann werde ich mich, so ehrlich muss ich sein, dagegen nicht verwehren.“ Simon Wagner weiß natürlich, dass dazu einige Faktoren zusammenspielen müssen. „Zuerst müsste einmal Julian schneller sein als Hermann Neubauer, und dann müssten auch Raimund oder ich noch schneller sein als er. Das wird schwer genug. Hermann war nicht zufällig schon einmal Staatsmeister. Aber für die Ausgangslage bei der Rallye W4 ist das sicherlich eine gute Geschichte.“
Zu den weiteren Highlights des österreichischen Rallye-Finales rund um Horn zählen natürlich auch die Teilnahmen von Hausherr und Organisationschef Christian Schuberth-Mrlik (Skoda Fabia R5), Gerald Rigler (Ford Fiesta R5) oder Kevin Raith, der wie schon in Weiz den Peugeot 208 R5 T16 von Willi Stengg pilotiert. Vor allem Schuberth-Mrlik, der die Streckenabschnitte wie seine Westentasche kennt und (siehe 2014) weiß wie man im Waldviertel gewinnen kann, könnte zum Hecht im Karpfenteich werden. Ex-Meister Kurt Göttlicher wiederum muss sich mit einem Ford Fiesta R5 MK 2 aus dem Hause Stohl Racing wohl mit einer gewissen Außenseiterrolle begnügen.
Als stärkster Ausländer sollte der Tscheche Jaroslav Orsak beachtet werden. Der Ford-Fiesta-R5-Pilot war schon bei der NÖ-Rallye 2018 in Melk der schnellste und letztendlich auch der Sieger. Orsaks Landsmann Tomas Kurka (Ford Fiesta R5) sowie der Ungar David Botka (Skoda Fabia R5) sind ebenfalls für Topzeiten gut.
Trotz der elf R5-Boliden spekulieren auch Routiniers mit motorisch etwas schwächeren Autos mit Top-ten-Plätzen. Dazu zählen vor allem der Steirer Gernot Zeiringer mit seinem Skoda Fabia S2000 oder auch Robert Zitta im Subaru Impreza WRX.
Den höchst interessanten Vergleich mit den überlegenen R5-Autos sucht Christoph Zellhofer mit dem Suzuki Swift ZMX, der eigens im eigenen Haus in Amstetten aufgebaut wurde, um vielleicht einmal eine entscheidende, vor allem aber kostengünstigere Meisterschaftsrolle zu spielen. Der erste Wettbewerbs-Test beim ARC-Lauf in Dobersberg war freilich weniger aussagekräftig. Damals war nach keinen fünf Minuten Schluss, weil Max Zellhofer schon auf SP 1 ausritt und dabei die Spurstange verbog. Der Suzuki Swift ZMX wird in der eigens dafür geschaffenen Prototypen-Klasse N Open gewertet. In dieser Kategorie findet sich bei der Rallye W4 auch der Oberösterreicher Markus Stockinger mit einem Mazda 323 GT Open-N wieder.

www.rallyew4.at 

Autor:

Jaqueline Sieberer aus Tulln

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