09.04.2017, 21:28 Uhr

Literarische Suche nach dem Glück

Stift Göttweig: Stift Göttweig |

Das internationale Kulturfestival Literatur&Wein im Stift Göttweig

Göttweig, Krems - Zum 19. Mal fand „Literatur & Wein“, das internationale Kulturfestival im Stift Göttweig und verschiedenen Kremser Schauplätzen statt. Dichter und Winzer stellten ihre Produkte vor und so mancher Weinbauer wirkte in seinen Formulierungen wie ein Schriftsteller und einige Dichter boten sich trinkfest.
Es war wieder ein Ort, wo man bekannte Autoren wie Reinhard P. Gruber, Peter Henisch oder Sabine Gruber und auch viele neue und noch weniger bekannte Dichter kennenlernen konnte. Ich will aber nicht kategorisieren. Jeder Schriftsteller braucht die Öffentlichkeit und ein breites Publikum und jeder fühlt sich als bekannt (muss sich so fühlen). Das heurige Generalthema war „Auf der Suche nach dem Glück“ und die Dichter versuchten das Publikum mit ihren Texten glücklich zu machen oder beim Auffinden des Glücks textlich zu unterstützen.
Über vier Tage gab es ein Lesen und Weinverkosten. Am Donnerstag den 6. April wurde im Brunnensaal des Stifts Göttweig mit Lesungen eröffnet und an den Folgetagen – bis Sonntag – lasen Dichter, boten Winzer ihre Weine an, musizierte Musikgruppen und verkosteten Besucher Literatur und Weine.
Jeder Dichter hatte einen Winzer aus der Langenloiser Region als Patron.
• Peter Heinisch hatte das Weingut Bründelmeier als Schutzherrn. Er las aus seinem neusten Buch „Suchbild mit Katze“. Es ist eine biografische Analyse, bei der Katzen in verschiedener Form auftreten. Wichtig aber – und das passte zum Thema des Events – war es Peter Henisch auf ein persönliches glückliches Leben verweisen zu können. Als er in der Schule gefragt wurde, was er einmal werde wolle, sagte er „eine Katze“. Auch in seinem Buch erzählt er oft aus der Perspektive einer Katze.
• Anna Migutsch mit ihrem Patron, dem Weingut Rabl, sprach mit klarer Stimme. Sie ist das Vortragen gewohnt, war sie doch viele Jahre Lehrende an amerikanischen und europäischen Universitäten. Sie führte das Publikum in das Leben eines alten Mannes ein und viele Zuhörer hatten Tränen in den Augen, wenn sie von dem alten Mann, der sich in seine ukrainische Pflegerin verliebte, erfuhren.
• Katja Lange-Müller hatte im heurigen Jahr den Günter Grass Preis gewonnen. In ihrem Buch „Drehtür“ berichtet sie, dass manchmal etwas faul ist „am Helfen“. Ihr Motto war: „Laß dir aus dem Wasser helfen, dass du nicht ertrinkst“ – das sagte der Affe zum Fisch und setzte ihn auf einen Baum.
• Der Schweizer Michel Fehr dichtet akustisch. Er spricht seine Texte und schreibt sie erst nachher nieder. Auch seine „Texte“ trug er ohne Manuskript vor.
• Sabine Gruber wurde vom Weingut Schloss Gobelsburg „beschützt“. Sie las aus ihrem neuesten Buch "Daldossi oder Das Leben des Augenblicks", einem sehr aktuellen Thema, das sich mit den heutigen Kriegen und der Flüchtlingsfrage beschäftigt. Die Hauptfigur Daldossi ist ein Kriegsfotograf und an ihm macht sie die Themen fest.
• Jonas Lüscher, ein Schweizer Ethiklehrer hat erst zwei Bücher geschrieben und wurde gleich mit seinem ersten Roman mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Er war dabei selbst überrascht. Er war selbst über sein Buch schockiert, weil es so böse ist. In Göttweig las er aus seinem zweiten Roman „Kraft“, einer bösen Gelehrtensatire.
• John Wray, ein Amerikaner mit österreichischer Mutter wurde zu den 20 besten US-Autoren gewählt. Er legte eine sehr dicke Familienchronik vor, deren Wurzeln in Mähren liegen und in den USA enden.
• Michael Krüger, der Präsident der „Akademie der schönen Künste Bayerns“ ist ein namhafter Herausgeber und schreibt auch selbst. Jetzt ist er im Ruhestand und schrieb in seinem neuesten Roman „Das Irrenhaus“ über das Leben und seine persönlichen Lebenserfahrungen.
• Reinhard P. Gruber wurde mit seinem „Aus dem Leben Hödlmosers“ und dem Lobgesang über die Steiermark bekannt. Sein neues Buch war noch nicht lesefertig und so las er aus älteren Werken und sehr zum Gaudium des Publikums aus dem lustigen „Hödlmoser“.
Am ersten Abend spielte die Gruppe „Alma“, die Volksmusik in ein neues Gewand steckte. Am zweiten Abend heizte die griechisch-türkische Band „Tsatsiki Connection“ dem Publikum ein und verbreitete viel Glücksstimmung, die erst um Mitternacht endete. Sie nennen sich selbst „ostmediterane Band“ und zeigen, dass in der Musik Türken und Griechen harmonisch zusammenarbeiten.
Am Samstag wurde im NÖ Literaturhaus und im Salzstadl gelesen. Manche Besucher, die im Stift Göttweig wohnten gingen zu Fuß nach Krems und zur Abendveranstaltung wieder zurück.
Das Zusammenspiel von Wein und Literatur, Winzern und Dichtern ist eine sehr schöne Symbiose. Leider sind viele Winzer nicht selbst erschienen und ihre Messages wurden verlesen. Gerade die namhaften Winzer waren es, die sich dem Göttweiger Publikum entsagten. Das schadet der Stimmung. Das Publikum will Informationen aus erster Hand. Es würde auch nicht akzeptieren, dass Schauspieler anstelle von Dichtern lesen würden und will es auch aus dem Mund der jeweiligen Winzer und Winzerinnen hören, was sie zu ihren eigenen Weinen zu sagen haben. Es wäre für die Veranstaltung besser weniger bekannte Weinbauern einzuladen, wenn diese persönlich kommen und sprechen.
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