12.04.2017, 16:27 Uhr

Wenn offene Wunden nicht heilen

Prim. Univ. Prof. Dr. Peter Lechner
Krems an der Donau: Donau-Universität Krems |

Das, was der Volksmund oft lapidar als 'Raucherbein' beschreibt ist meist Folge eines schlecht bis gar nicht durchbluteten Organs und reicht bei weitem nicht als Befund aus.

In seinem Mini Med-Vortrag ‚Die chronische Wunde - Krankheit oder Symptom‘ erläuterte der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikum Tulln, Prim. Univ. Prof. Dr. Peter Lechner, die Ursachen sowie Pflege- und Heilungsmethoden. Der für Betroffene wohl wichtigste Hinweis liegt in der Achtsamkeit um die richtige Wundversorgung, der im individuellen Behandlungsfall eine sorgfältige Wundbeurteilung vorauszugehen hat. Lechner: "In der ‚phasengerechten Lokaltherapie’ muss zunächst abgeklärt werden, in welchem Stadium sich eine Wunde befindet." Neben der Erhebung der Krankengeschichte und einer klinischen Untersuchung können Ultraschall-Untersuchungen, Röntgenkontrastmitteldarstellungen bzw. andere bildgebende Verfahren (CT, MRT) durchgeführt werden. In manchen Fällen ist die Entnahme von Gewebsproben zur Untersuchung unter dem Mikroskop notwendig. Weitere zu berücksichtigende Indizien geben Begleiterkrankungen sowie Ernährungs- und Allgemeinzustand des Patienten.

Chronische - über vier bis zwölf Wochen nicht heilende - Wunden können verschiedenste Ursachen haben: Erkrankungen der Venen oder Arterien, Diabetes mellitus aber auch Infektionen, Tumore oder seltene Hauterkrankungen. Zu den häufigsten chronischen Wunden zählen Beingeschwür, Druckgeschwür und Fußläsionen bei Zuckerkrankheit. Zu offenen, nicht heilenden Wunden gesellen sich oft Infektionen, die in Folge zu Amputationen und drastisch sinkender Lebenserwartung führen können. Der fortwährende Aufwand für die notwendige Wundversorgung wird häufig uterschätzt und belastet Betroffene schwer. Es geht nicht nur darum, eine Wunde einmal zu „reparieren“, sondern die rückfallfreie Zeit so lange wie möglich aufrechtzuerhalten bzw. den Patienten zu heilen. Nach Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung sowie Entfernung von Nekrosen und Belägen zeigen die meisten Wunden eine Heilungstendenz, d.h. die Wunde heilt von selbst ab (Sekundärheilung). In bestimmten Situationen kann erwogen werden, die Wunde operativ zu verschließen, z.B. wenn zu erwarten ist, dass der Wundverschluss bei Sekundärheilung nicht stabil genug sein könnte oder wenn bei sehr großflächigen Wunden mit einer sehr langen Behandlungszeit zu rechnen ist. Dr. Lechner rät den Betroffenen, lästig zu sein und sowohl eine umfassende Diagnose als auch best mögliche Wundversorgung einzufordern.
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