18.09.2014, 12:33 Uhr

"... und dann fahren sie erst zum Hofer"

Hubert Burker (r.) und Leonhard Grafinger (l.) sprechen im Cafe Hartl über Nahversorgung.
KREMS/ STEIN. "Seit einigen Monaten ist die einzige kleine Spar-Filiale am Schürerplatz wegen Konkurses geschlossen", bedauert Gerda Laserer in einem Brief an die Redaktion, "außerdem ist diese Lokalität viel zu klein und es ist unverständlich, wieso sich nichts Größeres anbietet." Außerdem vermisst Gerda Laserer eine Drogerie in Stein.
Der Lokalaugenschein in Stein am Donnerstagvormittag zeigt: Frau Laserer spricht vielen aus der Seele.

Versorgung ist Steins gravierendstes Problem

"Das Nahversorgungsproblem ist in Steiner das Gravierendste", meint Hubert Burker, der mit Leonhard Grafinger an der Theke des Cafe Hartl am Schürerplatz steht. Das beste Geschäft sei der kleine Spar schräg gegenüber gewesen sind sich die Anwesenden einig und die Kellnerin bestätigt: "Alle beschweren sich. Sollen die Leute ihre schweren Säcke von der Tankstelle oder vom Hofer nach Hause schleppen?"
"Wenn das kleine Geschäft wieder aufsperren würde, das wäre eine Geschichte! Vor allem für die älteren Leute", so Hubert Burker.
Zwar gibt es Gebäck und Kleinigkeiten im Cafe Hartl oder bei Sabathil an der Donaulände, doch Obst, Gemüse und andere essentielle Lebensmittel böten diese Läden nicht an.

Gewohnheiten ändern sich

Auch für Doris Hartl, Chefin des Gästehauses Einzinger, veränderte die Schließung des kleinen Spar-Marktes einiges: "Ich bin mit diesem Geschäft hier aufgewachsen. Wenn ich für das Gästehaus, aber auch privat schnell etwas brauchte, wie Obst oder Gemüse, rannte ich hinüber, manchmal drei Mal am Tag." Nun muss Doris Hartl ihre Einkaufgewohnheiten und Lagerhaltung für das Gästehaus ändern.

... und dann fahren sie erst zum Hofer

Ganz ohne Geschäft steht Stein aber nun auch nicht da, die Kaffeerösterei Bayer bietet auch Lebensmittel an. "Aber nicht mehr so viel", bedauert Emmerich Bayer. Seinen Kaffee verkaufe er bis in die Ukraine, aber die restlichen Lebensmittel liefen eher ab, als dass sie Absatz fänden, daher habe man das Sortiment erheblich reduziert. "Vor 54 Jahren, als ich als Kaufmann begann, gab es in Stein mehr als 30 Geschäfte", erinnert sich Bayer, "Bäcker, Fleischhauer, Lebensmittelgeschäfte, sogar Spengler und Schlosser - es gab alles in Stein." Heute bestehe die Nachfrage nicht mehr - die Einwohnerzahl sei inzwischen geschrumpft. "Die Leute fordern vielleicht mehr Nahversorger", weiß der inzwischen fast 80-jährige Kaufmann, "und dann fahren sie erst zum Hofer."
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