20.10.2014, 13:35 Uhr

Kinderwelt Stiefern: Ein Sprungbrett für die Rückkehr zur Familie

Michaela Brader, Caroline Piskernik und Thomas Rotter haben die fachliche Leitung der Kinderwelt Stiefern inne.
STIEFERN. Eine idyllische, einspurige Seitenstraße führt in Richtung Kinderwelt Stiefern. Kein Pfeil, kein Hinweis. Darum fragen wir (das Redaktionsteam der Bezirksblätter und von TVW4) den Traktorfahrer, für den wir ein langes Stück die Straße zurückschieben mussten, ob wir denn auf dem richtigen Weg seien. Ja, Wohngruppen seien auf diesem Weg zu erreichen, die Verwaltung sei allerdings auf der anderen Seite des Ortes, im alten Pfarrhof.
Wir wagen uns weiter und werden schon von Thomas Rotter, Caroline Piskernik, der pädagogischen Leiterin des stationären Bereichs und Michaela Brader, der pädagogischen Leiterin für Betreutes Wohnen erwartet.

Kein Heim, aber familiäre Wohngruppen

"Kinderheim gibt es keines mehr", erfahren wir gleich. Dafür drei Wohngruppen, in denen je zehn Kinder untergebracht sind. Kinder ab drei Jahren, die aus verschiedenen sozialen Gründen gerade nicht bei ihren Eltern leben können. Auch wenn das Leben in einer Wohngruppe sehr heimelig ist, meint Michaela Brader: "Wir können die Familie nicht ersetzen." Und das sei auch nicht Aufgabe der Kinderwelt Stiefern. "Zielsetzung ist nämlich immer die Rückführung der Kinder in ihre eigene Familie", ergänzt Caroline Piskernik, "darum arbeiten wir auch viel mit den Eltern."
Die Kinder besuchen Schulen in der Umgebung, aber die Wochenenden sollten sie wenn möglich bei ihren Eltern verbringen.
Dazu müsste immer die Gesamtsituation der Familie berücksichtigt werden. "Es gibt viele Hilfen in unserem Land und wir sind sehr gut vernetzt", erklärt Michaela Brader. Viele Eltern bekommen ihr eigenes Leben wieder besser auf die Reihe, ist das Kind erst einmal stabil versorgt, das beschleuinge eine Wiederzusammenführung. Doch immer wieder gibt es Fälle, in denen das Kind bis zur Volljährigkeit und darüber hinaus von der Kinderwelt Stiefern aus versorgt wird.

Der Weg in die Berufswelt beginnt it Jobcoaching

Vor dem Start in die Berufswelt klären die Pädagogen gemeinsam mit dem Kind die Stärken und Schwächen ab und helfen beim Bewerben. Manche besuchen höhere Schulen, aber die Renner sind Lehrberufe. Damit auch jeder Jugendliche zu seinem Beruf kommt, gibt es nun in Stiefern dank einer Kooperation mit dem BFI (AMS) sogar Lehrwerkstätten, wo die Ausbildung zum Koch/Köchin, Gärtner(in), Metallbearbeitungstechniker absolviert werden kann.
"Der Favorit ist die Küche", weiß Brader, doch auch das Gärtnern werde sehr gerne angenommen. Die Kinerwelt Stiefern beziehe darum den Hauptanteil des Gemüses fü die eigene Küche aus dem Garten.

Hilfe beim flügge werden

Zurzeit sind 14 junge Erwachsene im Genuss des betreuten Wohnens. "Wir suchen mit den jungen Erwachsenen meist kleine Wohnungen in der Umgebung, die sie sich später auch selbst leisten können", beschreibt Michaela Brader die Starthilfe ins selbstständige Leben.

Spenden für Freizeit-Aktivitäten

So lange die Kinder in der Kinderwelt Stiefern leben, sollen sie auch ihre Freizeit sinnvoll gestalten. "Viele unserer Kinder sind in angrenzenden Vereinen gut integriert, etwa in Fußballvereinen", erklärt Thomas Rotter. Für die essentiellen Dinge des Alltags, wie Schulsachen sei finanziell gesorgt, doch gehe es um die Anschaffung von Sportgeräten wie Fußbällen, Fahrrädern oder die Finanzierung von Thermenaufenthalten oder größere Projekte wie Landschulwochen, dann ist die Kinderwelt Stiefern auf Spenden angewiesen. "Wir haben zum Beispiel einen musikalischen Burschen, der nun ein Keyboard bekam", freut sich Thomas Rotter über eine sinnvoll eingesetzte Spende.
"Es ist wichtig, dass die Kinder erleben können, dass sie gut in etwas sind und dass sie so ihren Platz finden", ist sich das Team einig.

Fakten:

Die Kinderwelt Stiefern - Dr. Pauly GmbH wird fachlich von Thomas Rotter (Sozialpädagoge) und den Sozialarbeiterinnen Michaela Brader und Caroline Piskernik geleitet.
Elisabeth Pauli hat die wirtschaftliche Leitung inne und ihr Mann ist Eigentümer der Häuser, in denen die Kinderwelt untergebracht ist.
Zugewiesen werden die Kinder von den Bezirkshauptmannschaften beziehungsweise Magistraten der Bezirke: Krems, Gmünd, Zwettl, Horn, Waidhofen an der Thaya, Melk, St. Pölten, Gänserndorf und mehr.
Finanziert wird die Unterbringung über Tagsätze des Landes Niederösterreich.
Spenden fließen ausschließlich in Freizeitprojekte und Freizeitartikel:

Spendenkonto:
Raiffeisenbank Schönberg (Langenlois)
Bezeichnung: Kinderwelt Stiefern
IBAN: AT46 3242 6000 0041 7329
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