10.10.2014, 08:58 Uhr

Ortschef Karl Steger: "Mit dem eigenen Nest beginnt man oft zuletzt"

Bürgermeister Karl Steger trinkt mit uns im Aufenthaltsraum des neuen amtshauses Kaffee.
Senftenberg: Amtshaus | SENFTENBERG. Ein trüber Tag. Nebel hängt auf den Baumspitzen der bewaldeten Hänge entlang des Ortes, Nieselregen lässt die Straße glänzen. Trotzdem sieht es hell, freundlich und offen aus: Das neue Amtshaus der Gemeinde Senftenberg.

Im gläsernen Foyer des modern erweiterten Altbaus hängt eine Pinwand, auf der Wohnungen oder Baugründe angeboten, aber auch Veranstaltungen angekündigt werden. Arrangements mit Kürbissen dekorieren Vorraum sowie Stiegenaufgang und der Bürger fühlt sich zu Hause. Was er auch ist, sieht der den freundlichen Hausherren, der die Gäste, in dem Fall das Waldviertel-TV-Bezirksblätter-Team, mit Handschlag begrüßt.
Es ist Karl Steger, Bürgermeister von Senftenberg. "1908 ist das Amtshaus erbaut worden und zuletzt wurden wir jedes Jahr überschwemmt", erzählt er als Grund für die Adaptierung, "die Metallhaustüre ging schon schwer auf. Aber bei all den Aufgaben, die die Gemeinde bewältigt, galt auch hier: Mit dem eigenen Nest beginnt man zuletzt."


Umbau dauerte so lange wie Schwangerschaft

Jetzt ist es geschehen: Der Eingang des Amtshauses wanderte von der Durchzugsstraße auf den neu gestalteten Dorfplatz nach hinten. Ein großzügiger heller Glaswindfang, in dem sich sogar ein öffentliches WC befindet, grüßt als erster. Das Haus hat aber noch mehr Vorzüge, wie Bürgermeister Karl Steger erzählt: "Wir erzeugen uns den Tagesstrom selbst, das Gebäude wurde thermisch komplett saniert, auch Fenster und Türen, komplett gedämmt und gebraucht haben wird dafür neun Monate vom Auszug bis zum Einzug."
Gemeinde-Mitarbeiter und Bürger hätten sogar am Wochenende freiwillig mitgearbeitet, um das zu ermöglichen.

Seine Zeit als Ortschef neigt sich dem Ende zu

Karl Steger macht seinen Job als Bürgermeister sehr gerne. Trotzdem wird er bei den nächsten Gemeinderatswahlen nicht mehr als Ortschef kandidieren. "Es war von Anfang an ausgemacht: zwei Amtsperioden. Und jetzt mit 64 Jahren ist es so weit, dass ich sagen kann: nun sollen die Jungen weiter machen."
Begonnen hatte Stegers politische Laufbahn mit einer Katastrophe. Einem großen Hochwasser, bei er als Pfarrgemeinderat die Plattform "Die Pfarre hilft" mitgegründet hat. "Man sieht: Wenn man den Leuten hilft, bringen sie einem Vertrauen entgegen", so der ÖVP-Mann, der meint, im operativen Geschäft, wenn er von Angesicht zu Angesicht mit den Bürgern spricht, frage keiner nach der politischen Farbe.

Amtsstunde nach der Kirche

So schön das neue Amtshaus ist, ein eigenes Zimmer hat sich Steger nicht eingerichtet: "Meine Sprechstunden finden draußen auf der Straße, meistens sonntags nach dem Kirchgang statt." Dennoch hat er bei der Planung schon an seine Nachfolge gedacht und es steht ein Raum bereit, der eines Tages zum Bürgermeisterbüro werden kann.
An die politische Nachfolge appelliert der nun bald scheidende Bürgermeister, nicht starr zu denken, sondern durch Flexibilität unterstützend zu wirken. Sei es beispielsweise für eine Mutter aus Gföhl praktischer, ihr Kind auf dem Weg in die Arbeit in Senftenberg zur Schule zu bringen, so solle dies auch ohne Schwierigkeiten möglich sein.


Hochwasserschutz ist Herzensanliegen

Wichtig ist dem Ortschef auch der Hochwasserschutz. "Die Grundlage für den Bau des Hochwasserschutzes von der Pangerlbrücke bis zur Hintenbergerbrücke ist gelegt, auch die Finanzierung der 5 Millionen Euro, die er kostet, steht. Die Grundstücksabtretungen sollten nächstes Jahr erledigt werden."

Die Flüsse pflegen

Ein wichtiges Thema sei auch die Flussbettbewirtschaftung. Imbach, Rehberg, Krems - alle nachfolgenden Ortschaften würden leiden, würden aus Senftenberg massenhaft Treibgut und Bäume, die sich verkeilen, die Krems entlang gespült werden. "Die Krems hat im Waldviertel 18 Zuflüsse, von denen keiner berechenbar ist", so Steger und spricht aus Erfahrung. Denn als in Senftenberg das Unwetter nicht schlimm war heulte eines nachts überraschend die sirene. Der Reichauer Bach war als reißender 3,20 Meter-Sturzflut dahergekommen, hätte die Brücke und viel mehr überspült.

Das Ende der Amtszeit

Auf das Ende seiner Amtszeit blickt Karl Steger trotz aller Liebe zum Beruf gerne. Er wird sich noch mehr der Familie, seinen vier Enkelkindern widmen, die er auch mit Fahrgemeinschaften zu Kursen und Unterricht unterstüzten will. "Außerdem bin ich 35 Jahre lang schon Jäger im Revier Senftenberg." Auch dem Pfarrgemeinderat wird Karl Steger erhalten bleiben.
"Das wichtigste ist die Gesundheit", so Steger abschließend", alles andere überlasse ich dem Herrgott."
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