01.09.2014, 12:48 Uhr

Tödliches Gärgas im Brunnen: 930 Seelen-Gemeinde Schönbach trauert um drei Menschen

SCHÖNBACH. "Wir sind überfordert mit der Situation, das müssen Sie verstehen. Wir kennen die Leute," tiefe Trauer klingt in der Stimme der Gemeindesekretärin mit. Sonntag Abend sind in der Gemeinde, die nur knapp über 930 Einwohner zählt, drei Menschen ums Leben gekommen. "Der ganze Ort ist in Tauerstimmung," erklärt auch Vizebürgermeister Willibald Kolm betroffen, "der Brunnen war frisch geschlagen, wahrscheinlich wollte er wegen des Wasserstandes nachsehen. Es kam zu einer Verkettung von schlimmen Umständen."

Schwangere Frau gestorben

In einem Waldstück, 300 Meter vom Anwesen der betroffenen Familie entfernt, lag der acht Meter tiefe Brunnenschacht, in dem der 54-jähriger Mann ohnmächtig lag. Seine Tochter wollte ihn aus dem einen Meter breiten Schacht holen und wurde ebenfalls ohnmächtig. Das gleiche Schicksal ereilte auch ihren 33-jährigen Ehemann, der in den Schacht stieg, nachdem er die Einsatzkräfte alarmiert hatte. Mit schwerem Atemschutz holten die Schönbacher Feuerwehrleute die drei Menschen aus dem Schacht. Das Leben der Männer konnte trotz Reanimation nicht mehr gerettet werden. Die junge Frau, die noch dazu schwanger war, starb während des Transportes im Rettungshubschrauber.


Wie konnte so ein Unglück geschehen?

"In einem Schachtbrunnen schwimmen Gras, Wurzeln und andere Pflanzen, das kann zu Gären beginnen," erklärt Michael Huber, Bohrmeister aus dem Bezirk Zwettl die Entstehung des hohen Kohlenmonoxid-Gehalts im Brunnenschacht. "Ein Kollege ist deshalb einmal in einem 1,5 Meter tiefen Schacht zusammengebrochen," erzählt Huber. Beim Brunnengraben sollte es kalt sein, denn nur wenn die Luft schwerer ist, sinkt sie auch in den tiefen Schacht hinab.

Ein Ort bleibt fassungslos zurück

Bis in Schönbach das Leben wieder weitergeht wie bisher, muss noch Zeit vergehen. Die Feuerwehrleute und Gemeindebürger spendeten sich in einer Zusammenkunft Trost und versuchen, den Schreck aufzuarbeiten.
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Karl Walchshofer aus Melk | 01.09.2014 | 22:01   Melden
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