08.06.2018, 10:24 Uhr

"Kremser Hasenjagd": Ramesch Daha kreiert Mahnmal gegen Nazi-Terror!

Am 6. April 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, geschah in Krems und Umgebung eines der schockierendsten Ereignisse der Stadtgeschichte, das unter dem Schlagwort "Kremser Hasenjagd" allgemein bekannt ist.
 
Als die Rote Armee sich zusehends vom Osten näherte, wurden großteils politische Häftlinge der Justizanstalt Stein durch den Leiter Franz Kodre freigelassen. NS-treue Aufseher informierten daraufhin den Kreisleiter von Krems über einen angeblichen Aufstand, die Waffen-SS wurde daraufhin nach Stein beordert. Diese verhaftete den Anstaltsleiter und eröffnete das Feuer auf die wehrlosen Häftlinge im Anstaltsareal. Zeitgleich zum Massaker im Zuchthaus suchten SS-Truppen in der Kremser Umgebung mit der Unterstützung von lokalen Gendarmen und der Zivilbevölkerung (!) nach den bereits entlassenen Häftlingen. Die ertappten Ex-Gefangenen wurden zumeist an Ort und Stelle erschossen, in Hadersdorf mussten die politischen Häftlinge vor der Exekution sogar ihr eigenes Massengrab schaufeln.
 
Insgesamt kamen an diesem Tag 386 Häftlinge ums Leben. Seit ein paar Tagen erinnert auch ein Kunstwerk direkt an der Mauer der Justizanstalt Stein an diese schrecklichen Vorkommnisse. Die aus Teheran stammende Wiener Künstlerin Ramesch Daha, Absolventin der Akademie der bildenden Künste, bemalte gemeinsam mit einem vierköpfigen Team einen ca. 100 m langen Mauerabschnitt mit den Namenslisten der ermordeten Häftlinge. Das Mahnmal wurde in nur 17 Tagen umgesetzt, und das unter strengsten Auflagen. So musste täglich nach getaner Arbeit das Gerüst wieder abgebaut werden, um die Sicherheit der Kremser Bevölkerung nicht zu gefährden.
 
Die offizielle Eröffnung des Kunstwerks findet am 23. Juni statt, inklusive der Enthüllung einer Erinnerungstafel mit dem Text des Historikers Robert Streibel ("April in Stein"). Eine vollständige Betrachtung des Mahnmals ist bereits jetzt möglich, wenn man die Wege südlich des Uni-Campus beschreitet.
 
Noch wichtiger als der traurige Blick auf die Vergangenheit sollte allerdings die innere Motivation sein, künftig gegen jegliche faschistische Strömungen zu kämpfen, die nur den geringsten Anschein erheben, dass sich derartige Vorgänge wiederholen könnten.

www.oliverplischek.at
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