20.09.2014, 18:07 Uhr

Handball mit Spaßfaktor: Diese Damen können zupacken!

Langenlois: Loiskandlzeile 17 |

Handball hat in Krems Tradition. Mit der Spielergemeinschaft GKL gelingt es, zwei Mannschaften zusammenzuführen. Erfreulich, dass bei der Damenmannschaft rund um Trainerin Viktoria Strom auch Spaß und Freundschaft wichtige Faktoren sind.

Ich besuche die Trainerin der GKL Kampfmannschaft beim Training. Die Spielerinnen messen sich gerade am Parkett mit dem U15-Team der Burschen, die in diesem Alter körperlich und technisch bereits im Vorteil sind. Während der Knaben-Nachwuchs bereits vier Mal pro Woche trainieren, ist es bei den Damen zwei Mal, was sich allerdings bald ändern soll. Das Training wird ebenfalls auf vier Einheiten aufgestockt und die Kampfmannschaft mit Spielerinnen aus der U16 durchmischt. Daraus erwartet man sich eine deutliche Steigerung für die Saison 2014/15.

Aus dem Gespräch mit Viktoria Strom nachfolgend zusammengefasst die wichtigsten Punkte:

Wesentliche Voraussetzung für Handball-Spielerinnen: Körperbeherrschung, hohes Maß an Disziplin und Kameradschaft. Handball ist extrem kampf- und körperbetont, mit hohem Verletzungsrisiko. Muskelaufbau, Wurf- und Sprintkraft werden beim GKL ebenso forciert wie konditionelle Ausdauer. Kameradschaft entsteht durch viele Unternehmungen, die im Freizeitbereich gemeinsam unternommen werden. Disziplin wird durch ständiges Trainieren und Wiederholen von taktischen Vorgaben, Spielzügen und der Flüssigkeit von Spielerauswechslungen gelehrt.

Optimale Kadergröße und Handball-Nachwuchs: 14 Spielerinnen dürfen für ein Match gennant werden. Da der GKL Kader heuer 20 Spielerinnen umfasst, muss sich jede ihren Platz für die Kampfmannschaft im Training erarbeiten. Darin liegt zurzeit der große Vorteil der Spieler-gemeinschaft: zwei Vereine mit zunächst zuwenig Spielerinnen haben nun gemeinsam ein breites Kollektiv. So können alle Positionen mehrfach besetzt werden - im Falle von Verletzungen oder Abgängen. Vor allem aus Krems kommen zunehmend viele Neue zum Verein, die spielerische Verflechtung beider Städte war zunächst nicht ausreichend bekannt. Vereinzelt kommen Mädchen, die bei Übungs- und Trainingseinheiten in den Volksschulen auf den Geschmack kommen.

GKL als funktionierender Verein: wichtige Grundvoraussetzung ist, dass die Eltern mit Zeit und Einsatz hinter dem Sport der Kinder stehen. Nicht nur, dass sie ihre Sprösslinge mit dem Auto zum Training bringen müssen besteht auch oft die Notwendigkeit, zu den Liga-Spielen zu fahren. In Langenlois funktioniert dies ausgezeichnet, so etwas wie eine kleine Familie entsteht hier. Zweimal im Jahr gibt es gemeinsame Feste, im Harrerhof und am Sauberg, wo alle gemeinsam organisieren und unterstützen. Auch wird bewusst der Zusammenhalt zwischen den ganz jungen Spielerinnen und jenen aus den anderen Altersgruppen bishin zur Kampfmannschaft forciert. Alle kennen einander und beleben die Zuschauer-Szenerie bei den Bewerbsspielen mittels Anfeuerungen der jeweiligen GKL-Mannschaft.

Unterschied zwischen Damen- und Herrenhandball: Herren sind schneller, technisch besser und leisten mehr Beinarbeit. Spätestens ab dem 16. Lebensjahr sind Männer sportlich besser als Damen, mit den GKL-Burschen dieser Altersklasse könnte vermutlich keine Damenmannschaft der Liga mithalten. Diesen Unterschied nützt der GKL durch gemeinsames Training und Matches mit den Jugendmannschaften der Burschen. Damit werden zusätzlich Berührungsängste und die Angst vor dem „Hingreifen“ beseitigt werden, die Damen lernen, effizienter „an den Mann“ zu gehen.

Aus gesamt-österreichischer Sicht klafft ein Spalt zwischen Damen- und Herrenhandball. Während in der obersten Liga (WHA) bei den Handballern ausschließlich Profis am Werk sind, gibt es im Damenhandball - mit Ausnahme jener, die als Legionäre ins Ausland gehen - ausschließlich Amateurinnen. Ein Ungleichgewicht, das von vielen Spielerinnen nicht gerecht empfunden wird. Die Spielerinnen-Gehälter sind - je nach Klasse - ein besserer bis mäßiger Zuverdienst, weshalb die vielen positiven „Nebengeräusche“ der Sportvereine das sind, was zählt. Mit zum schlechten Standing der Damen in dieser Sportart trägt die Situation bei den Nationalteams bei: Während die österreichischen Herren eine Top-Performance ablegen, kriselt es immer wieder bei der Damennationalmannschaft, die sich nunmehr im Umbau befindet - der Versuch eines Neustarts. Ein erstes positives Signal ist die Übertragung von Handball-Matches aus allen Ligen auf ORF III.

Handball-Ligen in Österreich: Königsklasse, also oberste Liga, ist die WHA gefolgt von der BLF Bundesliga Frauen) und der Landesliga der Bundesländer, wo GKL vertreten ist. Gemäß den Handball-Statuten muss jeder Bundesliga-Verein auch einen Landesliga-Verein stellen. Gibt es nur eine Mannschaft, spielt diese in beiden Bewerben. Somit bekommt der GKL, im Vorjahr an neunter Stelle der NÖ Landesliga, laufend Gelegenheit, sich an - zumindest auf dem Papier - Besseren zu messen. Die Tabellenersten aus den Landesligen würden grundsätzlich in die Bundesliga aufsteigen, worauf allerdings oft verzichtet wir, nicht zuletzt aufgrund der hoch angesetzten Startgelder.

Das zeichnet eine gute Handballerin aus: perfektes Abwehr- und Angriff-Verhalten, beides wird im Training von Klein auf forciert. Es gibt keine Konzentration auf nur eine Stärke. Auch wenn manche Manche zwar im Angriff oder in der Verteidigung besser sind, ist Komplexität gefragt. Je höher die Liga um so wichtiger ist die Körpergröße. Der GKL ist Hobbyverein und freut sich über alle, die Teil des Kaders werden wollen, egal ob Groß oder Klein. Der Vorteil kleinerer Spielerinnen liegt darin, wendiger und schneller zu sein. Große SpielerInnen werden hauptsächlich im Aufbau eingesetzt.

Junge Menschen und Sport: Wichtig ist, die Jungen wegzubekommen, von Fernseher, Computer und Spielkonsole, sie zur Bewegung zu motivieren, egal in welcher Sportart, auch ohne Leistungsdruck. Der Einbruch mit 14, 15 Jahren, wo vieles Andere plötzlich interessanter wird, kann - falls überhaupt - nur mit Gemeinschaftssinn, Freund- und Kameradschaft gebremst werden. Gründe für das Aufhören sind oft auch Schul- und Interessenwechsel, neue Freunde, neues Umfeld.

Botschaft an sportinteressierte Mädchen zwischen 6 und 30: Kommt’s zu uns und lasst’s uns Spaß haben!

Weitere Infos: Union Sport Verein Langenlois
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