Brenner-Nordzulauf
Auswahl von Trasse ruft gemischte Reaktionen hervor

Als einen wichtigen Schritt und ein Signal orten Politiker auf Tiroler Seite die nun getroffene Trassenauswahl für den Brenner Nordzulauf. Im Bild das Südportal des Tunnels "Laiming" (Visualisierung).
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  • Als einen wichtigen Schritt und ein Signal orten Politiker auf Tiroler Seite die nun getroffene Trassenauswahl für den Brenner Nordzulauf. Im Bild das Südportal des Tunnels "Laiming" (Visualisierung).
  • Foto: Deutsche Bahn
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Auswahlentscheidung des Brenner-Nordzulaufs in Deutschland wird grundsätzlich begrüßt. Politiker auf Tiroler Seite haben aber Bedenken hinsichtlich der Umsetzung. 

BEZIRK KUFSTEIN, TIROL (bfl). Gemeinsam mit der Deutschen Bahn präsentierte der deutsche Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Dienstag, den 13. April die Auswahltrasse für den Brenner Nordzulauf auf bayerischer Seite (die BEZIRKSBLÄTTER berichteten). Für die weiteren Planungen auf Tiroler Seite ändert sich dadurch zwar nichts Wesentliches, denn die Trassenlage steht hier bereits fest. Allerdings ist dieser Schritt für Tirol von großer Bedeutung, da der Brenner- Basistunnel leistungsfähige Zulaufstrecken braucht. Die Festlegung auf eine Trasse ruft bei Politikern in Tirol dabei durchaus gemischte Reaktionen hervor.

Wichtiger Schritt ist getan

Positiv bewertet wird das Signal, dass mit dieser Entscheidung für eine Trasse gesendet wird: Deutschland gestaltet damit die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene aktiv. Auch dass die Wahl auf die 54 Kilometer lange Strecke östlich des Inns im Landkreis Rosenheim fiel, bei der sechzig Prozent der Trasse untertunnelt werden, wird positiv aufgenommen. 
Die Straßeninfrastruktur sei bereits jetzt am Limit, betont Landeshauptmann (LH) Günther Platter (ÖVP) in einer Stellungnahme. Deshalb sei eine leistungsfähige und moderne Eisenbahnstrecke von München nach Verona alternativlos.

„Der Schlüssel dafür ist der Brenner Basistunnel mit den dazugehörigen Zulaufstrecken. Mit der Festlegung einer Trassierung für den Nordzulauf ist ein erster wichtiger Schritt getan. Jetzt liegt es an den politischen Entscheidungsträgern in Bayern, sich voll und ganz hinter dieses Jahrhundertprojekt zu stellen und die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen, denn das Ziel ist ein gemeinsames, nämlich eine nachhaltige und leistungsfähige Eisenbahnstrecke durch die Alpen“,

erklärt LH Platter. 

„Mit der Festlegung einer Trassierung für den Nordzulauf ist ein erster wichtiger Schritt getan. Jetzt liegt es an den politischen Entscheidungsträgern in Bayern, sich voll und ganz hinter dieses Jahrhundertprojekt zu stellen“, erklärt LH Günther Platter.
  • „Mit der Festlegung einer Trassierung für den Nordzulauf ist ein erster wichtiger Schritt getan. Jetzt liegt es an den politischen Entscheidungsträgern in Bayern, sich voll und ganz hinter dieses Jahrhundertprojekt zu stellen“, erklärt LH Günther Platter.
  • Foto: Barbara Fluckinger/BB Archiv
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"Überfälliges Signal" und späte Fertigstellung

Bedenken gibt es auf Tiroler Seite aber hinsichtlich des späten Fertigstellungstermines – das Ziel ist das Jahr 2038 – und der noch immer unklaren tatsächlichen Umsetzung. Vor der Entscheidung hatte es jahrelange Debatten um die Streckenführung und die Notwendigkeit neuer Zugtrassen selbst gegeben. So stellte Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) zuletzt den Bedarf einer Neubaustrecke in Frage. „Dass Bundesminister Scheuer das 'ob' seiner Parteikollegin nun durch ein 'wie' ersetzt hat und Deutschland seiner Verpflichtung endlich nachkommt, sich am europäischen Großprojekt Brenner-Basistunnel aktiv zu beteiligen, ist ein längst überfälliges Signal unserer Nachbarn“, sagt NEOS-Abgeordneter Andreas Leitgeb.

„Deutschland war längst am Zug und liefert mit einiger Verspätung. Jetzt müssen auch die Mandatare in München in die Pflicht genommen werden und alles dafür tun, damit die Umsetzung möglichst schnell auf Schiene kommt", sagt NEOS-Abgeordneter Andreas Leitgeb.
  • „Deutschland war längst am Zug und liefert mit einiger Verspätung. Jetzt müssen auch die Mandatare in München in die Pflicht genommen werden und alles dafür tun, damit die Umsetzung möglichst schnell auf Schiene kommt", sagt NEOS-Abgeordneter Andreas Leitgeb.
  • Foto: NEOS
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Wenig erfreut über die vorangegangene, jahrelange "Hängepartie" und den daraus resultierenden späten Fertigstellungstermin, zeigt sich auch VP-Bezirksobmann LAbg. Alois Margreiter. Wird der Nordzulauf im Jahr 2038 fertiggestellt, wäre der Brennerbasistunnel schon knapp zehn Jahre lang in Betrieb. "Deutschland muss jetzt rasch in die Umsetzung gehen und darf die Bevölkerung in Tirol nicht länger hinhalten“, erinnert Margreiter an den Zehn-Punkte-Plan vom Transit-Gipfel von 2019 in Berlin, der bis heute auf Umsetzung warte. Faktum sei, dass die Transitfahrten allen Prognosen zufolge weiter ansteigen werden. „Hier braucht es den klaren Willen Deutschlands, diese LKW-Fahrten auf die Schiene zu bringen, um die Menschen im Inntal zu entlasten“, schließt Margreiter.

LA Alois Margreiter (VP) bewertet die 60-prozentige unterirdische Trassenführung positiv, fordert Deutschland jedoch auf, nun rasch in die Umsetzung zu gehen.
  • LA Alois Margreiter (VP) bewertet die 60-prozentige unterirdische Trassenführung positiv, fordert Deutschland jedoch auf, nun rasch in die Umsetzung zu gehen.
  • Foto: Tiroler VP
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UVP-Bescheid für Radfeld-Schaftenau wird erwartet

Auch LH-Stvin Ingrid Felipe (Die Grünen) zeigte sich darüber erfreut, dass bei diesem Vorschlag auch längere Abschnitte untertunnelt werden, mahnt aber gleichzeitig, dass man nun aber auch aktiv in die Umsetzung gehen müsse.

"Mit der heutigen Bekanntgabe schöpfe ich wieder Hoffnung, dass wir unserem Ziel, den Straßengüterverkehr auf der wichtigsten Nord-Süd-Verkehrsachse zukünftig auf die Schiene zu verlagern, gemeinsam näherkommen", sagt LH-Stvin Ingrid Felipe (Die Grünen).
  • "Mit der heutigen Bekanntgabe schöpfe ich wieder Hoffnung, dass wir unserem Ziel, den Straßengüterverkehr auf der wichtigsten Nord-Süd-Verkehrsachse zukünftig auf die Schiene zu verlagern, gemeinsam näherkommen", sagt LH-Stvin Ingrid Felipe (Die Grünen).
  • Foto: Grüne Tirol
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"Mit der heutigen Bekanntgabe schöpfe ich wieder Hoffnung, dass wir unserem Ziel, den Straßengüterverkehr auf der wichtigsten Nord-Süd-Verkehrsachse zukünftig auf die Schiene zu verlagern, gemeinsam näherkommen", so Felipe.
Auf der österreichischen Seite sind die Planungen für den Ausbauabschnitt zwischen Radfeld und Schaftenau bereits abgeschlossen. "Wir erwarten im ersten Halbjahr 2021 den positiven UVP-Bescheid, sodass im Jahr 2032 auch der zweite Teil im Unterinntal fertiggestellt sein wird“, so Felipe.

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