Kramsach versinkt im Verkehr
Bürgerinitiative "Xund's Kramsach" sagt Lärm den Kampf an

Rund 120 Interessierte kamen zur Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative "Xund's Kramsach" am 14. Juni in den Gemeindesaal Kramsach.
20Bilder
  • Rund 120 Interessierte kamen zur Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative "Xund's Kramsach" am 14. Juni in den Gemeindesaal Kramsach.
  • Foto: Fluckinger
  • hochgeladen von Barbara Fluckinger

Beinahe 19.000 Fahrzeuge rollen täglich durch den Kreisverkehr in Kramsach und bringen Lärm sowie Abgase mit sich. Eine Bürgerinitiative will mit einer 30er Zone, baulichen Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion und einer Verlagerung des LKW-Verkehrs auf die Gewerbestraße Abhilfe schaffen.

KRAMSACH (bfl). Kramsach ächzt unter der laufend zunehmenden Verkehrslawine, die durch den Ort rollt. Aus dem leisen Ächzen ist mittlerweile eine Bürgerinitiative geworden, die sich mit lauter Stimme erhebt. Gemeinsam mit der Gemeinde Kramsach und dem Transitforum Austria-Tirol lud die Bürgerinitiative "Xund's Kramsach" die Bürger am Freitag, den 14. Juni zu einer Informationsveranstaltung. Die Bürgerinitiative will der Verkehrsflut in Kramsach mit einer "Enkeltauglichen Lärmschutzoffensive" Einhalt gebieten.
Rund 120 Interessierte kamen zur Veranstaltung in den Gemeindesaal Kramsach, ihr Blick gerichtet auf die Vertreter der Bürgerinitiative, Franz Madersbacher und Thomas Köhlbichler sowie Fritz Gurgiser vom Transitforum Austria-Tirol und Bürgermeister Bernhard Zisterer. Madersbacher und Köhlbichler starteten den Informations- und Diskussionsabend mit Zahlen und Fakten.

Fahrzeug alle 4,65 Sekunden

Seit zwei Jahren engagiert sich "Xund's Kramsach" bereits und hat, auf der Suche nach "echten" Zahlen, im Juli 2018 eine 24-Stunden-Zählung am Kreisverkehr in Kramsach durchgeführt. Rund 18.000 PKW und 940 LKW belasten laut diesen Zählungen den Ort täglich. Im Schnitt fährt also alle 4,65 Sekunden ein Fahrzeug den Kreisverkehr in Kramsach ein. Problematisch sei laut Bürgerinitiative auch die gezählte Frequenz in der Nacht: Von 21 bis 6 Uhr fahren insgesamt 1.289 Fahrzeuge durch Kramsach, davon sind 91 Schwerfahrzeuge. Kurz gesagt rollt also ein LKW pro 5,9 Minuten im Ort "vorbei".
Fasst man die beiden Kreisverkehre bei der Autobahnauffahrt auf Kramsacher und Brixlegger Seite zusammen, so komme man auf 40.000 Fahrten pro Tag, so die Bürgerinitiative. Im Vergleich zu anderen stark frequentierten Straßen, wie der Zillertaler Bundesstraße (B161) mit 16.745 KFZ pro Tag und der Loferer Straße bei Ellmau (B178) mit rund 15.000 KFZ pro Tag, liegt Kramsach damit an oberster Stelle.

Lärm belastet Gesundheit

Für die Vertreter der Bürgerinitiative stellt dies eine untragbare Situation dar, die vor allem eine gesundheitliche Belastung für die Bevölkerung mit sich führe. "Nutznießer dieser Verkehrspolitik sind wirklich einige wenige, deren Ziel es ist, hauptsächlich ihre Gewinnmaximierung voranzutreiben. Den Preis dafür, den bezahlen wir alle mit unserer Gesundheit," so Thomas Köhlbichler von der Bürgerinitiative. Er verwies etwa auf die erhöhten Risiken für Krebserkrankungen durch die massiv erhöhte Abgasbelastung.
Welche gesundheitlichen Folgen sich für den menschlichen Körper durch Lärm ergeben, zeigte der Gesundheitsmediziner Prof. Dr. Peter Lercher von der Technischen Universität Graz bei der Informationsveranstaltung auf. Die gesundheitlichen Schäden durch eine lange Lärmbelastung sind vielfältig und von großem Ausmaß. Der Lärm könne unter anderem für Schlafstörungen, Herzkrankheiten aber auch Lernprobleme bei Kindern verantwortlich gemacht werden.
Ein Problem, das Lercher ansprach, liegt auch in der "Lärmkartierung". Lärmkarten zeigen die Höhe der Lärmbelastungen in bestimmten Gebieten an und werden als Grundlage für bauliche Planungen verschiedener Art herangezogen. Gemacht werden müssen diese allerdings nur bei Straßen mit einem Verkehrsaufkommen von über drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr. Ebenso problematisch sieht Lercher die Klassifizierung von Grenzwerten für Lärm im Inntal. Im internationalen Vergleich werde oft nicht berücksichtigt, dass sich Lärm in alpinen Tälern anders und stärker "auswirke", als in den meisten anderen untersuchten Gebieten.

Forderungen der Bürgerinitiative

"Das Problem wird sich in den nächsten Jahren immer mehr zuspitzen und deswegen müssen wir handeln", sagte Franz Madersbacher von "Xund's Kramsach". Die Bürgerinitiative will die voranschreitende Beeinträchtigung der Lebensqualität für Kramsacher stoppen. Dazu fordern die Vertreter einige Sofortmaßnahmen für Kramsach.
Sie verlangen, dass der Lärm dort bekämpft werde, wo er entstehe. Der Verkehr soll deswegen einerseits durch 30er Zonen verlangsamt werden, um den Lärm einzudämmen und mehr Sicherheit zu erreichen. Andererseits soll es bauliche Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion geben, während vor allem jener Schwerverkehr, der hauptsächlich in der Nacht ein Problem ist, in die Gewerbestraße verlagert werden müsse. Weitere Lärmschutzeinrichtungen sollen zudem die Belästigung durch Lärm verringern.

Gurgiser: "Zeiten haben sich geändert"

"Die Zeiten haben sich geändert", sagte indes Fritz Gurgiser vom Transitforum Austria-Tirol. Man könne das derzeitige Verkehrsproblem nicht mit Mitteln der Achtziger Jahre lösen, sondern müsse aktiv eingreifen. "Wir dürfen uns hinter nichts verstecken", so Gurgiser und meinte damit auch die EU und etwaige Vorgaben durch diese. Seine Argumentation: Die EU schreibe Tirol in Sachen Lärm nichts vor. "Sie empfiehlt irgendetwas, aber was in Tirol ist, das bestimmen wir." Zuständig für Fahrverbote in der Umsetzung von Luftqualität sei das Land Tirol zusammen mit dem Bund.
Er verlange eine Änderung der Lärmwerte und Gleichheit hinsichtlich der Rechte. Kosten für den Lärmschutz müssten vom Verursacher getragen werden. "Jeder von uns hat eine Verantwortung", betonte Gurgiser. Im Zuge dessen appellierte er an die Anwesenden "selbstgemachten" Verkehr, wie etwa Anlieferungen für Online-Bestellungen, zu vermeiden.

Bgm Zisterer: "Sind miteinander unterwegs"

Auch Bürgermeister Bernhard Zisterer nahm beim Informationsabend in Kramsach Stellung und berichtete über die derzeitige Verkehrssituation im Ort. "Wir sind miteinander unterwegs", betonte Zisterer. Die Gemeinde und die Bürgerinitiative seien in einem Boot, denn Anregungen und Forderungen an Behörden bekämen mit dem Rückhalt der Bürgerinitiative mehr Gewicht. Alle Maßnahmen, die "im Ort" umgesetzt werden könnten, würden nach Möglichkeit sofort mit der örtlichen Polizei realisiert.
Im Zuge der Autobahnbrückensanierung wurde der Radweg nach Brixlegg in Angriff genommen. Auch eine Geschwindigkeitsreduzierung von 60 auf 50 km/h konnte in diesem Bereich durchgesetzt und eine weitere Rampe sowie Einfädelspuren bei der Autobahnauffahrt konnten realisiert werden.  Mit der Neuausschreibung des VVT Nahverkehrs 2021 erhofft sich Zisterer eine Verlagerung der Drehscheibe für den Verkehr vom Herrenhaus hin zum Bahnhof Brixlegg. Kramsach ist zudem heuer der Klima und Energiemodell (KEM) Region beigetreten, durch welche sich weitere Möglichkeiten ergeben könnten, Verkehr einzusparen.
Zisterer versprach im Rahmen der anschließenden Diskussion der Forderung nach einer 7,5 oder gar 3,5 Tonnen Beschränkung im Ort nachzugehen. Durch diese Maßnahme solle der Ausweichverkehr der Kontrollstelle Radfeld gestoppt werden.

Newsletter Anmeldung!

Du willst Infos, Veranstaltungen und Gewinnspiele aus deiner Umgebung?

Dann melde dich jetzt für den kostenlosen Newsletter aus deiner Region an!

ANMELDEN

Newsletter Anmeldung!

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen