Die Vollpension rockt das Forum Alpbach

Die Initiatoren der Vollpension Michael Lanner und Moriz Piffl.
  • Die Initiatoren der Vollpension Michael Lanner und Moriz Piffl.
  • Foto: Vollpension
  • hochgeladen von Melanie Haberl

ALPBACH. Ob Wirtschaftskapitän, Student oder Politkapazunder - alle lieben Oma!
Beim Essen kommen die Leut z’samm und Omas geilste Mehlspeisen dienen als Kommunikationskatalysator: Im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach gastiert das Wiener Generationen-Kaffeehaus Vollpension von 13. bis 31. August im aufgelassenen Alpbacher Hallenbad.
60 Gäste finden drinnen im „Wohnzimmer“ Platz, 200 Personen auf der „Omaranda“ Terrasse. Ab 12 Uhr servieren die Senioren dort täglich ihre einzigartigen Lebensgeschichten. Neben dem regulären Kaffeehausbetrieb gibt es etliche tägliche Programmpunkte in der Vollpension. Vom Heimatfilmabend „Patschenkino“ über „Bingo – des Glück is a Vogerl“ und Hansis Electrogrill (der Alpbacher Seniorenbund-Obmann Hans grillt zu elektronischer Musik) bis hin zum Gesprächsformat „Seniorenklub“.

Die Ausgangsidee der Vollpension

Wo gibt's den besten Apfelstrudel der Welt? Beim Demel? Und die beste Schokotorte des Universums? Im Sacher? Weit gefehlt, denn Tante Mirlis Apfelstrudel ist unerreicht und Oma Mayrs Schokokuchen einfach der Weltbeste! Mirlis Kochkünste sind heute aber kaum noch gefragt und Oma Mayr lebt im Altersheim...
Projektmitinitiator Michael Lanner: „Im urbanen Raum haben wir Jüngeren oft Null Kontakt mit älteren Menschen außerhalb unserer Familie, und manche nicht mal da. Auf der anderen Seite gibt’s genug ältere Menschen die extrem viel Spannendes zu erzählen, aber wenig Anschluß haben.“

Was soll das ganze Tratra?

Hauptziel der Initiative ist es, Jung und Alt an einen Tisch zu bringen und dabei gegenseitige Vorurteile aufzubrechen. Vor allem in der Stadt gibt es kaum öffentliche Räume, wo sich Jung und Alt miteinander treffen, es fehlt an Dialog. Der mediale Diskurs ist gezeichnet von der Diskussion generationenspaltender Probleme, anstatt verbindender Lösungen und Ideen.
In der Stadt leben Alt & Jung oft nebeneinander vorbei. Gegenseitige Vorurteile dominieren. Die Alten „drängeln nur an der Supermarktkassa und liegen uns Jungen auf der Tasche“, die Jungen „feiern nur, studieren ewig vor sich hin und mochn an Wirbel“.
Wertvolle Lebenserfahrungen und das Wissen der älteren Generation werden wenig geschätzt, außerhalb familiärer Strukturen kaum mehr weitergegeben und gehen verloren.

Ein weiteres Ziel ist, für Altersarmut zu sensibilisieren, Zuverdienstmöglichkeiten zu schaffen und zu integrieren. 26% der alleinstehenden SeniorInnen sind konkret von Armut gefährdet (nach alleinerziehenden Müttern das höchste Armutsgefährdungspotential, durchschnittliches jährliches Bruttoeinkommen von nur 13.487 Euro! (Quelle: Statistik Austria 2013). Der Arbeitsmarkt bietet wenig Jobs für Senioren um die Pension aufzubessern. Ältere Dienstnehmer werden oft als Ballast und nicht wertschaffend wahrgenommen. Alleinstehende Senioren vereinsamen vor allem in Städten, mitunter ohne Anschluss, Gesprächspartner und sinnstiftender Tätigkeiten.

Wie funktioniert die Vollpension?

Neben den geilsten Mehlspeisen werden zahlreiche Klischees bedient - als Lockmittel für die Vollpension. Durch Video-Lebensläufe, Fotoalben und Eventformate wird man jedoch recht schnell damit konfrontiert, dass nicht alle Bilder, die Jung und Alt so voneinander haben, auch stimmen.
Einige der Senioren können beispielsweise kein bisschen backen, andere machen nicht aus Spaß am Kontakt mit jungen Menschen bei der Vollpension mit, sondern einfach nur wegen der Kohle – die Teilzeitbeschäftigung stellt eine Möglichkeit dar, die magere Pension aufzufetten. In Wien hatte die Vollpension, die erstmals während der Vienna Designweek ihre Pforten öffnete, 200 Besucher pro Tag. Vor Ort in der Vollpension und in der medialen Berichterstattung sind unterschiedliche, motivierte und voll aktive Senioren sichtbar.

“Vollpension“ Verein für ökosoziale Projekte und Innovationen
Das Gastspiel der Vollpension in Alpbach wird von einem gemeinnützigen Verein abgewickelt. Die Initiatoren der Vollpension heißen Michael Lanner und Moriz Piffl, zwei Designer, besser bekannt unter dem Namen „Gebrüder Stitch“.

Wo: Hallenbad, 6236 Alpbach auf Karte anzeigen
Autor:

Melanie Haberl aus Kufstein

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