In Tirol und im Bezirk Kufstein: Positive Verkehrsbilanz 2010

Schwerer Unfall in Reith i. Alpbachtal
  • Schwerer Unfall in Reith i. Alpbachtal
  • Foto: ZOOM-Tirol
  • hochgeladen von Helene Wendlinger

Österreichweit darf man sich über eine durchaus positive Verkehrsunfallbilanz 2010 freuen. Noch nie war die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer so niedrig: 552 bezahlten bei einem Verkehrsunfall mit ihrem Leben, 2009 waren es im Vergleich noch 633. Ebenso bei der Zahl der Unfälle (2010: 35.348, 2009: 37.925) und der Zahl der Verletzten (2010: 45.858, 2009: 49.158) wurde ein Tiefstand erreicht.
In Tirol passierten im Jahr 2010 3.543 Unfälle (2009: 3.785), es gab 4.649 Verletzte (2009: 4.968) und 39 Getötete waren im Straßenverkehr zu beklagen (2009: 44).

Auch für den Bezirk Kufstein gibt es verhältnismäßig erfreuliche Zahlen zu vermelden: 390 Unfälle mit Personenschaden im Bezirk im Jahr 2010 sind um sieben Prozent weniger als im Jahr davor. Die Zahl der Verletzten ist um neun Prozent auf 515 gesunken. Der Großteil der Verletzten im Bezirk verunfallte im Pkw (56 Prozent), gefolgt von Mopednutzern (13 Prozent) und Radfahrern (12 Prozent).
Das Osterwochenende 2011 ging trotz wunderschönen Wetters und damit erhöhtem Verkehrsaufkommen glimpflich aus – es gab österreichweit keinen Toten zu beklagen. Dennoch geschahen in Tirol im Vergleich zum Vorjahr mehr Unfälle. Die Zahl der Verkehrsunfälle stieg von 31 auf 46. Verletzt wurden dabei 53 Personen, 2010 waren es „nur“ 47. Einen besonderen Anstieg gab es bei den Motorradunfällen. Im Jahr 2010 wurden drei Unfälle mit sechs Verletzten gezählt, heuer nahm die Tiroler Polizei 14 Motorradunfälle mit 16 verletzten Beteiligten auf.

Norbert Blaha, Leiter des KFV (Kuratoriums für Verkehrssicherheit) in Tirol, erläutert: „Der Rückgang der Unfallzahlen zeigt, dass die bislang umgesetzten Maßnahmen und langfristigen Programme wie das Verkehrssicherheitsprogramm wirken. Wir dürfen die Hände jetzt aber nicht in den Schoß legen, denn verstärkte Anstrengungen sind notwendig, wenn wir zur Spitze Europas aufschließen wollen. Handlungsbedarf besteht vor allem bei den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. So sind Kinder und ältere Menschen als Fußgänger im Straßenverkehr besonders gefährdet. Darüber hinaus müssen weitere Maßnahmen gegen Alkohol- und Drogenunfälle gesetzt werden“.

Auch die Zahl der tödlich verunglückten Fußgänger sank im Vergleich zu 2009 um drei Prozent. Dennoch - am besten wäre kein Verletzter oder Toter. Dazu sagt Blaha: „Gerade die Sicherheit auf Schutzwegen muss gewährleistet sein. Nach wie vor ist aber die Anhaltebereitschaft vor ungeregelten Schutzwegen gering. Dazu kommt eine unklare rechtliche Situation, die zu Machtspielen zwischen Fußgängern und Lenkern führt.“

Die häufigen Unfälle von älteren Verkehrsteilnehmern bei Dämmerung oder Dunkelheit stellen ein großes Problem dar. Die körperliche Fragilität einer älteren Person kann zu schweren, wenn nicht tödlichen Verletzungen führen, die bei einem jüngeren Opfer meist weitaus glimpflicher ausgehen. Blaha: „Viele Senioren kennen die Gefahren im Straßenverkehr und sind verunsichert – hier müssen verstärkt Maßnahmen gesetzt werden. Außerdem sollten bestehende Zebrastreifen auf ihre Sinnhaftigkeit und Konformität mit Sicherheitsvorschriften getestet werden. Schutzwege müssen sinnvoll angelegt sein, um von Autofahrern rechtzeitig erkannt zu werden.

„Die Kombination aus Strafverschärfung, mehr Kontrollmöglichkeiten dank der Alkoholvortestgeräte und bewusstseinsbildenden Maßnahmen zeigt die erhoffte Wirkung“, ist Blaha über den Rückgang der Alkoholunfälle erfreut. „Trotzdem: Gerade junge Pkw-Lenker fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Daher muss vor allem bei jungen Erwachsenen das Bewusstsein für die Gefahren von Alkohol und Drogen am Steuer geschärft werden. Wir fordern daher nicht nur eine verstärkte Sucht- und Alkoholprävention, sondern auch bessere Kontrollmöglichkeiten für die Exekutive. Derzeit gibt es kein Roadside-taugliches Schnellverfahren zur Drogenerkennung – hier braucht es einen Selektionsmechanismus ähnlich Alkoholvortestgeräten“, so Blaha. „Alkohol und Drogen am Steuer sind lebensgefährlich – das muss jungen Erwachsenen noch stärker bewusst gemacht werden. Unabhängig davon wäre die Ausweitung der Probezeit von derzeit zwei auf vier Jahre zu befürworten“.

Eine positive Maßnahme stellt die kürzlich beschlossene Radhelmpflicht für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr dar. Dennoch ist die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer immer noch zu hoch: „Im Bereich Radfahren wäre ein weiteres Bündel von Maßnahmen notwendig: Die Promillegrenze für Radfahrer sollte von 0,8 auf 0,5 Promille gesenkt, sowie ein generelles Handyverbot am Rad umgesetzt werden. Alkoholisierung und die Ablenkung durch Telefonieren am Fahrrad erhöhen die Unfallgefahr deutlich“, erklärt Blaha.

2009 verunfallten 3.034 Personen, 2010 reduzierte sich die Zahl auf 2.729 verletze Motorradfahrer im Straßenverkehr. Auch bei der Zahl der Getöteten konnte ein Rückgang verzeichnet werden. „Eine Risikogruppe bei Motorradlenkern sind jene, die mit 18 den A-Führerschein machen, dann jahrelang nicht mehr fahren und sich mit 40 Jahren ein schweres Motorrad kaufen. Die fehlende Fahrpraxis erhöht die Unfallgefahr deutlich. Hier ist ein bewussterer Umgang mit den speziellen Anforderungen des Motorradfahrens notwendig. Die Praxis muss stärker in den Vordergrund rücken“, sagt Blaha.

Der Mopedausweis wird 2013 zum vollwertigen Mopedführerschein der Klasse AM, welche auch die Lenker von Mopedautos umfasst. „Eine Tiefenanalyse des KFV hat gezeigt, dass bei jedem zehnten Unfall in dieser Fahrzeugkategorie medizinische Ursachen, vor allem Sehschwächen und Kreislaufprobleme, eine Rolle spielen. Wir sprechen uns daher für eine ärztliche Gesundheitsüberprüfung vor der Führerscheinerteilung aus, die laut EU-Richtlinie mit der Aufwertung des Ausweises zum Führerschein verbunden werden kann”, erklärt Blaha.

Kommentar zum Beitrag:
Ein Hoch auf den sicheren Verkehr

Autor:

Helene Wendlinger aus Kufstein

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