"Tiroler Felsenkäserei GmbH"
Käsestollen-Pläne in Reith sind vom Tisch

Viel los war im Reither Gemeinderat, als über die Pläne zur Felsenkäserei debattiert wurde.
2Bilder
  • Viel los war im Reither Gemeinderat, als über die Pläne zur Felsenkäserei debattiert wurde.
  • Foto: Haun
  • hochgeladen von Sebastian Noggler

Die Felsenkäserei-Pläne in Reith sind Geschichte. Der Gemeinderat ließ alle Umwidmungen das Projekt betreffend aufheben, die Söhne des Proponenten wollen keinen Neuanlauf starten, zu viel sei passiert. LK-Präsident Hechenberger, Gemeinderat in Reith, appellierte vergebens.

REITH (flo). "Auf das ganze Theater was da war, kann ich verzichten!" betonte der Zillertaler Unternehmer Josef Rahm vor zahlreichen Zuhörern bei der Gemeinderatssitzung in Reith im Alpbachtal bezüglich der beiden auf seinem Grundstück im Ortsteil St. Gertraudi geplanten Käsestollen der "Tiroler Felsenkäserei GmbH".

Tohuwabohu mit Sonderflächen-Widmungen

Für Rahms Vorhaben wäre eine Sonderflächenwidmung für insgesamt 2.500 Quadratmeter nötig gewesen, allerdings widmete der Reither Gemeinderat  im vergangenen September 5.000 Quadratmeter, wogegen Rahm protestierte. "Damit wollten wir die ganze Prozedur beschleunigen, denn das Bauvorhaben wäre nur mit einer einheitlichen Widmung gegangen", erklärte Amtsleiter Ludwig Moser die verdoppelte Sonderflächenwidmung, denn allein im Einfahrtsbereich hätte es verschiedene Widmungen gegeben, wodurch ein Bauvorhaben unmöglich gewesen sei. Dies sei im Vorfeld auch mit dem Land Tirol abgeklärt worden, da es durch die "Sonderflächenwidmung Felsenkäserei" weniger Auflagen gegeben hätte und auch die Sachverständigengutachten einfacher gewesen wären, so die Gemeinde.

Auch der herrschende Zeitdruck sei ein Faktor gewesen, da zahlreiche Stellungnahmen einzuholen sehr lange gedauert hätte. Die ursprüngliche Vereinbarung habe gelautet, bis Ende 2018 alle behördlichen Schritte abgeschlossen zu haben.

Bürgermeister: "Haben uns sehr bemüht"

"Bei dieser Sache, mit der wir das ganze letzte Jahr beschäftigt waren, waren wir die Drehscheibe", stellt Reiths Bürgermeister Johann Thaler in den Raum. In einer rund 40 Minuten langen Präsentation legte der Bürgermeister bei der Sitzung den gesamten Schriftverkehr zum Projekt, das im April 2018 gestartet wurde, offen, damit jeder den Ablauf nachvollziehen könne. "Wir haben uns wirklich sehr bemüht und die Gemeinde hat sich auch immer als Vermittler gefühlt, da wir den Käsestollen sehr begrüßt hätten", versicherte Thaler.

"Diese Widmung konnte ich nicht rechtskräftig werden lassen, weil ich nicht wusste, ob ihr es wieder zurückwidmet oder nicht", erklärte Rahm seine Einwände. Schließlich könne er sich wegen der Sonderflächenwidmung nicht die Einfahrt zu seinem Betrieb "Brennstoff Vertrieb Rahm" nehmen lassen, der sich auf dem betroffenen Areal befindet. Weiters hätten für das Projekt 2.000 Quadratmeter Grund vom angrenzenden Asylwerberheim "Landhaus" angekauft werden müssen. "Im Vorvertrag war festgelegt, dass die Felsenkäserei erst mit dem Bau anfangen darf, wenn der Grundankauf vom Land rechtskräftig ist", erklärte Rahm. Allerdings wollte die Käserei bereits Mitte Oktober 2018 ihr Bauvorhaben beginnen, was Rahm jedoch aufgrund einer fehlenden rechtskräftigen Widmung ausdrücklich untersagte. 

Eigener Betrieb von Wirbel betroffen

Zu diesem Zeitpunkt habe es auch keine Rodungsbewilligung gegeben, die für die Errichtung der benötigten Felsensicherung nötig gewesen wäre. Ein weiteres Problem bei diesem frühen Baustart sei zudem die kurzfristige Verlegung des Waschraums seines Betriebs gewesen, der für das Projekt hätte abgerissen werden müssen. "Ich musste ja auch darauf schauen, dass wir selber ungehindert weiterarbeiten können", so der Unternehmer.

Schließlich wurde Rahm dann im November durch den Anwalt der "Tiroler Felsenkäserei GmbH" von der Kündigung des Vorvertrags in Kenntnis gesetzt. "Ich verstehe aber nicht, dass mich dann zwei Tage später ein zu 25 Prozent beteiligter Mitgesellschafter der Felsenkäserei aus dem Pinzgau angerufen hat und mir gesagt hat, dass für ihn der Vertrag nicht gekündigt ist", wundert sich Rahm.

Zur selben Zeit wurde die Widmung der Einfahrt vom Reither Gemeinderat wieder auf Gewerbe- und Industriegrund geändert. "Wenn ich keinen Vorvertrag mehr habe, brauche ich auch keine Widmung mehr", so der Zillertaler.

"Zu viel passiert" für Neustart

Bedauern zeigte auch Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger, der in Reith als Gemeinderat aktiv ist. Er appelierte an Rahm einen Schlussstrich zu ziehen und sich nochmals mit allen Beteiligten zusammen zu setzen, um einen Neustart des Projekts zu versuchen. Rahm verwies dabei auf seine, ebenfalls in der Gemeinderatssitzung anwesenden Söhne, da er ohnehin bald in Pension gehen werde und diese den Betrieb weiterführen sollen. Für sie sei allerdings "zu viel passiert", vom Projekt wolle man daher nichts mehr wissen.

"Alles retour" bei Widmungen

"Von der derzeitigen Widmung hat weder die Firma Rahm, noch die Gemeinde, oder die Felsenkäserei etwas, deshalb ist es besser wir widmen alles wieder zurück", schloss der Bürgermeister. Einstimmig wurden daraufhin die vorangehenden betreffenden Gemeinderatsbeschlüsse aufgehoben und die Widmungen in ihren Ursprungszustand zurückversetzt. Auch den Bebauungsplan für die Felsenkäserei wurde aufgehoben.

"Leider sind hier viele Sachen schief gelaufen, wo wir nicht schuld waren", betonte der Unternehmer und fügte hinzu, dass die Felsenkäserei zu unkoordiniert arbeite und ihnen schließlich die Zeit davonlief.
"Ich will auch nicht der Familie Rahm die Schuld geben, aber ich möchte auf jeden Fall die Schuld von der Gemeinde zurückweisen", erklärte Bürgermeister Thaler.

Ein Projekt das Rahms Grund betrifft gibt es in Reith noch: Der Inntal-Radweg soll Richtung St. Gertraudi fortgeführt werden, hier sei man aber guter Dinge.

Viel los war im Reither Gemeinderat, als über die Pläne zur Felsenkäserei debattiert wurde.
Der Zillertaler Unternehmer Josef Rahm mit den ursprünglichen Widmungsplänen mit 2.500 Quadratmetern Sonderfläche.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen