Grundversorgung
Kassenärzte im Bezirk Kufstein stehen unter Druck

Einige Kassenärzte im Bezirk Kufstein haben eine enorm hohe Auslastung. (Symbolfoto)
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  • Einige Kassenärzte im Bezirk Kufstein haben eine enorm hohe Auslastung. (Symbolfoto)
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In manchen Gemeinden im Bezirk Kufstein sind Kassenärzte überlastet, teilweise sind offene Stellen auch lange unbesetzt. Gründe dafür könnten vorgeschriebene Arbeitszeiten und bürokratische Auflagen sein.

BEZIRK KUFSTEIN. Es sei unmöglich, in Kufstein und Umgebung einen neuen Hausarzt zu finden, schildert eine Leserin der Bezirksblätter ihre verzweifelte Lage. Tatsächlich haben im Bezirk bereits einige Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag einen Aufnahmestopp für neue Patienten verhängt. Auch in anderen medizinischen Fächern ist die Situation ähnlich prekär. So gibt es beispielsweise eine offene Kassenstelle für jeweils einen Kinder-, Frauen- und Hautarzt in Wörgl, einer Stadt mit rund 14.000 Einwohnern. 

Fakten zu den Kassenärzten

Werner Salzburger, Landesstellenausschuss-Vorsitzender der ÖGK, kennt die Zahlen und betont, dass derzeit 42 von 45 vorgesehenen allgemeinmedizinischen Planstellen für den Bezirk besetzt seien. Auch bei den Fachärzten wären 27 von 31 Planstellen vergeben. Die Planstellen würden laufend in Hinblick auf die demographische Entwicklung angepasst, so Salzburger.
Offene Stellen können zu Engpässen führen, die sich in kürzeren Behandlungs- und längeren Wartezeiten widerspiegeln. Problematisch wird es allerdings, wenn gewisse Posten über mehrere Jahre hinweg nicht nachbesetzt werden können. So wurde beispielsweise in der Stadt Kufstein eine offene Stelle, die seit 1. April 2017 ausgeschrieben war, vor Kurzem erst vergeben. Die 20.000-Einwohner-Stadt Kufstein habe derzeit mit nur sechs Allgemeinmedizinern auf Kassenbasis einen viel zu hohen Schnitt von rund 3.300 Patienten pro Arzt, erklärt Erwin Zanier, der selbst jahrelang als Hausarzt in Kufstein tätig war.

Werner Salzburger versucht zusammen mit der Ärztekammer das Kassensystem attraktiver zu gestalten.
  • Werner Salzburger versucht zusammen mit der Ärztekammer das Kassensystem attraktiver zu gestalten.
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Gründe für die freien Stellen

Erwin Zanier verweist dabei vor allem auf die fehlende Flexibilität im Kassensystem. "In manchen Fächern werden sie nur noch Wahlärzte auftreiben können", meint Zanier. Kassenärzte hätten immer noch vorgeschriebene Ordinationszeiten, Wochenenddienste und sehr viel Bürokratie zu erledigen. Einige Dinge wären in den letzten fünf Jahren verbessert worden, dies sei allerdings zu wenig. Eine ausgewogene "Work-Life-Balance" sei immer noch kaum möglich, so Zanier, der gut nachvollziehen kann, warum sich viele junge Mediziner für einen anderen Weg entscheiden.
Zudem ergänzt Zanier, dass auch immer mehr Frauen Medizin studieren und Ärztin werden. Dies ist grundsätzlich eine positive Entwicklung. Ärztinnen sind aber - wie leider auch viele Frauen mit anderen Berufen - oftmals stärker mit familiären Verpflichtungen belastet. Auch deshalb sei es wichtig, dass das Kassensystem mehr Flexibilität biete, um sich diesen Gegebenheiten anzupassen. 

Für Erwin Zanier liegen die Gründe auf der Hand, warum sich immer weniger Mediziner für das Kassensystem entscheiden.
  • Für Erwin Zanier liegen die Gründe auf der Hand, warum sich immer weniger Mediziner für das Kassensystem entscheiden.
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Bessere Rahmenbedingungen

Genau da sei in den letzten Jahren angesetzt worden, um den Alltag der Kassenärzte zu erleichtern. Neben Job-Sharing mit Teilverträgen sei auch die Bildung von Gruppenpraxen ermöglicht. Weiters könnten Kassenärzte nun andere Mediziner anstellen. All diese und noch weitere Maßnahmen, die die ÖGK gemeinsam mit der Ärztekammer entwickelt habe, zielen darauf ab, so Salzburger, dass die Lebensqualität der Kassenärzte verbessert und einem ausgewogenem Maß an Arbeits- und Freizeit mit einer gewissen Flexibilität nachgekommen wird.

Stichwort Entlohnung

Oftmals kommen natürlich mehrere Aspekte zusammen. Die Bezahlung spiele eine Rolle, scheint aber nicht das wesentliche Problem zu seien, so Zanier, der den administrativen Aufwand und die fehlende Flexibilität in den Vordergrund stellt. "Wir sind nicht in einem Tarifsystem gefangen. Vielmehr stellt ein faires und transparentes Honorierungssystem eine wesentliche Basis für die Attraktivität ärztlicher Arbeit dar. Wir sind gemeinsam mit der Ärztekammer bemüht, im Rahmen der Möglichkeiten das Honorierungssystem leistungsgerecht und attraktiv weiterzuentwickeln", so Salzburger. Eine etwas andere Sicht auf die Dinge hat der Tiroler Neos-Klubobmann Dominik Oberhofer, der bessere Arbeitsbedingungen und bessere Entlohnung für Kassenärzte fordert. Viele junge Mediziner, die in Tirol ausgebildet werden, würden nämlich nach Abschluss sofort ins Ausland abwandern, da dort bessere Job-Perspektiven vorzufinden seien. (klau)

Aktuelle Nachrichten aus dem Bezirk Kufstein gibt‘s hier.

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