MINI MED Studium Kufstein
"Keine stille Nacht" bei Schnarchen und Atemaussetzern

HNO-Oberarzt Dr. Klemens Dejakum mit Seniorenrats-Obfrau Christine Lederer im BKH Kufstein.
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HNO-Oberarzt Dr. Klemens Dejakum informierte im Rahmen des MINI MED Studiums im Kufsteiner Bezirkskrankenhaus über Diagnostik und Therapiemöglichkeiten von Schnarchen und Atemaussetzern im Schlaf.

KUFSTEIN (nos). So gut wie jeder schnarcht gelegentlich, im Rausch schnarchen alle. Es ist lästig, mehr für PartnerInnen als für Betroffene, und an sich nicht krankhaft. Hals-Nasen-Ohren-Oberarzt Dr. Klemens Dejakum gab beim MINI MED Studium in Kufstein Einblick in die Entstehung des Schnarchens, die Diagnostik seiner Fachrichtung und die Möglichkeiten zur Therapie.

Weit verbreitet, besonders im Alter

15 Prozent aller Kinder, rund ein Drittel der 30-jährigen Männer und 10 Prozent der gleichaltrigen Frauen sowie 60 Prozent der 60-jährigen Männer und 40 Prozent der 60-jährigen Frauen schnarchen. Die Folgen sind oft Beziehungsprobleme, chronische Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwächen, Depression, hoher Blutdruck, Herzrasen, aber auch steigende Schlaganfall- und Herzinfarkt-Neigung. Problematisch wird schnarchen besonders, wenn es in die Schlafapnoe übergleitet, Betroffene also Atemaussetzer im Schlaf bekommen.

Die Gründe für's Schnarchen

Schnarchen entsteht durch die Vibration des Weichgaumens und des Zungengrunds und weist auf einen erhöhten Atemwiderstand hin. Üblicherweise passiert die Luft beim Einatmen ungehindert die Atemwege. Doch wenn die Nase "zu" ist, oder Gaumen oder Zungengrund abfallen, kann es zum Kollaps kommen. Das verschließt die Atemwege.
Gründe dafür können bei Erwachsenen etwa Fettleibigkeit, große Mandeln, erschlaffendes Gewebe, ein dicker Zungengrund, eine behinderte Nasenatmung oder auch Alkohol und Medikamente sein.
"Das Schnarchen an sich ist nicht krankhaft", erklärt Dr. Dejakum. Gesundheitliche Probleme bringt allerdings die obstruktive Schlafapnoe. Davon sprechen die Mediziner, wenn Atemaussetzer im Schlaf über zehn Sekunden dauern und mehr als zehn Mal pro Stunde auftreten. Das Ringen nach Luft im Schlaf geht so weit, bis Betroffene davon aufwachen. "Es gibt Patienten, die machen das 100 Mal pro Stunde, da ist das dann kein Schlaf mehr, sondern ein Todeskampf", schildert der HNO-Oberarzt die besonders schwere Ausbildung der Schlafapnoe.

Dr. Klemens Dejakum schilderte den Interessierten in seinem Vortrag die diagnostischen Mittel der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte in der Untersuchung von Schnarchen und Apnoe. Er empfiehlt im Erstgespräch den/die PartnerIn mit zu nehmen, kennen diese doch häufig das Schlaf- und Schnarchverhalten der Betroffenen besser als sie selbst. Dann geht's an die Untersuchung von Nase, Nasenrachen, wofür das Endoskop zum Einsatz kommt, Mundrachen, Zungengrund und Kehlkopf, sowie Gesicht und Kinn. Meist folgt darauf eine Schnarchsimulation, um vor Ort die Kollapsneigung des Schnarchenden einschätzen zu können. Das kann auch in Vollnarkose gemacht werden, wofür eine stationäre Aufnahme notwendig wird. Dabei werden Patienten dann im Schlaf mit dem Endoskop untersucht. "In aller Regel folgt dann ein kleines Schlaflabor", schildert Dr. Dejakum, "das machen wir hier im Haus." Die "respiratorische Polygraphie" zeichnet diverse Parameter des Betroffenen im Schlaf auf, Patienten bleiben dafür eine Nacht lang im BKH in einem Einzelzimmer. Darauf folgen Auswertung, Befundbesprechung, die Darstellung von Behandlungsmöglichkeiten und ein möglicher Therapieplan. Bei "reinen" Schnarchern ende die ärztliche Konsultation dann oft an diesem Punkt, so Dr. Dejakum, da deren Leidensdruck für die angebotenen Maßnahmen zu gering sei. Bei Personen mit Schlafapnoe sieht das anders aus.

Ein "großes" Schlaflabor hat das Kufsteiner BKH nicht, auch wenn man sich über Jahre hinweg darum bemüht habe, nachdem das KH Kitzbühel geschlossen wurde, erklärt Dr. Dejakum. Nur an der Universitätsklinik Innsbruck und in Natters wird die große Polygraphie angeboten, zwei Einrichtungen – Hochrum und Telfs, haben dies privatärztlich im Angebot, gegen teils beträchtliche Aufpreise. In Innsbruck und Natters ist dafür die Warteliste lang: etwa ein Jahr warten Betroffene auf einen Platz im Schlaflabor der Klinik. Im Tiroler Unterland bleibt seit dem Wegfall in Kitzbühel nur das "kleine" Schlaflabor.

Neben Hilfsmitteln wie Nasen- und Gaumenklammern oder -spangen, Schlafrucksäcken und allerlei anderen Gerätschaften, die gegen das Schnarchen helfen sollen, können Schnarchen eine Lebensstiländerung in Betracht ziehen: weniger Alkohol, weniger schweres Essen, Gewichtsreduktion, mehr Sport – das kann helfen. Auch Schlfpositions- und Gaumentraining wären Möglichkeiten das Schnarchen zu minimieren. Drei Mal pro Woche eine halbe Stunde lang Didgeridoo-Üben hilft.
Bei Schlafapnoe raten die Mediziner dann zur CPAP-Maske, dem "Goldstandard der Therapie", den auch die Kasse bezahlt. Dabei bekommen Betroffene Umgebungsluft mit Überdruck an die Atemwege geblasen, was den Kollaps der Atemwege verhindert. Das Gerät braucht Anpassung und muss konsequent eingesetzt werden, was allerdings vielen missfalle. Zudem braucht's zur Anpassung ein großes Schlaflabor, das bedeutet neuerliches Warten.
Ansonsten steht, je nach Kollapsneigung, noch eine Operation als Therapiemöglichkeit bereit, etwa Nasen- oder Mandel-OP, Gaumenerweiterung, Pharyngoplastik oder ein Zungenschrittmacher. 

Mehr zum Thema

Alle Beiträge zum Thema Schnarchen finden Sie hier.
Am 6. Juni findet der nächste Vortrag des MINI MED Studiums in Kufstein statt, dann spricht PrimarDr. August Zabernigg, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am BKH Kufstein, über neue Entwicklungen in der Tumorbehandlung.  Alle Beiträge zum Thema Mini Med Studium in Kufstein finden Sie hier.
Details, Videos und Infos rund um das Mini Med Studium finden Sie hier.
Alle Beiträge zum Thema Bezirkskrankenhaus Kufstein finden Sie hier.
Noch mehr Beiträge zum Thema Gesundheit finden Sie auch auf www.gesund.at.

Autor:

Sebastian Noggler aus Kufstein

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