Holz
Klimawandel und Borkenkäfer fordern Waldaufseher im Bezirk Kufstein

Der Leiter der Bezirksforstinspektion, Hans-Peter Schroll, erklärt im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN warum vor allem der Borkenkäfer und der Klimawandel ein Thema für Waldbesitzer sind.
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  • Der Leiter der Bezirksforstinspektion, Hans-Peter Schroll, erklärt im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN warum vor allem der Borkenkäfer und der Klimawandel ein Thema für Waldbesitzer sind.
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Der Borkenkäfer beschäftigt Waldaufseher und Förster im Bezirk Kufstein trotz geringerer Schäden im heurigen Winter weiterhin. Eine besondere Herausforderung für die Zukunft ist aber auch und vor allem der Klimawandel. 

BEZIRK KUFSTEIN (bfl). Der Wald nimmt mehr als die Hälfte der Fläche im Bezirk Kufstein ein. Als Erholungsraum ist er ein wichtiger Teil des täglichen Lebens. Dabei erfüllt er eine Menge an anderen Aufgaben und hat, was den Klimawandel betrifft wohl noch so einige Hürden vor sich.
Obwohl man heuer von größeren Windschäden verschont geblieben sei, gilt es wachsam zu sein und einem Borkenkäfer-Befall entgegenzuwirken, erklärt der Leiter der Bezirksforstinspektion, Hans-Peter Schroll, im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN. 
Was den Besitz betrifft, gehört rund ein Drittel der Wälder im Bezirk den Bundesforsten, die restlichen zwei Drittel sind Privatwald. Insgesamt sind im Bezirk 55.000 Hektar Wald zu bewirtschaften. Es gibt auch einige größere Waldbesitzer im Bezirk, die Agrargemeinschaften sind. Die Stadtgemeinde Kufstein ist dabei der größte Waldbesitzer. Ansonsten ist der Waldbesitz im Bezirk grundsätzlich eher kleinstrukturiert. Dabei gibt es, was den Privatwald betrifft, 3.800 Waldeigentümer. Ihre Betriebe haben eine Durchschnittsgröße von neun Hektar Wald.

Borkenkäfer ist weiterhin Thema

Auf sie, aber auch auf die großen Waldbesitzer warten in diesem Jahr erneut Herausforderungen. Zwar sei man in dieser Wintersaison was Schadholz betrifft relativ unbescholten davon gekommen, es gelte aber dennoch Vorsicht beim Thema Borkenkäfer, sagt Schroll. Wie gefährlich dieser heuer werden könnte wird sich noch zeigen. Entscheidend ist immer die Entwicklung im Frühjahr was den Temperaturverlauf und die Niederschlagsmenge betrifft. Ist es also nass und kalt, ist der Borkenkäfer gehemmt. 
In den Wäldern des Bezirks liegen derzeit teilweise noch immer Bäume, die bereits in der Wintersaison 2018/19 "gefallen" sind. Ziel sei es, bis Mai dieses Jahres das meiste liegende Holz aus den Wäldern des Bezirks zu bringen, erklärt Schroll. Genutzt wurden im abgelaufenen Jahr 106.000 Kubikmeter an Holz. Der Holzzuwachs im Bezirk betrug hingegen 160.000 Festmeter. Es wird also weniger genutzt, als zuwächst – ein Trend der sich durch die letzten zwanzig Jahre zieht. Im letzten Jahr waren 81 Prozent dieser 106.000 Festmeter Schadholz. "Es ist also von den Waldeigentümern überwiegend Schadholz genutzt worden", sagt Schroll. Von den rund 86.000 Festmetern Schadholz des letzten Jahres waren "nur" 8.000 Festmeter vom Borkenkäfer befallen.

Klimawandel zwingt zum Handeln

Eine weitere Herausforderung wartet auf die Waldbesitzer auch durch den Klimawandel – kein neues Thema für die Waldbesitzer, die sich schon seit zehn Jahren mit den Folgen desselben beschäftigen. Es zeigt sich, dass der Niederschlag nun vermehrt im Herbst und Winter auftritt. Dadurch bekommen die Bäume in der Vegetationsperiode (Frühjahr bis Herbst) für ihr Wachstum weniger Wasser. Gerade auf einer Seehöhe von 500 bis 1.000 Metern bringt das vor allem Fichtenbäume in eine missliche Lage.  
Vertreten sind im Bezirk zwar grundsätzlich alle Baumarten, 57 Prozent aller Bäume in den Wäldern der Region sind jedoch Fichten, gefolgt von Buchen und Tannen. Es ist dies ein Verhältnis, das sich in den nächsten Jahren wohl zwangsweise verändern muss.
"Aus unserer Sicht muss man, wenn man einen gesunden und stabilen Wald haben will, für die nächste Waldgeneration (80 bis 100 Jahre, Anm.) jetzt schon Maßnahmen setzen, damit mit in der Baumarten-Zusammensetzung eine Verschiebung erreicht", erklärt Schroll. Es gilt also in der Zukunft weniger auf die Fichte, sondern auf Laubbäume zu setzen. In der Zukunft dürfte vor allem die Tanne eine große Rolle spielen, auch was die Sägeindustrie betrifft, denn ihr Holz weist (mindestens) die gleichen Qualitäten wie jenes der Fichte auf.
Zur Umstellung in den Wäldern wurde vor kurzem auch die Initiative des Landes Tirol „Klimafitter Bergwald Tirol“ gestartet. Ziel ist es die Tiroler Bergwälder langfristig an den Klimawandel anzupassen. Waldbesitzer, die nun vermehrt auf Mischungen bzw. verschiedene Baumarten abseits der Fichte setzen wollen, werden dabei beraten. 

Über die Bezirksforstinspektion Kufstein

Die Bezirksforstinspektion Kufstein ist eine Organisationseinheit der Bezirkshauptmannschaft Kufstein. Beschäftigt sind dort neben Schroll und einem weiteren Akademiker vier Förster. Zu den Aufgaben der Bezirksforstinspektion zählt unter anderem die fachliche Führung von 23 Gemeindewaldaufsehern im Bezirk, die die Waldbesitzer beraten. Zudem betreibt sie die Forstaufsicht, aber auch forstliche Beratung und Waldpädagogik. 

Aktuelle Nachrichten aus dem Bezirk Kufstein finden Sie hier.

Autor:

Barbara Fluckinger aus Kufstein

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