NHT-GF: "Investieren 100 Millionen Euro"
Kufstein zeigt das neue Gesicht der "Südtiroler Siedlung"

Interessierte Blicke auf das Modell der neuen Südtiroler Siedlung in Kufstein, die in den kommenden Jahren nach und nach Gestalt annehmen soll.
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  • Interessierte Blicke auf das Modell der neuen Südtiroler Siedlung in Kufstein, die in den kommenden Jahren nach und nach Gestalt annehmen soll.
  • hochgeladen von Sebastian Noggler

KUFSTEIN (nos). Am 11. Oktober 2016 erfolgte der offizielle Spatenstich für die ersten beiden Baukörper der "Bauphase 1" in der Meranerstraße, dem Auftakt zum großen Umgestaltungsprojekt der Neuen Heimat Tirol (NHT) mit der Stadtgemeinde Kufstein zur Erneuerung des Quartiers "Südtiroler Siedlung" – die BEZIRKSBLÄTTER berichteten.
Im Zuge der Baumaßnahmen an den ersten Teilen des neu zu gestaltenden Stadtviertels wurde nach der "Grobplanung" des neuen Quartiers ein städtebaulicher Wettbewerb mit 19 Einreichungen der 21 geladenen Architekten – jeweils sieben Vorschläge der Architektenkammer, der Stadtgemeinde sowie der NHT – bis zum Sommer 2018 für den Feinschliff gesorgt (hier geht's zum "Masterplan für Sparchen").

Am Freitag, dem 19. Oktober, luden Stadt und NHT nun zur Präsentation der eingereichten Entwürfe und natürlich zum ersten Blick auf das gekürte Siegerprojekt in den Kufsteiner Stadtsaal. Die Jury, bestehend aus den beiden NHT-Geschäftsführern Hannes Gschwentner und Marcus Pollo, zwei Vertretern der Architektenkammer aus Wien und Vorarlberg, der Tiroler Wohnbauförderung sowie Vizebürgermeisterin Brigitta Klein, entschied sich schließlich einstimmig für die Entwürfe von Claudia Dorner und Martin Fuchs (Architektengemeinschaft "parc Architekten") aus Innsbruck. Kufsteins Raumplanerin Claudia Schönegger und Stadtbaumeisterin Elisabeth Bader waren ebenso beratend im Gremium vertreten.
Grundvoraussetzung für alle Einreichungen war ein "behutsamer" Umgang mit der durch viele Grünanlagen und Freiräume "lockeren" Siedlung sowie die Möglichkeit über mehrere Bauphasen hinweg das gesamtprojekt über einen angestrebten Zeitraum von rund 15 Jahren zu realisieren.
Der auserwählte Entwurf zeihne sich durch eine "sehr umsichtige, sorgsame und penible Vorbereitung" aus, meinte NHT-GF Gschwentner. Mit aufgenommen wurden, auch das war eine Grundbedingung, die Wünsche der Stadtgemeinde nach einem möglichen kommenden Altenwohnheim in Sparchen, einem angestrebten Jugendtreff inklusive Sport- und Freizeitmöglichkeit, die Einbindung des geplanten Volksschulneubaus und der Waldorfschule sowie "Nahversorger", wie Trafik, Bäckerei, Café, Friseursalon und ähnlichem.

"Wir brauchen in Kufstein mehr Wohnraum, das ist klar", stellte Bgm Martin Krumschnabel zur Situation auf dem Wohnungsmarkt der Festungsstadt fest. Zudem habe man die Losung ausgegeben Sparchen zu "verbessern, nicht nur verändern um der Veränderung Willen". Zudem gehe die Stadtführung davon aus, dass über kurz oder lang ein weiteres Seniorenwohnheim in Kufstein notwendig werde, ob als Heimlösung oder als "Betreutes Wohnen" hänge dabei von den Vorgaben des Landes und des Bundes ab – Stichwort: "Pflegeschlüssel". Nicht nur da die Flächen-Ressourcen an den bestehenden beiden Altenheimen ohnehin erschöpft seien, wäre ein Neubau in Sparchen dafür interessant. "Dann könnten die Sparchener auch in ihrem liebgewonnen Stadtteil alt werden", meint Krumschnabel.
Mit dem Gesamtprojekt, das die Anzahl der in der Südtiroler Siedlung aktuell bestehenden Wohnungen binnen der kommenden 15 Jahre beinah verdoppeln soll, sei man "von der Theorie in die Praxis übergegangen" und könne so "leistbaren Wohnraum" schaffen. 700 Wohneinheiten sollen mit Abschluss der Quartierneugestaltung dann neu errichtet worden sein. Die NHT investiere, nach heutigem Stand, rund 100 Millionen Euro in die Umgestaltung der Siedlung, sagte Gschwentner. "Was mir so taugt ist, dass die Qualität des Quartiers so viel besser wird", meinte der GF nicht nur mit Blick auf den aktuellen Bestand, der teils durch den baulichen Zustand und die Wohnungsschnitte "sehr negativ aufgefallen" sei.

Ein "Dorfzentrum" für Sparchen

"Grundgedanke des Quartiers", so Gschwentner, "ist den Wohnbereich so autofrei wie möglich zu halten". Möglich wird das durch mehrere Tiefgaragen, die bis auf eine Ausnahme alle entlang der Hauptverkehrsachse Stuttgarter Straße angelegt werden. Nach Osten abzweigende Straßen werden nur noch als Zufahrten zu Besucherparkplätzen angedacht, die aktuelle Terlaner Straße soll eine Fußgänger- und Radfahrer-Achse werden, ohne Pkw-Verkehr. Nahe des Kreuzungsbereichs Stuttgarter Straße – Sterzinger Straße planen die Architekten einen zentralen Platz als Treffpunkt des Stadtteils, an dem sich auch die gewünschten Einrichtungen finden sollen. Der Wohnanteil soll mit Grünflächen und dem zu erhaltenden Baumbestand als ruhiger Rückzugsraum dienen. Nordöstlich des Quartiers, "Am Rain", ist zudem ein kleiner Fußballplatz eingeplant, auch als Ergänzung zum "Funcourt", den die Stadtgemeinde auf dem Dach der neugeplanten Turnhalle der VS Sparchen anlegen will.
"Für uns war dieser Wettbewerb sehr reizvoll, weil es in Tirol selten möglich ist, ein ganzes Stadtviertel neu zu überdenken, also ein echtes städtebauliches Projekt zu planen, und nicht bloß einzelne Gebäude", erklärten die Architekten Claudia Dorner und Michael Fuchs. "Uns war bei den Vorbereitungen rasch klar: Sparchen braucht ein Herz, eine Identität, darum haben wir uns für eine Bündelung der eingebrachten Funktionen an einem zentralen Platz entschieden. Das soll sozusagen ein Zentrum für Sparchen werden. Immerhin leben in diesem Stadtteil ähnlich viele Menschen, wie in einem mittleren Tiroler Dorf."

Die Details werden den Bewohnern am Freitagabend im Rahmen der Vorstellung des Siegerprojekts erläutert. Sämtliche eingereichten Modelle können zudem am Samstag, 20. Oktober, von 9-18 Uhr im Stadtsaal Kufstein noch einmal besichtigt werden.

Erste Wohnungen übergeben

Unterdessen wurden am Freitag die ersten 40 Mietwohnungen sowie eine Therapieeinheit für pro mente Tirol übergeben. Die Pläne für den ersten Abschnitt stammen vom Innsbrucker Büro ao-Architekten. Entlang der Meraner Straße wurden drei moderne, längliche Baukörper errichtet. Durch die neue Tiefgarage mit 57 Stellplätzen konnte der Grünflächenanteil deutlich erhöht werden. Eine Photovoltaikanlage am Dach versorgt die Allgemeinflächen mit Strom, die Anlage ist zudem an das städtische Fernwärmenetz angeschlossen.

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