Lebendige Volkskultur zum Auftakt im Höfemuseum

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Die Eröffnung des Museum Tiroler Bauernhöfe mit Kranewitters Todsündenzyklus lockte zahlreiche Besucher in die alten Höfe.

Kramsach – Mit einem Event der ganz besonderen Art öffnete das Museum Tiroler Bauernhöfe gestern seine Pforten, um in eine Saison zu starten, die ganz im Zeichen der Kunst steht. Erstmals in der Geschichte des Museums wurden die originalen Höfe aus den verschiedenen Tiroler Talschaften von acht Theatergruppen aus ganz Tirol bespielt. Dem historischen Ambiente entsprechend wurde das wohl berühmteste Stück der Tiroler Volksliteratur, „Die sieben Todsünden“ und der „Totentanz“ von Franz Kranewitter, aufgeführt.

Das vom Theater Netz Tirol initiierte Projekt wird von der Arge Todsünden umgesetzt. „Wir vernetzen das kreative Potential der Tiroler Volksbühnen, um Projekte zu wie dieses zu ermöglichen, die eine Gruppe alleine nicht schaffen könnte“, wie Initiator Hermann Freudenschuss vom Projekttheater Hall anmerkte. Kurz nach Mittag lockten Musikanten, wie einst der Rattenfänger von Hameln, die Zuseher zu vier historischen Höfen, in denen simultan die einzelnen Aufführungen stattfanden. Jedes Stück wurde auf 20 Minuten gekürzt. Pro Hof wurden jeweils zwei Einakter aufgeführt. Danach wechselten die Zuschauer von einem Hof zum anderen, bis jeder Besucher, über den ganzen Nachmittag verteilt, alle Stücke gesehen hatte.

Gespielt wurde Volkstheater auf höchstem Niveau, das die Abgründe der Menschlichen Seele faszinierend beleuchtete. Der Tiroler Dramatiker Franz Kranewitter (1860 bis 1938) porträtierte die von Wollust, Neid, Geiz, Zorn, Völlerei, Hochmut und Trägheit getriebenen Menschen. Mit beindruckenden Leistungen erweckten alle Schauspieler diese an sich und der Welt leidenden Seelen zum Leben. Unterstützt wurden sie von Bühnenbildern, die kein Theater der Welt so authentisch nachbauen könnte.

„Für mich war es einmalig, wie wir alle gemeinsam eine Zeitreise erleben durften“, sagte Hans Knoll, der Obmann des Museum Tiroler Bauernhöfe. „Denn plötzlich lebten Menschen in unseren alten Stuben und Ställen. Was kann es schöneres geben, als ein Museum, dass voller Leben steckt“, so Knoll. Aber auch für die Schauspieler gestaltete sich der Gastauftritt zu einem besonderen Erlebnis, denn die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit schienen bisweilen wie aufgehoben. Auch die Trennlinie zwischen Zuseher und Akteuren verschwamm, da alle „gemeinsam“ in den restlos ausverkauften Stuben saßen. Es ist dem Höfemuseum und den Theatergruppen zu verdanken, dass Kranewitters Todsündenzyklus in einer Kulisse zu sehen war, wie er noch nie aufgeführt wurde. Die Zuseher dankten allen Beteiligten mit lang anhaltendem Applaus.
„Der Start hat alle unsere Erwartungen übertroffen“, sagte der wirtschaftliche Leiter des Museums Hubert Unterrainer, „das stimmt mich positiv für die kommende Saison, die ganz im Zeichen der Kultur steht.“

Nach der erfolgreichen Eröffnung stehen vier sehr unterschiedliche Ausstellungen auf dem Programm, die von April bis August im Verwaltungsgebäude zu sehen sind. Den Auftakt machen im April Stahlstiche und Holzschnitte von Landschaftsbildern aus dem 19. Jhdt. Der Ausstellungszyklus wird im Mai mit einer Schau über die Ikonenmalerei fortgesetzt. Im Juni steht dann die Fotoausstellung „Alpen – Himalaya“ von Wilfried Herold am Programm, der in seinen Werken eine visuelle Brücke zwischen dem Alpenraum und dem Leben im Himalaya baut. Und im August widmet sich Christian Rausch in der Kunstausstellung „Die Schwerkraft des Dorfes“ der abstrakten Darstellung des dörflichen Alltags. Das Museum Tiroler Bauernhöfe hat viel Neues zu bieten. Aber natürlich werden die bekannten Programmpunkte, wie sonntäglichen Handwerksvorführungen, auch heuer wieder stattfinden. Vom 23. März bis 31. Oktober ist das Museum Tiroler Bauernhöfe täglich geöffnet.
Mehr zur ARGE Todsünden und den Theatergruppen finden Sie unter: http://www.theaterverbandtirol.at/buehne/741

Wo: Museum Tiroler Bauernhöfe, 6233 Kramsach auf Karte anzeigen
Autor:

G G aus Kufstein

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