Interview
Mit dem Kinderwagen über Stock und Stein im Tiroler Unterland + Video

Karin Nederegger hat einen Kinderwagen-Wanderführer durch das Tiroler Unterland bis hinaus in den Chiemgau entwickelt. Zusammen mit ihrer kleinen Hannah begab sich die Naturliebhaberin für ihrer Recherche auf rund 100 Touren.
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  • Karin Nederegger hat einen Kinderwagen-Wanderführer durch das Tiroler Unterland bis hinaus in den Chiemgau entwickelt. Zusammen mit ihrer kleinen Hannah begab sich die Naturliebhaberin für ihrer Recherche auf rund 100 Touren.
  • Foto: Gredler
  • hochgeladen von Magdalena Gredler

Karin Nederegger sprach mit den BEZIRKSBLÄTTERN über ihren Kinderwagen-Wanderführer für das Tiroler Unterland und weit darüber hinaus. Ihre kleine Tochter Hannah war dabei die ganze Zeit an ihrer Seite. 

KRAMSACH (mag.) Die gebürtige Kramsacherin Karin Nederegger ist eine begeisterte Wanderin, aber vor allem eine liebevolle und stolze Mutter. Mit ihrer Tochter Hannah hat sie schon so manchen Berg bestiegen und dabei ist ihr aufgefallen, dass sich nicht jeder Wanderweg für einen Kinderwagen eignet. So kam sie auf die Idee, einen Kinderwagen- und Tragetouren-Wanderführer durch das Tiroler Unterland bis hinaus in den Chiemgau zu schreiben. Die BEZIRKSBLÄTTER trafen die beiden bei der Kramsacher Forstmeile in gewohnt sportlicher Umgebung und fragten genauer nach. 

BEZIRKSBLÄTTER: Wie bist du zu der Idee gekommen? 
Karin Nederegger:
Letztes Jahr im Mai wollten wir eigentlich ans Meer fahren, dann war aber das Wetter so schlecht, dass wir gesagt haben, wir versuchen das Weitwandern. Dann hab ich den Lechweg gesehen und hab nachgeschaut, wie man den gehen kann. Hannah war zu dieser Zeit ein halbes Jahr alt. Also mussten wir mit dem Kinderwagen gehen. Der Lechweg hat auch einen Radweg, auf den wir zu Not ausweichen könnten und falls es garnicht klappen sollte, beschlossen wir, vier Tage Wellnessen zu gehen. Im Endeffekt haben wir es aber geschafft und sind vier Tage gewandert. Nach der Tour sagte ich zu einer Freundin, wie anstrengend die Vorbereitung war. Man muss wissen, was ist ein Pfad, was ist ein Weg und was ist ein Steig? Sie gab mir dann einen Wanderführer für Innsbruck und der Region Außerfern, in dem ich aber nicht fündig wurde. Als ich wieder zu Hause war, wurde mir klar, dass es für das Tiroler Unterland noch überhaupt keinen Kinderwagen-Wanderführer gibt. Dann habe ich nach einem Verlag gesucht und bin auf den "Wandaverlag" gestossen, welcher schon seit 15 Jahren Kinderwagen-Wanderführer macht. Also telefonierte ich mit Elisabeth vom Verlag, die uns das "Go" gab.  Ich war da noch der Meinung, dass wir für jede Region einen machen. Sie fragte mich, wie genau wir uns das vorstellen und wie wir das Projekt angehen wollen. Ich wollte eine Wanderung pro Woche machen und diese dann aufschreiben. Elisabeth sagte mir dann, dass mindestens fünfzig Wanderungen in das Buch müssen. Ab da begann mein Kopf zu rattern. Fünfzig Wanderungen. Das würde ja schon ein Jahr dauern, bis wir diese überhaupt gewandert wären. Nein, dachte ich, der Wanderführer muss im Frühjahr fertig sein und so kam dann der Zeitplan auf. 

BB: Auf wie vielen Wanderungen wart ihr? 
Karin:
Wir sind 100 Touren nur für das Buch gegangen. Manchmal auch eine zweimal, weil mir beim ersten mal dann doch irgendetwas nicht so gut gefallen hat und es nicht so war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Manchmal ging es auch darum, andere Wege zu finden, da zu grobe Steine auf einem Wanderweg mit Kinderwagen die Sache fast unmöglich machen. 

BB: Wie lange hast du insgesamt an deinem Wanderführer geschrieben?
Karin:
Für das reine Schreiben ist uns dieses Jahr Corona zu Gute gekommen. (lacht) Wir haben im Jänner begonnen zu schreiben und die letzten Änderungen haben wir dann im Mai gemacht. Das fertige Buch hielten wir dann Anfang Juli, genau zu Ferienbeginn, in den Händen. Durch Corona gab es leider auch bei der Druckerei Verzögerungen. 

BB: Bist du immer schon gerne gewandert oder kam das erst mit Hannah? 
Karin:
Ich bin immer schon gerne Wandern gegangen. Die Berge waren für mich immer schon das Daheim. Ich war zehn Jahre im Ausland und selbst in der Zeit hab ich immer geschaut, wie nahe die Berge sind. Sie sind einfach meine Kraftquelle und ein Ruhepol. Wir haben jetzt aber durch den Wanderführer auch extrem viele neue Dinge kennengelernt. Auch das Chiemgau haben wir selbst erst entdecken müssen, aber die Kombi "Berg und See" ist für mich einfach genial. 

BB: Wie fit bist du durch den Kinderwagen-Wanderführer geworden? 
Karin:
Man baut eine extreme Kondition auf. Speziell auch was den Bereich am Arm, der ja oftmals eine Problemzone der Damen ist, betrifft. Durch das Schieben und Tragen des Kindes baut man dort wahnsinnig Muskeln auf. Wir haben ja auch Höhenmeter gemacht, um zu zeigen, wo man mit einem Kinderwagen überall hin kann. Auch wenn wir ab und zu einen bösen Blick dafür geerntet haben. Aber der Großteil hat gesagt: "Darauf wären wir gar nicht gekommen, dass es mit dem Kinderwagen auch geht". Wir sind auch viel mit der Trage gegangen, um das Kind immer so nah es geht bei dir zu tragen. Für mich war dann aber die Überlegung, Hannah hat mehr Spielraum im Kinderwagen. Sie kann schlafen, sie kann essen, sie kann spielen, sie kann sich einfach mehr bewegen und das war der Grund, warum wir gesagt haben, wir gehen mit dem Kinderwagen. Im Wanderführer gibt es auch einen Sonderteil mit speziellen Trainingstouren, wenn man es darauf anlegt. 

BB: Welchen guten Rat würdest du anderen Müttern geben? 
Karin:
So viel wie möglich raus in die Natur. Miteinander und so lange es Spaß macht. Es ist auch egal wie lange oder ob man ein Ziel erreicht, darum geht es nicht. Es geht darum, dass man draußen ist und miteinander Spaß hat. Das die Kleinen Spaß haben aber das du selbst auch Spaß hast. Du kommst aus dem Baby-Blues und du tust dann auch einfach was für dich und dein Körpergefühl. 

Selbstversuch 

Karin und Hannah waren auf allen Wegen, die im Wanderführer stehen, selbst unterwegs. Manchmal mit Familie und Freunden und manchmal nur zu zweit. Aber der vierrädrige Kinderwagen war ihr ständiger Begleiter. 


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