Mord in Kufstein
Nachforschung bringt Verdacht auf Missbrauch ans Licht

Neue Erkenntnisse im Mordfall in Kufstein stellen den Verdacht in den Raum, dass das 77-Jährige Opfer seinen späteren Mörder sexuell missbraucht hat.
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  • Neue Erkenntnisse im Mordfall in Kufstein stellen den Verdacht in den Raum, dass das 77-Jährige Opfer seinen späteren Mörder sexuell missbraucht hat.
  • Foto: ZOOM.Tirol
  • hochgeladen von Barbara Fluckinger

Hat im Mordfall in Kufstein ein früheres Missbrauchsopfer seinen Peiniger ermordet? Anwalt ortet sexuellen Missbrauch als Auslöser für Mordtat von 29-Jährigem. Dieser soll von seinem Opfer (77) vor mehr als zwanzig Jahren missbraucht worden sein. 

KUFSTEIN. Der jüngste Mordfall in Kufstein hallte vergangene Woche als Schreckensmeldung durch den Bezirk Kufstein. Ein 29-Jähriger wählte sein Opfer willkürlich aus und erstach es am 14. Juni in Kufstein, weil er mit seinem Leben nicht mehr im Reinen war und ins Gefängnis wollte. Danach stellte er sich der Polizei. So lautete die erste Meldung. Für Alexander Swancar, den Anwalt des Beschuldigten, stellte dies allerdings keine schlüssige Abfolge dar.

"Das Verwenden des Messers als Tatwaffe (...) ist aus kriminalistischer Sicht immer mit einer persönlichen Einstellung zum späteren Opfer verbunden. Da steckt immer eine Emotionalität dahinter",

erklärt Swancar gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN. Sich vorzustellen, dass jemand jemanden durch mehrere Messerstiche umbringe, einfach weil er ins Gefängnis gehen will, sei einfach nicht glaubhaft. Das haben auch Psychiater und die Staatsanwaltschaft bereits zugestanden. Für den Strafverteidiger sei somit klar gewesen, dass sich die Tat so nicht zugetragen haben konnte.

Verdacht von sexuellem Missbrauch

Nach Recherche und Gesprächen mit dem Vater des Beschuldigten sowie dem 29-Jährigen selbst, steht nun der Verdacht eines sexuellen Missbrauchs durch das spätere Opfer im Raum. So soll bereits der Vater des 29-Jährigen vom 77-jährigen Opfer, der der damalige Nachbar war, sexuell missbraucht worden sein. Auch dem Sohn soll dies im Alter von 6 bis 8 Jahren widerfahren sein. Dabei soll es mutmaßlich noch weitere Opfer von sexuellem Missbrauch durch den 77-Jährigen gegeben haben, der eine Art Einsiedler- bzw. Eigenbrödlerdasein pflegte. "Offenbar durfte niemand in dessen Haus hinein", erklärt Swancar. 
Der 29-Jährige hatte sich kürzlich einer psychiatrischen Behandlung unterzogen. Der sexuelle Missbrauch wird von vielen Opfern, vor allem wenn ihnen dieser in jungen Jahren widerfährt, tief vergraben und löst unterschiedliche psychische Folgen aus. Vor allem im Kindesalter sexuell missbrauchte Männer vergraben die Erfahrung tief. Laut dem Anwalt, habe der 29-Jährige nun gesagt, dass "da etwas war", als er sechs bis acht Jahre alt war. Er sei laut dem Anwalt dann auf den 77-Jährigen "fixiert" gewesen. "Er hatte das Gefühl, er muss sich jetzt Erleichterung verschaffen", erklärt Swancar. Nun gehe es um die psychriatische Aufarbeitung dieser Erinnerung, denn der Täter könne sich nicht einfach auf einmal an alles "erinnern".

Ermittlungen und psychiatrische Gutachten folgen

Die Staatsanwaltschaft wurde am Freitag von Swancar über die neuen Entwicklungen im Mordfall informiert. Swancar geht davon aus, dass diese nun in diese Richtung ermitteln wird. Dass der 77-Jährige, sollte er den Missbrauch begangen haben, dies auch dokumentiert hat, hält Swancar für sehr wahrscheinlich. Eine Hausdurchsuchung im Haus des 77-Jährigen könnte nun also möglicherweise kommen, was allerdings noch nicht von der Staatsanwaltschaft bestätigt wurde. Zudem sollen weitere psychiatrische Gutachten nun folgen. 
Das 77-jährige Opfer kann sich nun nicht mehr wehren. Ob es sich hier um einen Fall handelt, bei dem eine Person jahrzehntelang Kinder missbraucht hat und es niemand "gemerkt" hat, ist derzeit noch offen. (bfl)

Weitere aktuelle Meldungen der Tiroler Polizei im Bezirk Kufstein gibt‘s hier.

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