Hochwasserschutz
Radfeld bleibt weiter stur und äußert Vorwürfe

Radfelds Bürgermeister hält weiterhin an seiner Meinung fest, was den Wasserverband und den Hochwasserschutz angeht. Jetzt wirft er dem Land Tirol vor, unrichtige Informationen an die Gemeinden rausgegeben zu haben.
3Bilder
  • Radfelds Bürgermeister hält weiterhin an seiner Meinung fest, was den Wasserverband und den Hochwasserschutz angeht. Jetzt wirft er dem Land Tirol vor, unrichtige Informationen an die Gemeinden rausgegeben zu haben.
  • Foto: Gredler
  • hochgeladen von Magdalena Gredler

Die Gemeinde Radfeld, allen voran Bürgermeister Josef Auer, stellt sich immer noch quer in Sachen Hochwasserschutz und Wasserverband. Der Gemeindechef wirft dem Land Tirol vor, unrichtige Angaben an die Gemeinden weiter gegeben zu haben und versucht mit mehreren Studien dies zu beweisen. Der Wörgler Gemeinderat Michael Riedhart ist da allerdings andere Meinung.  

RADFELD (red). Radfelds Gemeindeoberhaupt Josef Auer ist bekannterweise seit geraumer Zeit nicht unbedingt erfreut über die Vorgehensweise des Landes Tirol und der Thematik Hochwasserschutz. Nun will Auer einige "Missstände" aufdecken. Das bereits 2014 vom Land in den wesentlichen Grundzügen vorausgeplante Projekt Hochwasserschutz im Inntal ab Innsbruck bis Wörgl, basiert laut Radfelds Bürgermeister, auf einer Reihe von mindestens zehn falschen Annahmen bzw. vom Land unrichtig behaupteten oder nicht beachteten Punkten. Daneben würde es, laut dem Gemeindeoberhaupt, noch wesentliche Mängel und Benachteiligungen für die Gemeinde Radfeld ganz spezifisch gäben. Dies treffe aber auch auf eine Reihe von anderen Gemeinden zu.

"Ich habe gemeinsam mit einigen anderen in den letzten Jahren sehr umfangreich recherchiert und mit einer Unzahl von Leuten aus vielen Gemeinden und Organisationen gesprochen. Schön langsam wird auch immer mehr Leuten klar, dass es eine echte Zukunftslösung braucht und dass die vom Land immer wieder über die Medien ausgeschickten Angaben unrichtig sind",

so Auer.
Demnach sollte der Hochwasserschutz kombiniert mit einer zukunftsfähigen, klimafreundlichen und wirtschaftlich tragbaren Energiegewinnung und Speicherung aus erneuerbarer Wasserkraft entstehen. Dazu müsse aber die Landespolitik die notwendige Gesetzesgrundlage schaffen.
Radfelds Slogan lautet daher: "Wasserkraft for Future".

Rahmenplan 2014 

Der „Wasserwirtschaftliche Rahmenplan“ wurde im März 2014 fertiggestellt. Dort stehe wortwörtlich: „Dass der Wasserrückhalt in den Hochgebirgsspeichern sich positiv auf die Hochwasserabflüsse des Inns auswirkt, wurde von Hofer 2005 klar aufgezeigt.“ 
Trotzdem seien die Gemeindevertreter der Gemeinden von Brixlegg bis Wörgl im Dezember 2014 dahingehend informiert worden, dass eine alpine Retention mehr oder weniger wirkungslos sei und deshalb das vom Land Tirol schon damals fix geplante Vorhaben alternativlos ist.

Besprechung im Landhaus 2014

Des weiteren stehe, laut Auer, im Protokoll zur „Besprechung Hochwasserschutz und Wasserverband Brixlegg – Wörgl“ vom 17. Dezember 2014 im Landhaus, dass es auch Überlegungen gäbe zur sogenannten alpinen Retention in den Seitentälern, jedoch würden diese nur eine sehr geringe bis keine Auswirkungen auf den Inn haben. Die Gemeinde Radfeld ist sich sicher, wenn man damals den Informationsstand von heute gehabt hätte, wäre sicher vieles anderes verlaufen. Damals habe man auch nicht angenommen, dass das Land Tirol die Gemeinden, trotz anderer Faktenlage, falsch informieren würde. 

Kundl und Radfeld waren gegen das Projekt  

In weiterer Folge gab es ab 2014 hauptsächlich von den Gemeinden Kundl und Radfeld viele Einwände gegen dieses Projekt des Landes. Vor allem wurde argumentiert, dass es auch einen alpinen Wasserrückhalt benötige und nicht nur Maßnahmen im Inntal. Durch alpinen Wasserrückhalt könnten die Retentionen im Inntal wesentlich verkleinert werden und auch die Grundwasserproblematik würde deutlich entschärft werden.
Schließlich wurde vom Land die Blöschl Studie in Auftrag gegeben."Aber mit solchen Vorgaben, dass das vom Land offensichtlich gewünschte Ergebnis 'Alpiner Wasserrückhalt nützt nichts' herauskommt", wirft Auer dem Land Tirol vor. 

Weniger Retentionsflächen für Kundl 

Die Retentionsfläche für Kundl wurde auf 33,2 ha reduziert. Seit damals sei die Gemeinde Kundl für das Projekt und alle von Kundl bis dahin vorgebrachten Argumente sollen seither nicht mehr vorgebracht werden. Radfelds Bürgermeister ist es leid als "Südenbock" und "Verhinderer" dargestellt zu werden und dies obwohl Radfeld bereit wäre rund doppelt so viele Retentionsfläche als Kundl zur Verfügung zu stellen.

Eigene Stellungnahme 

Auer hat im Namen der Gemeinde Radfeld bei Bernhard Pelikan, er ist Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Wasserkraftanlagen, eine Stellungnahme zu den vom Land zwingend vorgegebenen Randbedingungen der Blöschl Studie in Auftrag gegeben. Welcher seine Meinung auch unterstützt. Die Studie im Auftrag der Internationalen Regierungskommission Alpenrhein IRKA Projektgruppe Energie mit dem Titel „Speicherseen und Hochwasserrückhalt“ soll ebenfalls die große Wirkung von alpinem Wasserrückhalt belegen.

"Die Grundlagenstudie der i.n.n. für den Verein Hochwasserschutz Tirol aus dem Jahr 2018 spricht eigentlich Bände. Die Fachleute der 'i.n.n. Ingenieursgesellschaft für Naturraum-Management GmbH & Co KG' wurden aber bisher vom Land Tirol immer als 'nicht kompetent' abgetan. Dann fragt man sich aber schon, warum sie bei der Erstellung des Wasserwirtschaftlichen Rahmenplans 2014 mit im Team waren",

sagt der Radfelder Gemeindechef.

Land behauptet das Gegenteil 

Trotzdem behauptet das Land bis jetzt das Gegenteil. Landesrat Geisler sei, laut dem Radfelder Bürgermeister, noch dazu so unverfroren und meint, dass Auer Dinge nicht einsehen bzw. nicht verstehen wolle. Das Ganze sei auch „politisch“. 

"Es ist ein wesentliches Merkmal menschlichen Verhaltens, dass man im Falle von Argumentationsnotstand zu Argumenten greift, die bei den Uninformierten einfach so geglaubt werden. In der Argumentationstheorie und Rhetorik spricht man von 'Totschlagargument' oder 'Killerphrase'. Beides lehne ich ab. Besonders schlimm ist es, dass LHStv. Josef Geisler als einer der ranghöchsten Politiker des Landes die Politik selbst in ein schlechtes Licht rückt",

so Auer.

Hinweis der TIWAG  2019

Im Juni 2019 habe die TIWAG nachweislich öffentlich darauf hingewiesen, dass allein durch den Wasserrückhalt der Kraftwerke „Sellrain-Silz“ und „Kaunertal“ Innsbruck vor einem HQ100 geschützt wurde. Die hohe Wasserführung im letzten Jahr habe auch vielen in der Bevölkerung „die Augen geöffnet“ und den Menschen sei bewusst geworden, dass es nicht nur um eine Verhinderung des über die Ufer Tretens des Inns geht, sondern auch um eine Reduzierung der steigenden Grundwassergefahr. Schließlich habe das Land auch die Sprechweise geändert. Jetzt hieße es nicht mehr: „Alpiner Wasserrückhalt nützt nichts.“, sondern:  „Große Kraftwerke nützen schon etwas, aber wir können nicht fünfzig Kraftwerke bauen.“ "Das ist ja wirklich auch wieder ein ausgemachter Blödsinn, der seinesgleichen sucht", sagt Auer. 

Michael Riedhart sieht das anderes 

Der Wörgler VP-Stadtparteiobmann Michael Riedhart ist da wohl anderer Meinung. Riedhart, habe immer öfter das Gefühl, dass es Auer nicht mehr um die Sache gehe, sondern er sich einfach in der Rolle des Rebellen gefalle. „Dass es in seiner Gemeinde gut ankommt, wenn sich Auer als Märtyrer inszeniert, mag sein. Aber auch wenn sich Auer noch so sehr über diesen Vorwurf empört, bleibt Tatsache, dass er damit die Umsetzung des Hochwasserschutzes für tausende Menschen im Unteren Inntal blockiert und deren leibliche Unversehrtheit und deren Eigentum wissentlich aufs Spiel setzt“, so der Parteiobmann.

Es gibt keine Alternative

Laut Riedhart, gäbe es keine Alternative zum Wasserverband, wenn es einen effektiven Hochwasserschutz im Unterinntal geben soll, dann würde das nur gemeindeübergreifend funktionieren. Für einen überregionalen Hochwasserschutz müsse man an einem Strang ziehen, so wie beim Verband Mittleres Unterinntal. Dort seien sogar 13 Gemeinden involviert. Der Gemeinderat hofft deshalb, dass das Landesverwaltungsgericht rasch entscheidet, die Gemeinde Radfeld in den Verband eingliedert und man endlich in der Umsetzung vorankommen könne. "Mit jedem Alleingang wird die Umsetzung weiter hinausgezögert und das Risiko für die Menschen steigt", sagt Riedhart.
Aber auch diese Ansichten weist Bürgermeister Auer zurück und wirft Riedhart vor, dass sich dieser zu wenig informiert habe und es den Anschein mache als hätte er sich zu wenig mit der Materie befasst. Auch seine Zugehörigkeit zur ÖVP kritisierte der Radfelder scharf. "Das zeigt einmal mehr, dass die ÖVP Tirol offensichtlich den vor Jahren eingeschlagenen, aber total falschen Weg, weiter fortsetzten will", so das Gemeindeoberhaupt. 

Wörgl will Wasserverband, auch ohne Radfeld


Weitere Infos zum Thema Hochwasserschutz Unteres Unterinntal finden Sie hier. 
Weitere Infos zum Thema Radfeld finden Sie hier. 

Du möchtest regelmäßig Infos über das, was in deiner Region passiert?

Dann melde dich für den meinbezirk.at-Newsletter an

Gleich anmelden

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Folge uns auf:
Die Bezirksblätter immer mit dabei! Mit der praktischen ePaper-App.


Gleich downloaden!

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen