Streit um Asbest
Rohrdofer-GF: "Haben alle Gefahrenstoffe aus Plan für Schwoich gestrichen"

Rohrdorfer-GF Mike Edelmann im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN: "Wir haben die G-klassifizierten Stoffe aus dem Antrag gestrichen und werden das auch in Zukunft nicht beantragen".
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Die Fa. Rohrdorfer, die mit ihren Plänen für eine Baurestmassendeponie im ehemaligen Steinbruch am Eiberg bei Schwoich für massive Bürgerproteste sorgte – die BEZIRKSBLÄTTER berichteten –, hat nun ihren Antrag an das Land Tirol geändert. Rohrdorfer-GF Mike Edelmann zu den BEZIRKSBLÄTTERN: "Es werden keine Gefahrenstoffe in Schwoich abgelagert, wir haben das komplett gestrichen und das wird nicht beantragt – nicht heute und auch morgen nicht."

SCHWOICH (nos). Keine Charme-, sondern vielmehr eine "Faktenoffensive", so die Sicht von GF Mike Edelmann, startete die Rohrdorfer Gruppe am Donnerstag in Sachen Baurestmassendeponie Schwoich. Ziel ist, sagt Edelmann gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN, das Vertrauen der Bürger zurück zu gewinnen. Der Antrag des Unternehmens auf Genehmigung der Deponie am stillgelegten Steinbruch am Eiberg wurde mittlerweile im Vergleich zum Erstentwurf stark überarbeitet, führt Edelmann aus. Die anfangs aufgeführten und daraufhin stark von den Anrainern kritisierten Gefahrenstoffe wie Asbest-haltige Eternitplatten und Kleinfaser-Produkte seien im Zuge der Überarbeitung nun komplett gestrichen worden, sichert Edelmann zu.

"Wir werden das nicht beantragen, heute nicht und auch morgen nicht, das ist nun definitiv ausgeschlossen!"

Mike Edelmann, GF Rohrdorfer

Zudem werde mit der Gemeinde Schwoich ein Vertrag geschlossen, der absichere, dass auch in Zukunft, egal ob sich handelnde Personen inzwischen ändern, solche als Gefahrenstoffe klassifizierten Materialien nicht in die Deponie kommen sollen. 

60.000 Tonnen ist die jährliche Obergrenze für die Lagermenge der Anlage, mit etwa 30 Lkw-Fahrten pro Werktag kalkuliert Rohrdorfer während des Betriebs. Das sei weniger als ein Sechstel der etwa 200 täglichen Fahrten, die während des Betriebs des mittlerweile eingestellten Zementmahlwerks angefallen sind. Maximal 20 Jahre lang soll, sofern das Land Tirol die Genehmigung erteilt, die Deponie im Schwoicher Steinbruch betrieben werden. Im Falle einer positiven Prüfung könnte der Betrieb im Sommer 2020 starten, so die Prognose.

Baurestmassendeponie "ist dringend notwendig"

Edelmann betont gleichzeitig, dass für eine solche Deponie eine dringende Notwendigkeit bestehe, da aktuell nur eine im Land existiere und deren Lagerflächen begrenzt seien. "Es besteht Bedarf für diese Deponie, sie ist geplant für Tirol und insbesondere das Unterland", sagt Edelmann. Er erklärt zudem, dass die Baustoffe, etwa Gips- & Betonverbundstoffe, die nach Schwoich gebracht werden sollen laut eigenen Planungen "beinah zur Gänze" aus Tirol stammen werden – von rund 98 Prozent spricht Edelmann hier. Die übrigen zwei Prozent könnten eventuell aus logistischen Gründen auch aus anderen Bundesländern, also Salzburg kommen, einen Güterverkehr über die Staatsgrenze, also aus Bayern, schließt er aufgrund notwendiger Behördenverfahren und relativ hohen Kosten eher aus.

In den kommenden Tagen erwartet die Schwoicher eine Postwurfsendung des Unternehmens mit Informationen zur geplanten Deponie, um die Sorgen und Befürchtungen der Anrainer zu zerstreuen. Edelmann habe dafür durchaus Verständnis, glaubt aber nun, nach Wegfall der Gefahrenstoffe, an einen versöhnlichen Ausgang.

Tiroler Asbest-"Export"

Die Verwendung Asbest-haltiger Baumaterialien ist in Österreich seit Ende der 1990-er-Jahre verboten, jahrzehntelang wurden insbesondere Eternitplatten als Baustoffe eingesetzt. Bei Abbrüchen oder Sanierungen von Gebäuden aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fallen dementsprechend häufig Asbest-haltige Stoffe an, so etwa auch bei der Kirchendach-Sanierung der Wörgler Pfarrkirche – die BEZIRKSBLÄTTER berichteten. Nachdem Schwoich nun als Deponie-Ort für solches Material ausfällt, wo können solche Stoffe künftig also deponiert werden? Edelmann antwortet: "Dann werden sie künftig wohl in andere Bundesländer oder eventuell auch nach Bayern gebracht werden müssen."

Verzicht auf Asbest für Schwoicher "ein Teilerfolg"

Der Sprecher der Schwoicher Bürgerinitiative Armin Hofreiter zeigt sich in einer ersten Reaktion skeptisch: "Wir waren über die Aussagen auch einigermaßen verwundert, da beim Verhandlungstermin am 21. August zwischen den Rohrdorfern, der Gemeinde Schwoich und der Bürgerinitiative seitens Herrn Edelmann eine vertragliche Fixierung des Asbestverzichtes ausgeschlossen wurde.  Bei diesem Verhandlungen hätte die Bürgerinitiative diese Plänen abnicken sollen, wobei wir einer Baurestmassendeponie in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet nicht zustimmen können."

Für die Schwoicher Bürger ist bereits der Name "Baurestmassendeponie" aus ihrer Sicht "irreführend", da sie befürchten, dass im Steinbruch "eine ganze Reihe von Industrieabfällen endgelagert" werden könnten. Dazu kursiert eine Liste vorgesehener Stoffe, die auch den BEZIRKSBLÄTTERN vorliegt und die aufzeigt, welche Gefahrenstoff-klassifizierten Abfälle aus dem Rohrdorfer-Antrag getilgt wurden und was weiterhin zur Deponierung möglich ist: Schlamm aus Zementfabriken, Mineralfasern, ölverunreinigte Böden, Asphalt, Gießereischutt, Schamotte, ...
"Daraus geht hervor, dass es zur Ablagerung von schwermetallbelasteten Stoffen kommen soll und es ist zu befürchten, dass diese Schwermetalle in die umliegenden landwirtschaftlichen Böden und damit in unsere unsere Lebensmittel dringen. Oder sie werden über die Luft direkt eingeatmet", meint Bürgerinitiativen-Sprecher Hofreiter. 

Der Verzicht auf Asbest stelle für die Schwoicher aber zumindest einen Teilerfolg dar, "sofern die Details im neuen Antrag auch so eingebracht wurden", mahnt Hofreiter. Denn trotz der „Charme-Offensive“ könne man "das stark belastete Vertrauensverhältnis zur Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH nicht ohne weiteres wiederherstellen".

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Rohrdorfer-GF Mike Edelmann im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN: "Wir haben die G-klassifizierten Stoffe aus dem Antrag gestrichen und werden das auch in Zukunft nicht beantragen".
"Es besteht Bedarf für diese Deponie in Tirol, besonders im Unterland. Gut 98 Prozent des Materials käme aus Tirol", so Edelmann.
Autor:

Sebastian Noggler aus Kufstein

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