Suchtberatung startet ab September psychiatrische Sprechstunde in Wörgl

Psychologin Sabine Höller und Geschäftsführerin Birgit Keel-Döllinger (re.) vom Verein Suchtberatung Tirol in Wörgl.
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  • Psychologin Sabine Höller und Geschäftsführerin Birgit Keel-Döllinger (re.) vom Verein Suchtberatung Tirol in Wörgl.
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WÖRGL/BEZIRK (red). Im vergangenen Jahr hat die Suchtberatung Tirol im Bezirk Kufstein 153 Klienten – 124 Betroffene und 29 Angehörige – beraten und betreut. 90 Prozent davon sind Männer, 85 Prozent der Angehörigen, die mit der Suchtberatung Tirol Kontakt aufnehmen, sind hingegen Frauen. Beim illegalen Drogenkonsum geben mehr als die Hälfte der Betroffenen Cannabis als Leitdroge an, 15 Prozent geben Opiate an, 13 Prozent Kokain, wie Birgit Keel-Dollinger (Geschäftsführerin Suchtberatung Tirol) mit Gerti Pirkl und Sabine Höller, beide Klinische- und Gesundheitspsychologinnen an der Beratungsstelle Wörgl, aufschlüsselt. „Ab September startet die Suchtberatung Tirol in Wörgl eine psychiatrische Sprechstunde für Betroffene im Bezirk Kufstein. Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, Dr. Ernest Abel zu gewinnen, um einmal im Monat unseren Klienten in ihrer schwierigen Situation auch eine optimale psychiatrische Unterstützung bieten zu können.“ Neben der psychosozialen und klinisch-psychologischen Beratung und Betreuung gibt es jetzt also auch eine medizinische Behandlung, so Keel-Dollinger. „Im Hintergrund von Suchterkrankungen sind sehr häufig psychische Probleme und Erkrankungen. Gerade KlientInnen mit psychotischen und depressiven Störungen und Sucht stellen Angehörige und das gesamte Betreuungssystem vor große Herausforderungen. Durch die Sprechstunde möchten wir sicherstellen, dass die psychischen Probleme der KlientInnen der Suchtberatung Tirol im Bezirk Kufstein rechtzeitig erkannt und behandelt werden“, so Dr. Ernest Abel, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin.

Die Suchtberatung Tirol bietet in der Beratungsstelle Wörgl (Bahnhofstraße 42a) psychosoziale und klinisch-psychologische Beratung, Betreuung und Begleitung von suchtgefährdeten und suchtkranken Personen an, sowie für deren Angehörige und Bezugspersonen. Sie ist auf illegale Substanzen spezialisiert, für Alkoholkranke oder nicht-stoffgebundene Süchtige, etwa Spieler, sind andere Stellen im Land zuständig. Neben den neuen psychiatrischen Sprechstunden stellt die Suchtberatung auch das Angebot einer mobilen Betreuung. Die Beratung ist kostenlos und anonym, für die Berater gilt die Verschwiegenheitspflicht.

Erste Termine für psychiatrische Sprechstunde

Die Sprechstunden finden an folgenden Tagen immer nachmittags zwischen 14 und 18 Uhr mit Psychiater Dr. Ernest Abel in Wörgl statt, um Reservierung – ab sofort möglich – wird gebeten. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie am Ende dieses Beitrags.

  • 25. September 2018
  • 23. Oktober 2018
  • 27.November 2018
  • 18. Dezember 2018
  • 29. Jänner 2019
  • 26. Februar 2019
  • 26. März 2019
  • 30. April 2019
  • 28. Mai 2019
  • 25. Juni 2019

Mehr Angehörige melden sich

"Auffallend war im vergangenen Jahr, dass weniger Klienten eine stationäre Therapie  machen wollten. Allerdings wurde die Beratungsstelle – wie bereits im Jahr zuvor – von 'polytoxikomanen' Konsumenen (Personen die verschiedene Substanzen konsumieren, Anm.) kontaktiert, die einen Teilentzug von illegalen Substanzen beabsichtigten und planten. Auch wurde unser neu installiertes Angebot der aufsuchenden Mobilen Sozialarbeit – wo Klienten zu Ämtern und Behörden begleitet werden und sie dabei von den Betreuern Hilfestellung und Unterstüzung bekommen – wohlwollend und gerne angenommen", berichtet Gerti Pirkl. Wie bereits die Jahre zuvor bestand auch im letzten Jahr eine enge und gute Zusammenarbeit mit der Substitutionsambulanz in Wörgl. "Ebenso wurden von der Gesundheitsbehörde immer wieder Konsumenten illegaler Substanzen an uns vermittelt, um diese über gesundheitliche Risiken aufzuklären und Hilfestellung bei zur Abstinenz zu geben. Eine sehr positive, konstruktive Zusammenarbeit bestand auch mit der Kinder- und Jugendhilfe, die Jugendliche und Eltern von Kindern mit Substanzkonsum an uns verwiesen. Im vergangenen Jahr suchten auch wieder vermehrt Angehörige die Beratungsstelle auf, um sich in ihrer verzweifelten Situation Hilfe, Rat und Informationen zu holen", so Pirkl.

Mehr Jüngere und mehr chemische Drogen

Durch das Angebot der Mobilen Sozialarbeit, das ursprünglich in Innsbruck den Anfang genommen hat, kam es auch im Unterland immer öfter zu Anfragen von Klienten und Angehöigen von Suchtkranken, die Schwierigkeiten haben, in die Beratung zu kommen oder einen regelmäigen Kontakt zur Suchtberatung aufrecht zu erhalten. Gründe dafür seien etwa eine schlechte psychische oder physische Verfassung, oder beschräkte finanzielle Mittel. "Beim aufsuchenden Kontakt in der mobilen Betreuung trifft man die Klienten außerhalb der Büroräumlichkeiten. Dadurch ist es möglich, einen intensiveren Zugang zu bekommen, was einen Beziehungsaufbau fördert", erklärt Sabine Höller, "die beraterische Tätigkeit im Büro nimmt aber eigentlich den Hauptteil meiner Arbeit in der Suchtberatung in Anspruch."
Auffallend sei im Jahr 2017 der Anstieg von jüngeren Klienten und die Zunahme im Konsum von chemischen Drogen. "Diese werden meist auf Partys mit Freunden konsumiert. Einige der Jugendlichen kamen auf Druck der Eltern oder wurden von der Gesundheitsbehörde überwiesen. In einigen Fällen kam der Kontakt auf freiwilliger Basis zustande, weil psychische Probleme wie beispielsweise Paranoia oder Psychosen durch den Konsum auftraten. Es ist sehr wichtig, einfühlsam und mit viel Verständnis auf die jungen Menschen einzugehen und sie genau hinsichtlich der Gefahren und Risiken des Drogenkonsums aufzuklären", so Höller weiter.

Suchtkranke Mütter erleben Stress stärker

Besonders am Herzen liegt Höller die Arbeit mit abhängigen oder substituierten Müttern: "Im letzten Jahr betreute ich einige Mütter mit einer Suchtproblematik im Bereich illegaler Drogen. Ein Teil hatte einen erfolgreichen Entzug und eine nachfolgende Langzeittherapie hinter sich, der andere Teil war in Substitution. Manche haben ihre Kinder noch in Obhut, bei einigen ist es durch den Drogenkonsum und wegen der nicht sichergestellten Versorgung der Kinder zu einer Kindeswegnahme gekommen."
Mütter mit einer Drogen- oder Suchtproblematik haben meist eine schlechtere sozioökonomische Lage als Männer, ein höheres Stress-Erleben, seien oft stäker sozial isoliert und bekommen so oftmals auch weniger Unterstützung aus dem eigenen Umfeld. Dies könne sich für deren Kinder langfristig als schädlich erweisen, was etwa die psychische Gesundheit betrifft. "Stabilität, Verlässlichkeit, sichere Bindung und Gewalt- freiheit sind Grundpfeiler für die positive Entwicklung. Kinder drogenabhägiger Eltern sollten ebenso wie andere Kinder auch ein Recht haben, von ihren eigenen Eltern oder zumindest einem Elternteil erzogen zu werden. Das setzt natülich voraus, dass die Eltern in der Lage sind, für das Wohl ihrer Kinder zu sorgen. Oft ist das aber nur mit geeigneten Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen und einer längerfristigen Begleitung möglich", wissen die Expertinnen.
Therapien, Substitutionsprogramme und regelmäßige psychologische und beraterische Gesprähe böten eine gute Chance, um das Thema Mutterschaft und Drogenkonsum aufzugreifen, anzusprechen und nötige Hilfsmaßnahmen in die Wege zu leiten.

Kontakt, Anmeldung & Infos

Gerti Pirkl und Sabine Höller,
Suchtberatung Tirol, Bahnhofstr. 42a (City Center), Wörgl
Tel.: 05332/72782 oder 0512/580080
E-Mail: sabine.hoeller@verein-suchtberatung.at 
gerti.pirkl@verein-suchtberatung.at

Mehr Informationen zum Verein Suchtberatung Tirol gibt's auf der Website www.verein-suchtberatung.at, oder via Email an: office@verein-suchtberatung.at.
Den Jahresbericht 2017 finden sie hier als pdf-Datei.

Eine Auflistung weiterer Institutionen, die sich mit dem Thema Sucht beschäftigen, finden sie hier.

Psychologin Sabine Höller und Geschäftsführerin Birgit Keel-Döllinger (re.) vom Verein Suchtberatung Tirol in Wörgl.
Gerti Pirkl, Ernest Abel, Birgit Keel-Dollinger, Sabine Höller (v.l.).

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