Am eigenen Leib
Treffsicher zur Kunst des Bogenbaus

Es gilt im ersten Arbeitsschritt, das Griffstück des Rohlings mit einer Raspel auszuarbeiten.
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  • Es gilt im ersten Arbeitsschritt, das Griffstück des Rohlings mit einer Raspel auszuarbeiten.
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Redakteurin Barbara machte in Kirchbichl einen Abstecher in die Werkstatt von "BeerFuchsBogenbau" und fertigte dort im Einsteigerworkshop selbst einen Bogen an.

KIRCHBICHL (bfl). Ich hebe den Blick zum Fabriksgebäude vor mir, Kameratasche und Notizbuch in der Hand. Mein heutiger Arbeitsauftrag hat mich nach Kirchbichl geführt. In der Werkstatt von "BeerFuchsBogenbau" soll ich in den nächsten Stunden einen Bogen selbst herstellen. Handwerklich begabt, ich? Fehlanzeige. Leider. Dann zumindest ein wenig Ahnung vom Bogenschießen? Abgesehen von ein paar Versuchen in meiner Schulzeit – während der Sportwoche – an die ich mich eigentlich nicht wirklich erinnern kann, auch hier totale Fehlanzeige. Aber das soll mich nicht von meinem Vorhaben abhalten, die Kunst des Bogenbaus zu erlernen. Auch ein Robin Hood wird wohl einmal an diesem Punkt angefangen haben.
In der Werkstatt selbst werde ich gleich von den beiden Bogenbauern und Workshopleitern Sebastian Beer und Christoph Fuchs begrüßt. Sie sind, was das Bogenschießen und vor allem den Bogenbau angeht, echte Profis. Mit viel Herzblut haben sie sich seit Jahren dem Bogenbauen verschrieben, vor rund einem Jahr richteten sie die Werkstatt in Kirchbichl ein. Dort bieten sie nun Bogenbauworkshops verschiedener Art an, egal ob Einsteiger oder fortgeschritten, ob in der Gruppe, wie zum Beispiel Volksschulklassen, oder einzeln. Gleichzeitig laden Beer und Fuchs aber auch regelmäßig zum Bogenschießen und Training, dies in der Werkstatt oder auswärts, wie zum Beispiel am Stimmersee – auch mit dem Bogensportverein Langkampfen, den Beer selbst gründete. "Wir machen das nicht auf Leistungssportbasis, es soll einfach nur Spaß machen. Wir wollen die Freude am Bogenschießen vermitteln", sagt Beer.

Workshop für Einsteiger

So weit bin ich aber noch nicht. Ich benötige erst einmal einen Bogen, und den soll ich nun im Einsteigerworkshop selbst fertigen. Der Grundgedanke dabei, sagt Beer, ist es, eine gewisse Verbundenheit mit dem Bogen zu schaffen. "Die Verbundenheit ist umso größer, je mehr man am eigenen Bogen selbst gemacht hat", so Beer.
Ich bekomme nun einen vorgefertigten Rohling in die Hand gedrückt, bei dem die Konturen schon grob ausgeschnitten sind. Meine Aufgabe ist es, den Bogen nun fertig zu "bauen" und zu formen. Zuerst muss ich das Griffstück mit einer Raspel selbst herausarbeiten. Danach muss ich die Sehnenkerben ausfeilen. Die Workshopleiter unterstützen und begleiten die Arbeitsschritte, wenn notwendig auch bei der Bandsäge – Gott sei dank.

Tillern ist die große Kunst

Dann geht's auch schon ans Tillern, jenem Arbeitsablauf, in dem der Bogen in seine endgültige Biegeform gebracht werden soll. "Das Tillern ist die große Kunst des Bogenbauens", erklärt Beer. Man muss darauf achten, dass sich die Wurfarme gleichmäßig "verjüngen", also salopp gesagt, gleichmäßig verlaufen und biegen.
Dass das tatsächlich eine große Kunst ist, merke auch ich relativ schnell. Ich gebe den Bogenrohling wiederholte Male auf den sogenannten Tillerstock. Durch diesen lässt sich feststellen, ob die Wurfarme gleichmäßig verlaufen oder nicht. Die Symmetrie sollte links und rechts übereinstimmen und der Bogen sollte auch ein gewisses Zuggewicht erreichen. Einsteiger sollten bei 15 bis 20 Pfund beginnen, was rund 7 bis 9 Kilogramm entspricht.

Erste Schießübungen

Ich muss bei meinem Rohling immer wieder nachbessern und hier und dort nachschleifen. In einem der letzten Arbeitsschritte wird der Bogen noch geölt, dann ist er fertig und es geht an die ersten Schießübungen in der Werkstatt.
Ich frage mich, warum ich eigentlich nie mehr "Handwerkliches" gemacht habe. Handwerklich begabt oder nicht, die Arbeit mit dem Holz macht Spaß und das Wissen, dass ich selbst meinen eigenen Bogen gefertigt habe, beflügelt, vor allem bei den ersten Schießübungen im Anschluss. Ich bin vielleicht kein Robin Hood, aber mit diesem Bogenbauworkshop scheine ich wohl doch voll ins Schwarze getroffen zu haben.

Mehr Infos

Anmelden sollte man sich bei Interesse an einem Workshop übrigens spätestens drei Wochen vorher. Der Einsteiger Workshop dauert rund drei Stunden, der Fortgeschrittenen Workshop rund zehn Stunden. Mehr Infos zu Workshops finden Sie online auf: www.beerfuchsbogenbau.at.

Autor:

Barbara Fluckinger aus Kufstein

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