WÖRGL: "Alles paletti?" Von der Fremde in die Nähe, - Gurbet - In der Fremde

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Wo: Tagungshaus Wörgl, Brixentaler Str. 5, 6300 Wörgl auf Karte anzeigen

(wma) Alles paletti? Von der Fremde in die Heimat, so war der Titel eines Filmvortrages und einer Präsentation im Tagungshaus Wörgl in Zusammenarbeit der Initiative Minderheiten Tirol, des Tagungshauses sowie von Kayahan Kaya / Abteilung Integration des Vereines kommunity, gestaltete die Produktionsschule LEA anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des 1. Anwerbeabkommens Österreichs mit der Türkei, diesen Themenabend. Im Vordergrund dieses Abends stand dabei eine Filmproduktion von Regisseur Kenan Kilic aus Wien, der in einem 90-minütigen Film die Schwierigkeiten und Probleme der Gastarbeiter aus der Türkei der ersten Generation aufzeigte. Zu diesem speziellen Abend konnte als Vertreter der Stadt Wörgl GR Christian Kovacevic (Vorsitzender des Ausschusses für Jugend, Bildung und Integration), der Wörgler Stadtpfarrer Theo Mairhofer, Gerhard Czappek (Landesleiter ASB Tirol), die Obfrau von Gesundheits- und Sozialsprengel Maria Steiner, der Obmann der Lesepatenschaft Wörgl Reinhard Todeschini sowie die Geschäftsführerin der Initiative Minderheiten Tirol, Lisa Gensluckner begrüßt werden. Aber auch der Regisseur des Streifens „Gurbet – In der Fremde“ war gekommen und stellte sich im Anschluss mit drei Migranten einer Diskussion zum Film und ihren Eindrücken im neuen Heimatland. Rund 70 Personen InländerInnen genau so wie MigrantenInnen aus der ersten Generation.

Im Mai 1964, also vor 50 Jahren, wurde das erste Anwerbeabkommen mit der Türkei unterzeichnet, dass dazu ermunterte, nach Österreich zu kommen um hier zu arbeiten. Auch nach Wörgl kamen viele Menschen aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien, sie wurden als Arbeitskräfte in Tiroler Firmen geholt und gebraucht. Zu dieser Zeit dachte von den MigrantenInnen der ersten Generation noch niemand dass sie hier bleiben wollten und bei uns eine neue Existenz aufbauen möchten. Es gäbe eine lange Historie der Einwanderer der so genanten Gastarbeiter. Die Erfahrungen und Perspektiven der „GastarbeiterInnen“ der ersten Stunde sind in Österreich lange unsichtbar geblieben. Mit dem Film „Gubert – In der Fremde“ ist ein einzigartiges Zeugnis der Lebensrealität und Sichtweisen dieser ersten Generation entstanden. Anhand von neun Portraits sehr unterschiedlicher Menschen mit Arbeitsmigrationsgeschichten aus der Türkei entsteht ein tief greifendes Verständnis für viele Problembereiche von Integration und ihre historischen Ursachen.

Präsentiert wurde auch ein außergewöhnliches Projekt mit Jugendlichen der LEA-Produktionsschule unter dem Motto: „Alles paletti?“ – Von der Fremde in die Nähe. Dabei führten die Jugendlichen Gespräche mit MigrantenInnen aus Wörgl und gestalteten daraus eine sehr kreative und beeindruckende Installation von und mit Holzpaletten, dabei sind fünf Koffer nach Themen bzw. Fragestellungen sortiert bzw. aufgestellt. Die Koffer stehen für das Reisen an sich, für das Aufbrechen, das Mitnehmen, das Zurücklassen, das Hinübertreten an das neue, entfernte Ufer. Sie weisen aus, was die Menschen faktisch damals mit im Gepäck hatten als sie nach Österreich kamen. „Alles paletti?“ ist insgesamt eine multisensorische Station die Interessierte auf allen Wahrnehmungskanälen ansprechen soll, wobei es auch eine Hörpalette zum „Reinhören“ gab.

Im Anschluss wurde mit drei Menschen die sich vor langer Zeit in Wörgl ansässig machten über den Film, dessen Inhalt und den Vergleich zu ihrem Leben mit Regisseur Kenan Kilic diskutiert. Dabei waren sich Mona El-Shabrawy, eine Ägypterin – seit 1977 in Wörgl, Mustafa Ersoy seit 1971 in Wörgl und Sarkis Otyan seit 1972 in Wörgl – beide kommen aus der Türkei, einig, dass in dem Film mehrere Situation angesprochen wurden die auch auf sie bei ihrer Einwanderung zutrafen. Kilic, der Regisseur des Films hat durch das Zusammentreffen von mehreren Menschengruppen wie Sunniten, Alleviten oder Kurden, bei den Arbeiten für den Film, die Menschen und ihre Ansichten viel besser kennen gelernt als wie er noch in der Türkei lebte. Der damalige Treffpunkt für uns war der Wörgler Bahnhof, Lokale für uns gab es damals keine, so Mustafa Ersoy, der zudem der erste Türkische Gastarbeiter in Wörgl war. Eines wurde aber auch klar gesagt, wir haben hier viele gute Sachen erlebt aber die Menschen waren damals freundlicher uns gegenüber als heute. Die Diskussion wurden von Michael Haupt / Initiative Minderheiten moderiert.

Eines darf aber nicht vergessen werden, hinter jedem Einwanderer steht ein bestimmtes Schicksal. Wenn wir dies begreife,, so GR Christian Kovacevic, werden wir diese Menschen besser verstehen. Denn Max Frisch hat Recht wenn er sagt: „Wir haben Arbeitskräfte gerufen, gekommen sind Menschen!“

Musikalisch umrahmt wurde der Abend durch authentische Musik aus der Türkei.

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