Vernetzungstreffen im Tagungshaus
Wörgl hat ein Auge auf Drogenmissbrauch

Bgm Hedi Wechner begrüßte die Teilnehmer im Tagungshaus.
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  • Bgm Hedi Wechner begrüßte die Teilnehmer im Tagungshaus.
  • Foto: Stadtgemeinde Wörgl
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Auf Initiative des Sozialausschusses der Stadtgemeinde organisierten die „Achterbahn-Mobile Jugendarbeit“ und der Verein "Komm!unity" am 14. Februar im Tagungshaus einen Fachaustausch zu den Themen Drogen und Sucht. Zwar sei die Situation in der Stadt keine sonderlich andere, als in vergleichbaren Gemeinden, dennoch wolle man diese im Auge behalten und Möglichkeiten der Prävention ausschöpfen. Auch die Beratungsstellen sollen besser vernetzt und öffentlich bekannt gemacht werden.

WÖRGL (nos). Bereits seit Jahren arbeite die Stadt an Konzepten, "um den Missbrauch und Handel von Drogen mit allen vorhandenen Mitteln einzuschränken" und sich durch regelmäßige Vernetzungstreffen mit Einrichtungen und Behörden fachlich auszutauschen. Präventions- und Fortbildungsmaßnahmen, wie mehrere vom Verein "Komm!unity" ausgerichtete Workshops für Jugendliche und Jugendarbeiter, wurden bereits durchgeführt und sollen weiter stattfinden. 

Grundgedanke der Fachtagung im Februar sei es gewesen, so die Stadt in einer Aussendung, möglichst viele Organisationen, die bereits im Bereich der Suchtberatung und -betreuung tätig sind, zu einem gemeinsamen Treffen unter dem Arbeitstitel „Drogengipfel“ einzuladen, damit diese mit ihren Erfahrungen und Fachwissen "zum Entstehen diverser Lösungsvorschläge im Kampf gegen Drogenkonsum" beitragen.

Wechner sieht "gesellschaftliche Doppelzüngigkeit im Umgang mit Drogen"

Bürgermeisterin Hedi Wechner wies einleitend darauf hin, dass Sucht auch immer mit gesellschaftlicher Akzeptanz zu tun habe. Neben der missbräuchlichen Verwendung illegaler Suchtmittel dürfe man die breite Akzeptanz von Alkohol und Nikotin in unserer Gesellschaft nicht außer Acht lassen. Der Initiator der Fachtagung, NR GR Christian Kovacevic stellte klar, dass man "das Thema nicht rein auf lokaler Ebene lösen" könne. „Umso wichtiger ist es jedoch, alle möglichen Maßnahmen und Schritte zu prüfen, die zu einer Verbesserung der Situation in Wörgl beitragen können“, so Kovacevic. Für den Sozialreferenten brauche es neben der Unterstützung für Suchtkranke und deren Angehörige "vor allem aber auch eine Anlaufstelle für betroffene BürgerInnen und eine bessere Vernetzung mit der Polizei".

Praxisbeispiele anderer Gemeinden im Umgang mit Drogen

Als Fachreferent für das Vernetzungstreffen wurde der Leiter der "Tiroler Fachstelle für Suchtvorbeugung" – "kontakt&co" ist Teil des Jugendrotkreuz und arbeitet auch im Auftrag des Landes – Gerhard Gollner eingeladen. Dieser gab in seinem Fachreferat einen detaillierten Überblick über die Sucht- und Substanzsituation in Tirol. Hier zeigte sich einmal mehr, dass Cannabis die meistgenutzte illegale Substanz in Tirol und auch in Wörgl ist. Weit häufiger werden aber legale Suchtmittel konsumiert, die zu zumindest ebenso großen Problemen führen können: Alkohol und Nikotin.

Auch wenn im allgemeinen Trend der Konsum von Alkohol und Nikotin leicht rückläufig sei und das Gesundheitsbewusstsein immer stärker werde, gäbe es noch reichlich Anlass, mehr in den präventiven Bereich zu investieren. Auch Handlungsempfehlungen anhand von beispielgebender Projekte anderer Gemeinden konnte Gollner den Wörglern präsentieren. Zudem wies Gollner auch auf nicht-stoffgebundene Süchte hin, etwa im Zusammenhang mit Glücksspiel, Internetkonsum oder Sex.

Den groben Schätzungen des Vereins Suchtberatung zufolge, die dessen Beraterinnen aufgrund des Praxisalltags machen können, haben rund 30 bis 40 Prozent der jungen Erwachsenen im Bezirk zumindest einmal Cannabis probiert. "Weniger als ein Prozent entwickelt daraus ein Problem oder eine Abhängigkeit", so GF Birgit Keel. Nicht einmal fünf Prozent der Konsumenten haben daneben Erfahrungen mit anderen illegalen Substanzen gemacht, nur ein Bruchteil konsumiere überhaupt regelmäßig. Zum Vergleich: Rund zehn Prozent der Bevölkerung haben ein Alkoholproblem.

Ständiger Austausch & Vernetzung wichtig

Anschließend diskutierten die Teilnehmer und hielten fest, dass ein regelmäßiger Austausch, verbunden mit Fachreferaten verschiedener Experten wichtig sei. Zudem fehle vielfach das Wissen über bereits bestehende Angebote in der Region, die Zuständigkeiten in Problemfällen seien "teilweise noch zu wenig transparent für die Bevölkerung".
Daran wolle man „noch intensiver arbeiten und weitere Vernetzungstreffen organisieren, um gemeinsam mit dem Sozialausschuss und allen am Thema Beteiligten entsprechende Lösungen auszuarbeiten“, so "Komm!unity"-GF Klaus Ritzer.
Sozialreferent Christian Kovacevic erklärte auf Nachfrage der BEZIRKSBLÄTTER, dass es derzeit in Wörgl keine gröberen Brennpunkte oder Probleme gäbe, man wisse vonseiten der Gemeinde wie auch der Polizei über einen Gutteil Bescheid. Dringende, akute Notwendigkeit zu handeln bestehe nicht. So wolle man einerseits bei Jugendlichen weiterhin verstärkt auf Prävention bauen, um einer späteren "Suchtkarriere" entgegen zu wirken und andererseits bei suchtgefährdeten oder -erkrankten Erwachsenen besser in Erinnerung rufen, welche Einrichtungen es zur Hilfestellung gibt. Für ihn als Referenten der Stadtgemeinde sei ein ständiger Austausch in dieser Sache nicht nur in der Jugend- und Sozialarbeit wichtig, sondern etwa auch für das Monitoring von Wohnungsvergaben, um das Miteinander der Stadtbewohner möglichst friktionsfrei zu halten und keine Brennpunkte entstehen zu lassen.

Psychiatrische Sprechstunden in Wörgl

Die Suchtberatung Tirol bietet in der Beratungsstelle Wörgl (Bahnhofstraße 42a) psychosoziale und klinisch-psychologische Beratung, Betreuung und Begleitung von suchtgefährdeten und suchtkranken Personen an, sowie für deren Angehörige und Bezugspersonen. Neben den psychiatrischen Sprechstunden stellt die Suchtberatung auch das Angebot einer mobilen Betreuung. Die Beratung ist kostenlos und anonym, für die Berater gilt die Verschwiegenheitspflicht.

Die Sprechstunden finden immer nachmittags zwischen 14 und 18 Uhr mit Psychiater Dr. Ernest Abel in Wörgl statt, um Reservierung – unter Tel.: 05332/72782 oder 0512/580080, E-Mail: sabine.hoeller(at)verein-suchtberatung.at oder gerti.pirkl(at)verein-suchtberatung.at – wird gebeten. 
Die nächsten Sprechstunden sind an folgenden Tagen geplant:

  • 26. Februar 2019
  • 26. März 2019
  • 30. April 2019
  • 28. Mai 2019
  • 25. Juni 2019

Seit September 2018 bietet der Verein Suchtberatung auch in Wörgl eine psychiatrische Sprechstunde zusätzlich zu den weiteren Leistungen an – den Beitrag dazu finden Sie hier.
Alle Beiträge zum Thema Suchtberatung in Tirol finden Sie hier.
Mehr Informationen zur Suchtprävention in Tirol finden Sie online auf der Website von "kontakt&co".
Eine Auflistung weiterer Institutionen, die sich mit dem Thema Sucht beschäftigen, finden sie hier.

Bgm Hedi Wechner begrüßte die Teilnehmer im Tagungshaus.
Die Teilnehmer des "Drogengipfels" im Tagungshaus, darunter Bgm Hedi Wechner (re) und Sozialreferent NR GR Christian Kovacevic (li).

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