Bilanz
Wörgler Stadtregierung blickt nach Halbzeit zurück

Die Wörgler Stadtregierung zeigte sich bei ihrer Halbzeitbilanz äußerst Zufrieden.
6Bilder
  • Die Wörgler Stadtregierung zeigte sich bei ihrer Halbzeitbilanz äußerst Zufrieden.
  • Foto: Fluckinger
  • hochgeladen von Barbara Fluckinger

Liste Hedi Wechner und die Freiheitliche Wörgler Liste bewerten ihre Halbzeitbilanz als positiv. Große Herausforderungen warten bei Thema Verkehr. Stadt will in den nächsten 15 Jahren einen neuen Stadtkern schaffen.

WÖRGL (bfl). Nach drei Jahren der Zusammenarbeit zogen die Wörgler Gemeindefraktionen Liste Hedi Wechner und die Freiheitliche Wörgler Liste (FWL) nun Bilanz hinsichtlich ihrer Arbeit in Wörgl. Dabei bewertet die Stadtregierung ihre Leistung in dieser Amtsperiode als durchaus positiv – fast alle Punkte des im Jahr 2016 gefassten Arbeitsübereinkommens seien bereits "erfüllt". Lediglich kleine "Feinadjustierungen" seien an einigen Stellen noch notwendig, so der Tenor der Stadtregierung. "Die Arbeit und die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend und sie wird auch weiterhin hervorragend funktionieren", zeigte sich Bürgermeisterin Hedi Wechner zufrieden. Die Zwischenbilanz solle zeigen, wo man gerade in Wörgl stehe. Vor allem das Thema Verkehr und die Gestaltung eines Stadtkerns dürften Wörgl in den nächsten Jahren beschäftigen.

Große Bauprojekte auf Schiene

Der Neubau der Musikschule auf dem Fischerfeld ist im Gange und soll bis Juli 2019 abgeschlossen werden. Projektleiter Andreas Schmidt zeigte sich zufrieden, dass man in der Periode dank Verhandlungen den "Zwist mit der Wist" (Wirtschaftshilfe für Studenten) rund um das Servitut der Stadt beenden und eine außergerichtliche Lösung herbeiführen konnte. Es war dies die Basis dafür, das nun laufende, gemeinschaftliche Projekt auf Schiene zu bringen. Auf dem Fischerfeld errichtet die Stadt Wörgl nunmehr ein "Haus der Musik", in welchem die "Werkbank" der Tiroler Volkshilfe, die WIST, die Landesmusikschule und das Probelokal der Stadtmusikkapelle Platz finden werden – dies auf Baurechtsbasis (also nicht auf Eigengrund). Die Stadtgemeinde wird nach Aufteilung rund vierzig Prozent nutzen, während die WIST als Partner sechzig Prozent zur Verfügung haben wird. Gleichzeitig ist die Stadt von einer reinen Eigennutzung zu einer teilweisen Vermietung übergangen.
Die kalkulierten Errichtungskosten des 2.640 Quadratmeter umfassenden Projektes liegen bei sechs Millionen Euro. Diese werde man möglicherweise unterschreiten können, sagt Schmidt. Das Projekt verlaufe derzeit zufriedenstellend und man bewege sich im gesetzten Zeitrahmen. Mitte August soll die Übersiedlung der Landesmusikschule in das neue Gebäude stattfinden, während die Eröffnung für September 2019 angesetzt ist. Der Park wird im Frühjahr bzw Sommer des Jahres 2020 fertig gestellt werden.
Nach 49 Jahren darf sich nun auch die Wörgler Feuerwehr über ein neues Feuerwehrhaus freuen. Nach dem Baustart Ende März 2018 konnte das Projekt bereits nach rund einem Jahr fertig gestellt werden. Auf einer Nutzfläche von 2.488 Quadratmetern ist ein neues Gebäude mit Feuerwehrhalle, Waschbox, Schlauchturm, Kommando- und Bereitschaftsräume sowie weiteren Räumlichkeiten fertiggestellt worden. Im Erdgeschoss findet sich zudem ein zweiteiliges Katastrophenlager. An der Frontseite des Neubaus hat auch die Bergrettung Wörgl Räumlichkeiten bekommen. Die Kosten für das Projekt liegen bei rund sechs Millionen Euro, womit man letztendlich wahrscheinlich unter den kalkulierten Errichtungskosten liegen werde. Die Eröffnung des neuen Gebäudes findet am 29. Juni statt.

Wörgl will neuen Stadtkern schaffen

Die Stadtregierung plant die Umgestaltung der Bahnhofstraße, möchte einen neuen Stadtkern südlich der Kirche schaffen und ein neues Verkehrskonzept installieren. Es sind dies Pläne, die eng miteinander verflochten sind. Die Stadt will die Bahnhofstraße umgestalten und hat deswegen bereits Arbeitsgruppen dazu erstellt, die sich aus Bürgern, Politikern und Vertretern der Wirtschaft zusammen setzen. Gemeinsam sollen sie beispielsweise eine Lösung für die Umsetzung einer Begegnungszone bzw. Fußgängerzone finden. Die Ergebnisse sollen bis Herbst vorliegen.
Auch an die Planung eines neuen Stadtzentrums südlich der Kirche will man sich wagen. Dieses soll sich auf rund 12.000 Quadratmetern erstrecken, man befinde sich mit der Planung aber noch "in den Kinderschuhen". Der neue Stadtkern werde aber nur mit Hilfe eines privaten Investors möglich sein, welcher bereits Grundstücke in diesem Bereich der Stadt erworben habe. Die Stadt befinde sich bereits seit zwei Jahren in intensiven Gesprächen mit dem Hauptinvestor, um die Interessen der Stadt zu vertreten. Mehr wollte die Stadtregierung derzeit noch nicht verraten.
"Die Stadt ist reif für ein flächendeckendes Verkehrskonzept", sagt Stadtrat Emil Dander (Fraktionsvorsitzender Liste Hedi Wechner). Das Ziel ist es, den Individualverkehr aus der Innenstadt soweit wie möglich zu verdrängen. Die Stadt denkt deswegen auch darüber nach, ein Teilstück der Bundesstraße im Abschnitt Kirche bis Einfahrt Bahnhofstraße "herauszunehmen". "Es bedarf hier einer Entlastung der jetzigen Bundesstraße", sagt Bgm. Hedi Wechner.

Nordtangente könnte vollendet werden

Ein eigenes, aber essenzielles Thema in Sachen Verkehr ist die Nordumfahrung. Ohne eine vorherige Fertigstellung dieser, kann ein neues Verkehrskonzept nicht umgesetzt werden. Bgm Hedi Wechner zeigte sich nach mehreren Gesprächen mit dem Land sehr zufrieden. "Wir haben sehr sehr positive Signale bekommen, dass uns das Land behilflich sein wird bei der Fertigstellung dieser Nordtangente", sagt Wechner. Sollte Wörgl eine finanzielle Unterstützung vom Land Tirol bekommen, könnte die Nordtangente inklusive dem zugehörigen Kreisverkehr laut Wechner in den nächsten zwei bis drei Jahren fertiggestellt werden. Die Grundablöseverhandlungen der Stadt sind bereits abgeschlossen, die Stadt muss nun bis Herbst die Einreichplanung an das Land übermitteln. Die Kosten für den Kreisverkehr zur Fertigstellung der Nordtangente liegen laut Schätzungen vermutlich bei 14 bis 16 Millionen Euro.
In Sachen Mobilität steht für die Stadtregierung derzeit die Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs im Vordergrund. Dazu gehört der City Bus, ein Fußwegkonzept und ein Radwegenetz. Die Stadt hat auch schon mit dem Land Tirol Gespräche hinsichtlich einer Integrierung des City Busses in das VVT Netzwerk. Der Ausbau des Radweges nach Kundl scheitere allerdings derzeit an Differenzen mit betroffenen Grundbesitzern.

Stadt Wörgl wächst

Wörgl wächst durchschnittlich pro Jahr um 200 bis 250 Personen, die zuziehen. Erhebungen aus dem Jahr 2016 zeigen, dass der Raum Wörgl damit verhältnismäßig schneller wächst als die bevölkerungsstarken Bezirke in Wien. Rund 400 Wohnungen sind derzeit in Bau, aber die Nachfrage nach Wohnraum ist weiterhin groß. Es ist dies eine Entwicklung, die die Stadt vor einige Herausforderungen stellt. Erhebungen haben gezeigt, dass ein Neubau, Ausbau sowie Sanierungen von Kindergärten und Pflichtschulen auf die Stadt zukommen. Die Auflösung der Fritz-Atzl-Schule brachte zwar Platz für eine Krabbelstube und die Schul-Nachmittagsbetreuung, es werden aber weitere Maßnahmen notwendig sein. Deswegen hat die Stadt die Zusammenarbeit mit privaten Einrichtungen vertieft. 
Auch der Aufwand für die Verwaltung steigt in Wörgl. Das Rathaus stöhnt unter akutem Platzmangel, ein Neubau stehe aber derzeit aus finanziellen Gründen außer Frage. Nun hat die Stadt den Ankauf einer angrenzenden Wohnung von rund 100 Quadratmetern beschlossen, um der derzeit herrschenden Platznot ein Ende zu bereiten.
Auf Grund des schnellen Wachstums der Stadt wurde auch die Stadtpolizei aufgestockt. Derzeit sind vier Stadtpolizisten, ein Kontrollorgan und zwei Bürokräfte angestellt. Auch eine Juristin wurde von der Stadt angestellt, um die Stadtpolizei bei Bescheiden zu entlasten. Die steigenden Ansprüche, könnten allerdings eine weitere Aufstockung bald notwendig machen.

Budgetkonsolidierung zeigt Auswirkungen

Grundsätzlich zeigte man sich ebenso mit den Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung in der Stadt sehr zufrieden. Der eingeschlagene Kurs habe sich als richtig erwiesen. "Es wurden wirklich aktiv sämtliche Posten durchgegangen und man ist draufgekommen, man kann bei Sachen sparen, die Niemandem wehtun", sagt Hedi Wechner. Die Stadt setzte das mithilfe der ICG-Unternehmensberater erarbeitete Maßnahmenpaket nach Beschluss im September 2017 bereits im vergangenen Jahr um.
Ein Teil der Einsparungsmaßnahmen betraf aber auch Ausschüsse und den Stadtrat. So wurden die Ausschüsse von zwölf auf vier, der Stadtrat von fünf auf vier Mitglieder reduziert. Dadurch könne man in den nächsten sechs Jahren ein Einsparungspotenzial von rund 300.000 Euro erreichen, sagt Vbgm Mario Wiechenthaler (Fraktionsvorsitzender FWL) bei der Präsentation zur Halbzeitbilanz.

Straßenmillion für Sanierung

Eine Million Euro aus Jahresüberschüssen des Jahres 2018 will die Stadt in diesem Jahr für Straßenbauprojekte verwenden. Die ersten Straßenzüge, die vom Überschuss profitieren und saniert werden stehen bereits fest. Es sind dies die KR Adolf-Pichler-Straße bis zum Kreuzungsbereich, der Angather-Weg, die Johann-Seisl-Straße, die Sepp-Gangl-Straße und der Straßenbereich im Abschnitt des "Cafes ums Eck".

Autor:

Barbara Fluckinger aus Kufstein

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

10 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.