Spur führt nach Schwoich
Wurde "The Lighthouse" durch fremde Hand zu "New Shores"?

Der in Rotterdam lebende Kufsteiner Simon Scheiber arbeitete bis Ende 2015 rund sieben Jahre lang an seinem Stop-Motion-Film "The Lighthouse", 2018 wurde er von einem anderen Filmemacher verfremdet ins Oscarrennen geschickt.
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  • Der in Rotterdam lebende Kufsteiner Simon Scheiber arbeitete bis Ende 2015 rund sieben Jahre lang an seinem Stop-Motion-Film "The Lighthouse", 2018 wurde er von einem anderen Filmemacher verfremdet ins Oscarrennen geschickt.
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Der gebürtige Kufsteiner Simon Scheiber arbeitete jahrelang in Rotterdam an seinem Stop-Motion-Kurzfilm "The Lighthouse", den er Ende 2015 fertigstellte. Nun erfuhr er, dass sein Animationsfilm möglicherweise von einem anderen Filmer unter anderem Titel ins Oscarrennen geschickt wurde.

KUFSTEIN (nos). Sieben Jahre modellieren, aufstellen, fotografieren und nachbearbeiten – über 14.000 Fotos hat Simon Scheiber für seinen klassischen Stop-Motion Animationsfilm "The Lighthouse" aufgenommen. Ende 2015 war das Großprojekt in Eigenregie im Kasten und der gebürtige Kufsteiner Simon Scheiber erleichtert. "Wenn ich zu Anfang gewusst hätte, dass es sieben Jahre dauern wird, ich weiß nicht, ob ich angefangen hätte", erklärte der in Rotterdam lebende Perfektionist gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN. Die 11 Minuten und 20 Sekunden lange Animation war nach Fertigstellung bei mehr als 36 internationalen Filmfestivals zu sehen und später konnte man das kleine Meisterwerk dann auch auf der Video-Plattform "Vimeo" in Augenschein nehmen.

Vor wenigen Wochen bekam der Filmemacher ein Email von einer Bekannten, die in der Academy-Jury für die Oscar-Vorausscheidungen sitzt. Und was er da zu lesen bekam, konnte er zuerst gar nicht recht glauben. Demnach sei sein Film 2018 zu den Oscars-Vorentscheidungen eingereicht worden – allerdings nicht von ihm.

Wurde aus "the Lighthouse" Jahre später "New Shores"?

"Vor ein paar Wochen hat mir eine Freundin aus den USA eine Mail geschickt, dass sie bei den letzten Oscar-Vorentscheidungen – Members der Academy sichten qualifizierte Filme um zu gucken, ob sie in die nächste Runde weiter dürfen – meinen animierten Kurzfilm 'The Lighthouse' im ersten Bewertungsdurchgang gesehen hat … jedoch mit einem anderen Titel … und von jemand anders", erklärt Scheiber.
Nachdem sich die Filmkennerin sicher war, dass es sich um "The Lighthouse" handelte, begann Scheiber nachzuforschen, wandte sich an die "Academy of Motion Pictures" in den USA. Dabei fand er auch heraus, dass sein Film unter einem anderen Titel – wie in den Vorgaben der Oscar-Jury beschrieben – 2018 eine Woche lang in einem Kino in Los Angeles zu sehen war. Und auch zum "LA Shorts"-Kurzfilmfestival wurde "The Lighthouse" unter dem Titel "New Shores" gezeigt: "Nach ein paar Mails mit der Academy stellte sich heraus, dass mit den Kontaktdaten eines gewissen Alexander Mair mein Film bearbeitet und mit dem Titel 'New Shores' versehen eingereicht wurde. Ich habe anschließend etwas Online-Nachforschung betrieben und habe dabei herausgefunden, dass dieser mein Film auch beim 'LA Shorts Fest' im Juli 2018 teilgenommen hat. Auch hier ist der Film unter dem Namen Alexander Mair eingereicht worden. Desweiteren hat er im September 2018 Kontakt mit dem 'Landmark Theater' aufgenommen, um den Film für die Oscars qualifizieren zu lassen: Denn dafür muss der Film in einem Kino in Los Angeles für sieben Tage laufen, mit mindestens einem Screening pro Tag", erklärt der Filmemacher.

Die Kontaktdaten des Einreichers führen nach Schwoich

Die Kontaktdaten unter denen Simon Scheibers Film bei Kino und Festival in Los Angeles eingereicht wurde führen zu einem Alexander Mair aus Schwoich und dessen Unternehmen in Kufstein . Der Schwoicher ist bekannt, drehte unter anderem den Kurzfilm "Teddybär", der Ende Oktober 2014 in Kufstein Premiere feierte sowie einige Trailer für Privatsender und Werbespots für Unternehmen und Institutionen in der Region. Firmenname und Mobilnummer stimmen mit jenen überein, die von der "Academy of Motion Pictures" auf Nachfrage Scheibers mitgeteilt wurden, als er dort nachfragte, wer den Film eingereicht hat.

Von den BEZIRKSBLÄTTERN mit den Recherchen Scheibers konfrontiert, stritt Alexander Mair jegliche Kenntnis darüber sowie seine Beteiligung ab. Er könne sich nicht erklären, wie der Film unter seinem Namen und mit seinen Kontaktdaten bei Kino und Festival in Los Angeles eingereicht worden sei, er habe damit nichts zu tun. Die Frage, wer dies unter seinem Namen hätte tun sollen oder können, konnte Mair nicht beantworten.

Rechtliche Schritte in Prüfung

Scheiber prüft indes rechtliche Schritte wegen mutmaßlicher Urheberrechtsverletzung und möchte die Sache gerne aufklären, vorallem auch, wer und weshalb sich jemand diese Mühe mit seinem Film gemacht hat und ob es das erste Mal war, dass so etwas passiert. "Schlussendlich will ich natürlich gerne vermeiden, dass mein Film weiterhin verfremdet eingereicht oder vorgeführt wird", sagt der in Rotterdam lebende Kufsteiner. Die Academy und die Filmförderungs-Institutionen der Niederlande sowie Österreichs wurden von ihm ebenso über die Verdachtsmomente und die im Raum stehende Urheberrechtsverletzung informiert, wie die Filmabteilung im Österreichischen Bundeskanzleramt und der Leiter des Kitzbüheler Filmfestivals.

Auch die "Academy" verwundert

Die "Academy of Motion Pictures" zeigte sich über den Vorgang und die Beschwerde von Scheiber verwundert. "Das ist einfach etwas, das macht man nicht, da gibt es einen Ehrenkodex unter Filmemachern. Mir geht es nicht einmal so sehr um die viele Zeit und das Geld, das ich in 'The Lighthouse' gesteckt habe. Man schmückt sich nicht so plump mit fremden Federn, das ist einfach dreist", sagt Scheiber. Zudem habe ihn der Einreicher nicht nur um seine langwierige Arbeit geprellt, sondern auch wissentlich die Academy getäuscht, denn der ursprüngliche Film wäre bereits zu alt gewesen, um ihn für die Oscars qualifizieren zu lassen.

Den Beitrag der BEZIRKSBLÄTTER über die Fertigstellung von "The Lighthouse" im Jahr 2015 finden Sie hier.

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