Bildung
Bilinguales Angebot entzweit Kufsteiner Gemeinderat

Nicht mit Kritik sparten die Gemeinderätinnen Victoria da Costa (OGF) sowie Birgit Obermüller (freie Mandatarin) in der letzten Kufsteiner Gemeinderatssitzung. Sie kritisierten die Vorgehensweise der Stadt hinsichtlich des geplanten bilingualen Bildungsangebotes.
8Bilder
  • Nicht mit Kritik sparten die Gemeinderätinnen Victoria da Costa (OGF) sowie Birgit Obermüller (freie Mandatarin) in der letzten Kufsteiner Gemeinderatssitzung. Sie kritisierten die Vorgehensweise der Stadt hinsichtlich des geplanten bilingualen Bildungsangebotes.
  • Foto: Barbara Fluckinger
  • hochgeladen von Barbara Fluckinger

Grüne sowie eine freie Gemeinderätin stellen Anfragen zum geplanten bilingualen Bildungsangebot in Kufstein und sparen dabei nicht mit Kritik. 

KUFSTEIN (bfl). Das durchgängige bilinguale Bildungsangebot, das ab kommenden Herbst in der Stadt Kufstein zumindest auf Kindergartenebene gestartet werden soll, sorgte nun im Kufsteiner Gemeinderat für Diskussionen. Die Gemeinderätinnen Victoria da Costa (OGF) sowie Birgit Obermüller (freie Mandatarin) kritisierten die Vorgehensweise der Stadt hinsichtlich des Zustandekommens dieses Angebots.
Erst am Dienstag, den 16. Juni wurde das neue Angebot der Öffentlichkeit präsentiert, wofür Landeshauptmann (LH) Günther Platter und Bildungslandesrätin Beate Palfrader in die Festungsstadt reisten, um das gemeinsame Vorhaben mit Herbert Marschitz, Vorstandsvorsitzender der FH Kufstein, und Bgm Martin Krumschnabel zu präsentieren. Und genau darin liegt für Obermüller zumindest teilweise die Crux. Man habe erst über die Medien über das neue Angebot erfahren, sagte Obermüller, selbst seit sieben Jahren Schulleiterin der Volksschule Zell, in der jüngsten Kufsteiner Gemeinderatssitzung. Dies obwohl auch sie selbst bis zuletzt Bemühungen rund um "mehr" Englisch an der Volksschule verfolgt habe. Auch die Leiterinnen der betroffenen Schule sowie des Kindergartens, an welchen das Angebot eingerichtet werden soll, hätten davor also nichts davon gewusst. Die Bürgermeisterpartei habe die Entscheidung für ein solches Angebot mit den Stiftungsvorständen mehr oder weniger "im Alleingang" getroffen. Letztere hätten Ende 2019 ein Konzept erstellt und hätten dieses dann dem Land vorgeschlagen. "Es war definitiv so, dass Franz Mayer mit dem Konzept an das Land herangetreten ist und nicht umgekehrt. Ich habe die Bestätigung schriftlich", so Obermüller. Nachdem der Druck von der Wirtschaft schon so groß gewesen sei, hätte das Land laut Obermüller "wohl dankend annehmen" müssen.

Grundsatzbeschluss durch Land Tirol 

Zur Erinnerung: Das Land Tirol fasste kürzlich einen Grundsatzbeschluss, mit dem man das internationale Angebot am Schulstandort Kufstein ausbauen will. Das Land stellt nun über zehn Jahre 1 Million Euro zur Verfügung, für das Jahr 2020 kommen noch einmal 200.000 Euro hinzu. Damit will man im Kindergarten und in der Volksschule Sparchen das bilinguale Angebot in Englisch einführen bzw. erweitern. Der Startschuss soll im Kindergarten in Sparchen im Herbst dieses Jahres erfolgen, die Volksschule soll im Herbst 2021 folgen. An der privaten Schule International School Kufstein (ISK) soll darüber hinaus die zweisprachige Unterstufe für Schüler im Alter von zehn bis 14 Jahren im Herbst 2021 eingerichtet werden.

Fehlende Vorabinformation 

Doch nicht nur die fehlende Vorabinformation seitens der Stadt Kufstein bemängelte Birgit Obermüller in der Gemeinderatssitzung. Sie stellte auch in den Raum, dass es sich dabei um ein elitäres, privates Bildungsangebot handle, das die Ungleichheit vergrößere. Das Angebot sei sehr wichtig, jedoch sollten alle Angebote an öffentlichen Bildungseinrichtungen angesiedelt sein, argumentiert Obermüller.
Die Gemeinderätin gab auch zu bedenken, dass viele Kinder, die das bilinguale Angebot nutzen, die Stadt Kufstein nach ein paar Jahren wieder verlassen – dies, da diese oft aus Familien mit internationalem Hintergrund stammen, in welchen Eltern aus beruflichen Gründen die Festungsstadt oder gar Österreich bald wieder hinter sich lassen. Man stelle nun neue und kostspielige Immobilien zur Verfügung, während Kinder und Jugendliche in öffentlichen Einrichtungen teilweise schlechte und unzureichende Raumressourcen zur Verfügung hätten, so Obermüller.
Zudem seien keine Details zum Angebot bekannt gemacht geworden. "Die Kindergartengruppe als auch die Volksschulklasse an öffentlichen Einrichtungen anzusiedeln, empfinde ich als positiv. Es kennt jedoch niemand das Konzept. Man weiß nicht welche Kinder das Angebot nützen können, welche Auswahlkriterien anerkannt werden und wie lange die neu geschaffenen Raumkapazitäten in der Volksschule Sparchen ausreichen werden", sagt Obermüller. 

Auch Grüne Gemeinderätin hakt nach

Welche Kosten auf die Stadtgemeinde Kufstein zum bilingualen Angebot zukämen, wollte indes Victoria da Costa wissen. Auch Auskunft darüber, ob sich die ISK an den laufenden Kosten beteiligen werde und durch wen die Kooperation mit dem Land vereinbart wurde, wollte die Grüne Gemeinderätin erhalten. Auch sie ortete einen elitären Beigeschmack bei diesem neuen Angebot. "Aus unserer Sicht braucht es keine zwei Klassen, sondern vielmehr eine klasse Bildung für alle", so da Costa. „Diesen Schritt in einer Nacht- und Nebelaktion durchzupeitschen ohne relevante Ansprechpartner im Bildungsausschuss, VS Sparchen und Stadtgemeinde einzubinden, ist äußerst fragwürdig“, so da Costa. Investitionen in die Bildung seien zentral für die Zukunft kommender Generationen. Diese Bildung müsse jedoch "barrierefrei und inklusiv sein und darf nicht nur einem kleinen Teil von besser situierten Familien zu Gute kommen". Die Mittel der Stadt müssten in Bildungsangebote und Infrastrukturverbesserungen fließen, die für alle Kinder da sind.

Krumschnabel: Wunsch kam vom Land

Bgm Martin Krumschnabel beantwortete die Anfragen der beiden Gemeinderätinnen gleich im Anschluss. Der Wunsch für ein neues Angebot sei vom Landeshauptmann aber auch von Seiten der Wirtschaft, vor allem von der Sandoz, gekommen. Zu Beginn der Coronakrise habe es eine gemeinsame Besprechung mit dem Landeshauptmann gegeben. Dabei sei es darum gegangen, ob Kufstein – wenn es ein internationales Angebot im Tiroler Unterland brauchen würde – ein möglicher Partner wäre. Krumschnabel habe prüfen lassen, ob Räumlichkeiten vorhanden bzw. noch zu schaffen seien und gab dem Land eine positive Rückmeldung. 
Beim Bereich Volksschule und Kindergarten hatte der Bürgermeister für den 22. Juni eine Projektvorstellung von Experten des Landes im Stadtrat geplant. Bei dieser wäre es darum gegangen, zu informieren, was das Land in Kufstein "gerne tun würde". Zuerst kam Corona. Danach dürfte augenscheinlich das Land "vorgeprescht" sein, wenn man so will. Denn laut Krumschnabel sei er erst am Montag, den 15. Juni, also einen Tag vor der Pressekonferenz bei der das neue Angebot in Kufstein präsentiert wurde, von selbiger in Kenntnis gesetzt worden. 

Noch kein genaues Konzept da

Der Bürgermeister erklärte, dass er das Vorhaben als wichtig für den Standort Tirol erachte. "Ich kann nur für mich sagen, und das hat der Stadtrat auch so bestätigt, dass Kufstein zur Verfügung steht für ein internationales Angebot im Unterland", sagt Krumschnabel. Man wolle seitens der Stadt aber auch, dass Kufsteiner Schüler dieses neue Angebot nutzen können und dafür einen "Mindestbesuch" festlegen. Bezüglich der Kosten rechne man mit rund 8.000 Euro im Jahr, die zusätzlich im Kindergarten dazukommen. Krumschnabel deutete an, dass auch diese vom Land finanziert werden könnten. Die Einrichtung in der ISK verursache allerdings keine Kosten für die Stadt, das Land finanziere den neuen Englischunterricht in der Unterstufe. "Die Stadt hat damit nichts zu tun, das ist eine Angelegenheit der Stiftung", so Krumschnabel.
Was tatsächlich noch offen ist, ist ein genaues Konzept zum bilingualen Angebot. Es gäbe laut Krumschnabel dafür zwei Möglichkeiten: eine Diplomatenklasse in der Volksschule oder eine bilinguale Schule, in der man verstärkt bereits mit Englisch in die Volksschule geht. 

Nur an ISK möglich

Was feststehen dürfte ist, dass das neue Angebot für die Unterstufe wohl zwangsweise an der (privaten) ISK stattfinden muss. Eine übergreifende Form von der Unter- in die Oberstufe in einer achtstufigen öffentlichen Schule ist nämlich nicht möglich. 
Warum genau, erklärte Gemeinderat Klaus Reitberger in der Gemeinderatssitzung. Internationale Schulbildung bedeute, einem weltweit standardisierten Bildungsprogramm zu entsprechen. Dieses sogenannte "Middle Years Programme (MYP)", das in Kufstein eingesetzt werden könnte, umfasst aber fünf Jahre – deckt sich also nicht mit der vierjährigen Unterstufe. Das Programm kann aber nur angeboten werden, wenn diese fünf Jahre an ein und demselben Platz durchgeführt werden. Demnach könnte es gar nicht an einer anderen Unterstufe als jener der ISK stattfinden.

Aktuelle Nachrichten aus dem Bezirk Kufstein finden Sie hier.

Landesregierung stützt zweisprachiges Bildungsangebot in Kufstein
Du möchtest die aktuellsten Meldungen aus deinem Bezirk direkt am Smartphone?

Dann aktiviere die meinbezirk Push-Nachrichten!

Jetzt aktivieren

Anzeige
Die Gäste erwartet ein besonderes 5-Gänge-Menü.
  Aktion   3

Mitmachen & Gewinnen
"Tafeln am Hof" – Einladung für das Dinner rund ums Gemüse gewinnen

Ein Genusskonzept der besonderen Art geht in die zweite Runde. Die Agrarmarketing Tirol veranstaltet auch heuer wieder das „Tafeln am Hof“. An zwei Terminen im August und September stehen jeweils ausgewählte Produkte mit dem Gütesiegel „Qualität Tirol“ im Zentrum eines exklusiven Dinners. Wir verlosen zwei der begehrten Einladungen! Den Anfang macht das Gemüse. Ein köstliches 5-Gänge-Menü erwartet die Gäste am 24. August 2020, ab 18.00 Uhr, mitten auf dem Gemüsefeld der Familie Giner in...

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Aktuell
Informiert in den Tag starten!

Mit dem Bezirksblätter "Update am Morgen".

Jetzt lesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen