In Kundl
"Bis der Himmel schwarz wird ..." – FPÖ-GR wirbt mit Hitlerzitat für Raucherfete

Wirt und FPÖ-Gemeinderat Oswald Rofner zeigte sich gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN in seiner Bar in Kundl reumütig: Er habe einen Fehler gemacht und das Zitat nicht überprüft, was ihm aufrichtig Leid tue.
  • Wirt und FPÖ-Gemeinderat Oswald Rofner zeigte sich gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN in seiner Bar in Kundl reumütig: Er habe einen Fehler gemacht und das Zitat nicht überprüft, was ihm aufrichtig Leid tue.
  • hochgeladen von Sebastian Noggler

Mit der Bewerbung einer "Raucherfete" in seinem Gastronomiebetrieb sorgt ein Kundler FPÖ-Gemeinderat aktuell für Aufsehen, denn er verwendete dafür abgewandelte Zitate, die Adolf Hitler und Joseph Goebbels zugeschrieben werden. Davon will er nichts gewusst haben.

KUNDL (nos). Seit 2016 ist Oswald Rofner in Kundl als Ein-Mann-Fraktion Gemeinderat für die Freiheitlichen. Der frühere Grafiker betreibt in seiner Heimatgemeinde seit nunmehr acht Jahren eine Bar, die nicht zuletzt aufgrund später Sperrstunde in der Region gerade bei Jugendlichen beliebt ist. Mit dem vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) bestätigten absoluten Rauchverbot, das mit 1. November in Kraft tritt, hat er wenig Freude, darum plant er für den 25. Oktober eine Veranstaltung, um "die letzte Tschik" in seiner Bar zu feiern. Doch wie der 52-Jährige die Veranstaltung in sozialen Netzwerken bewarb, sorgt nun für Aufregung.

Werbung mit abgeänderten Nazi-Zitaten

Rofner postete auf Facebook ein selbst gebasteltes Video, in dem er einen sehr auffälligen Satz verwendet: "Wir werden rauchen bis der Himmel schwarz wird und die Vögel zu Fuß gehen müssen." Dass das ein abgewandeltes Zitat ist, das Adolf Hitler zugeschrieben wird, davon habe er nichts gewusst, sagt Rofner im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN. 
"Ich habe im Zuge eines Fests im Ort im Sommer bei einer launigen Diskussion zum Rauchverbot diesen Satz gehört und habe ihn relativ lustig gefunden. Ein guter Gag. Letzte Woche war ich am Überlegen, wie ich meine Raucherfete auf Facebook bewerben könnte und da kam mir dieser Satz wieder in den Sinn", so Rofner. Woher das Original stamme, das habe er nicht gewusst, mit rechtsextremem Gedankengut habe er nichts am Hut. Dass er den Satz nicht auf seine Herkunft überprüft habe, tue ihm im Nachhinein sehr Leid.

Am frühen Donnerstagnachmittag, dem 17. Oktober stellte er seinen Beitrag online, garniert wurde das Video mit einem Posting, in dem er auch den NSDAP-Propagandaminister Joseph Goebbels paraphrasiert: "Wollt ihr das absolute Rauchverbot?"
"Dass das an den Satz 'Wollt ihr den totalen Krieg?' erinnert, daran hätte ich garnicht gedacht", meint Rofner darauf angesprochen. Erst am drauf folgenden Montag, nachdem die auf Facebook aktive Gruppierung "FPÖ fails" am Sonntagabend auf Rofners Posting aufmerksam wurde, schwante ihm übles. Davor habe es durchaus positive und belustigte Reaktionen zu seinem Video gegeben, sagt er. Mittlerweile ist es wieder offline genommen worden.

Rofner betont den BEZIRKSBLÄTTERN gegenüber, dass er dieses Posting als Wirt und nicht als FPÖ-Gemeinderat und Ortsobmann getätigt habe, seine politische Arbeit habe damit nichts zu tun. Die nunmehrige Aufregung und Kritik könne er klar nachvollziehen und wolle seinen Fehler auch nicht beschönigen. Rofner kündigte an auch mit Bürgermeister und Partei das Gespräch suchen zu wollen und sich für den verbalen Fehlgriff zu entschuldigen, der ihm zutiefst Leid tue. Sollte es politische oder rechtliche Konsequenzen für ihn geben, werde er diese selbstverständlich tragen: "Mit den möglichen Konsequenzen und dass mir das nun anhaftet – einige Wochen, Monate oder Jahre –, damit werde ich leben müssen."

"Es tut mir wahnsinnig Leid und ich möchte mich in aller Form dafür entschuldigen, was ich hier für einen Sch*** gemacht habe. Ich habe das nicht bewusst getan und bin sehr schockiert, dass ich mit meiner Naivität und Dummheit Leuten vor den Kopf gestoßen habe."

Beim Lokalaugenschein der BEZIRKSBLÄTTER in Kundl zeigten sich auch zahlreiche darauf angesprochene Bürger überrascht und entsetzt, ebenso die Vertreter anderer Gemeinderatsfraktionen.

Bgm Hoflacher (SPÖ): "Abscheulich"

Für Kundls Bürgermeister Anton Hoflacher (SPÖ) "muss man da nicht lange herumreden". "Ich verabscheue so etwas grundsätzlich, das ist zu 100 Prozent abzulehnen. Rofner ist gewählter Gemeinderat, er muss selbst wissen, welche Konsequenzen er aus seinem Handeln zieht." Dass es in Kundl rechtsradikale oder neonazistische Auswüchse geben könnte, das glaubt der Bürgermeister nicht: "So etwas gibt es in Kundl nicht!"

VP-Vizebürgermeisterin Trapl "schockiert"

Kundls Vizebürgermeisterin Barbara Trapl erklärte gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN auf Nachfrage: „Wir sind schockiert über den Post von Herrn Rofner! Es ist mehr als nur geschmacklos mit Zitaten von Hitler und Goebbels Werbung zu machen! Als Gemeinderat hat Herr Rofner Vorbildwirkung, seine Bar ist ein Treffpunkt für viele junge Leute - absolut unverantwortlich!“

FSG-Chef Bertel fordert Rücktritt

"Fassungslos" reagierte Tirols FSG-Vorsitzender im ÖGB, der Kundler Stephan Bertel (SPÖ) auf die jüngste Entgleisung des FPÖ-Gemeinderats Oswald Rofner in einer Presseaussendung. „Ich bin entsetzt über solche inakzeptablen Sager, und das noch aus meiner Heimatgemeinde!“, meint Stephan Bertel. „Ich wurde von Journalisten gefragt, ob es eine Neonazi- oder Naziszene in Kundl gebe und ich kann das nur verneinen! Schon allein die Frage zeigt, wie sehr Oswald Rofner der Gemeinde Kundl schadet! Ich fordere ihn auf, sein Gemeinderatsmandat unverzüglich zurückzulegen!“.

Dass Teile der Bevölkerung solche Sprüche lustig finden, führt Bertel unter anderem auf ein Versagen der politischen Bildung in den Schulen zurück. Man müsste mit 15 oder 16 Jahren verpflichtend eine Führung zu den Gedenkstätten in Mauthausen oder Dachau im Lehrplan vorsehen. „Wenn man einmal ein ehemaliges Konzentrationslager besucht hat, ist man immun gegenüber rechtsradikalen Sagern“, ist Bertel überzeugt. „Wer wählen darf, soll sich auch bewusst sein, welchen Schaden er mit seiner Wahl anrichten kann“.

„Ich denke, mit so einer relativ einfach umzusetzenden Maßnahme, kann man das Niveau der Gesellschaft und damit auch der Politik anheben“, meint Bertel. „Wir sind in einer Demokratie und da bekommt die Bevölkerung die Politiker, die sie verdient. Wenn wir aber wirklich die Probleme unserer Zeit lösen wollen brauchen wir eine niveauvolle Sachpolitik!“, so Bertel.

Tiroler FPÖ denkt über "mögliche Konsequenzen" nach

"Die FPÖ-Landespartei wird die notwendigen Gespräche führen und heute Abend eine Entscheidung über mögliche Konsequenzen treffen. Diese werden dann der Öffentlichkeit bekanntgegeben", übermittelte die Tiroler FPÖ als erste Stellungnahme zur Causa. Landesparteiobmann Markus Abwerzger wurde über Social Media von "FPÖ fails" bereits am Montag auf den Vorfall durch eine Markierung im Beitrag aufmerksam gemacht. Abwerzger selbst ließ gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN festhalten, dass er nicht informiert wurde: "Zu diesen Leuten pflegt er keinerlei Kontakt."

Die Tiroler FPÖ hat, wie auch andere Landesorganisationen und die Bundespartei, immer wieder Probleme mit Funktionären und Mitgliedern, die sich im Nahebereich zum Rechtsextremismus bewegen. Im September 2017 wurde ein Landecker Apotheker ausgeschlossen, der zahlreiche NS-Devotionalien besaß (hier finden Sie den Beitrag). Im Regelfall bezeichnet die FPÖ solche Vorkommnisse als "Einzelfälle".

UPDATE: Wie angekündigt wurden von der FPÖ Gespräche geführt, die in einer Verwarnung Rofners mündeten. Man habe klar ausschließen können, dass Rofner sich "in solchen Kreisen bewegt oder solch ein Gedankengut in sich trägt". Den Beitrag dazu finden Sie hier.

Autor:

Sebastian Noggler aus Kufstein

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