Hochwasserschutz Unteres Unterinntal
Das Land kommt in den Wasserverband

Von der Gefahrenzone zum Hochwasserschutz: 2.200 Gebäude und 160 Hektar wurden als Gefahrenzonen ausgewiesen und sollen durch Maßnahmen im Verband im Unteren Unterinntal hochwassersicher werden.
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LH Platter: „Schutz vor Hochwassergefahren braucht gemeindeübergreifende Zusammenarbeit“ – Land wird Mitglied im Wasserverband "Unteres Unterinntal" und zahlt 20 Millionen Euro sowie weitere fünf Prozent zum Schutz von Gemeinden sowie Bundes- und Landesstraßen. Bauern in Kundl und Radfeld wollen "die Pläne massiv bekämpfen".

TIROL/BEZIRK (nos/flo). Das Land Tirol wird Mitglied im Hochwasserverband Unteres Unterinntal, das hat die Landesregierung am Dienstag, den 19. Februar beschlossen.

Neben einem Sonderbeitrag des Landes für die Gemeinden in Höhe von 20 Millionen Euro beteiligt sich das Land Tirol für den Schutz der Bundes- und  Landesstraßen (B und L – beide vom Land verwaltet) zusätzlich mit fünf Prozent an den Kosten für den gemeindeübergreifenden Hochwasserschutz im Unteren Unterinntal.

„Der Hochwasserschutz für die Gemeinden im Unterinntal ist von wesentlicher Bedeutung – schließlich geht es um die Sicherheit der Bevölkerung, den Schutz von 2.200 Gebäuden und 160 Hektar Bauland sowie die künftige Entwicklung der Region“

LHStv Josef Geisler

Das Schadenspotenzial bei einem 100-jährlichen Hochwasser liege laut Expertise des Landes bei 360 Millionen Euro. Die geschätzten Kosten für das Hochwasserschutzprojekt auf Preisbasis 2016 liegen bei 250 Millionen Euro. 80 bis 85 Prozent der Kosten übernehme der Bund, so das Land Tirol in einer Aussendung.

Neben den sieben betroffenen Gemeinden Brixlegg, Kramsach, Rattenberg, Breitenbach, Wörgl, Radfeld und Kundl werden auch die Infrastrukturträger ASFINAG, ÖBB, TIWAG und das Land Tirol im Wege der Landesstraßenbauverwaltung dem Wasserverband Unteres Unterinntal angehören. Die Stadtgemeinde Wörgl, die sich seit Jahren lautstark hierbei zu Wort meldet – die BEZIRKSBLÄTTER berichteten – hat am Dienstagabend im Gemeinderat über Beitritt und Statuten einstimmig mit Ja entschieden. Am Donnerstagabend steht der Entscheid in Radfeld an.

Zwangsverpflichtung für renitente Radfelder

Der Hochwasserschutz ist in der Gemeinde Radfeld nach wie vor umstritten. Das brisante Thema wurde dementsprechend auch zur Jahreshauptversammlung der Feuerwehr am 16. Februar angeschnitten. 
Um den Ort im Ernstfall vor Hochwasser schützen zu können, schaffte die Gemeinde im Frühjahr 2018 mobile Schaltafeln für rund 35.000 Euro an, auch acht auf 160 bis 250 Zentimeter aufblasbare Luftpolster wurden gekauft. Damit sollen im Hochwasserfall die Abläufe der Oberflächenentwässerung der Autobahn abgedichtet werden können. Die zwei Meter langen und 45 Zentimeter hohen Schaltafeln werden im Notfall zwischen der Rattenberger Innbrücke und der Radfelder Autobahnbrücke auf einer Gesamtlänge von 350 Metern auf der Innmauer montiert. Weiters werde in diesem Jahr vom Land Tirol eine Großraumpumpe um rund 60.000 Euro mit einer Leistung von 5000 Litern pro Minute für den Bezirk Kufstein angeschafft, ausgeliefert werde diese voraussichtlich im Jahre 2020, stationiert dann im neuen Katastrophenlager der Feuerwehr Radfeld, das heuer hinter dem Feuerwehrhaus errichtet wird. 

"Für uns Radfelder sind es derzeit schwere Zeiten in denen wir nicht gut schlafen können", betonte Radfelds Bürgermeister Josef Auer in seiner Ansprache bezüglich der Wasserverbands-Gründungsgespräche, "Ich hoffe dass wir die richtige Entscheidung für die Zukunft unseres Dorfes treffen!" 

Wie sich Radfeld bezüglich des Beitritts zum Wasserverband entscheidet, wird sich am kommenden Donnerstag, den 21. Februar in der Radfelder Gemeinderatssitzung zeigen. Bei der Gründung werde der Wasserverband einen Antrag zur Zwangsverpflichtung Radfelds bei der Wasserbehörde stellen. Für eine Stellungnahme dazu war der Bürgermeister nicht bereit.

Kundler Bauern weiter großteils dagegen

In den anderen Gemeinden werden derzeit die leicht abgeänderten Statuten für den Wasserverband nochmals neu beschlossen, wie vor kurzem auch im Gemeinderat der Nachbarn in Kundl. Dort ließ Ortsbauernobmann GR Markus Unterrainer festhalten, auch wenn in Kundl bereits der Beitritt zum Wasserverband beschlossen wurde, dass nach wie vor 97 Prozent der betroffenen Grundeigentümer gegen die derzeitigen Pläne seien:

"Die betroffenen Grundstückseigentümer wollen dass Alternativen geprüft werden, denn Grund und Boden ist das wertvollste was wir haben!"

Die meisten der 14 betroffenen Grundstückseigentümer in Kundl seien auch bereits der kürzlich von Radfelds Ortsbauernobmann Anton Wiener ins Leben gerufenen Wassergenossenschaft Kundl-Radfeld beigetreten. Ihr Ziel sei "die derzeitigen Pläne massiv zu bekämpfen um ihren Grund und Boden zu schützen".

Angaths Wegfall ändert Stimmgewicht

Da in Angath, wo schon längers gegen die Pläne Sturm gelaufen wurde, die für die Retentionsflächen benötigten Grundstücke privatrechtlich sichergestellt wurden und die Gemeinde keinen Mehrnutzen aus dem Hochwasserschutz ziehe – die BEZIRKSBLÄTTER berichteten –, könne Angath nicht zwangsverpflichtet werden. 

Durch den Wegfall Angaths gäbe es nicht mehr 24 Stimmrechte im Wasserverband, sondern nur mehr 23, wovon Kundl drei und Radfeld vier zugeteilt würden. Durch die Kostenübernahme der Infrastrukturträger (ÖBB, Asfinag, Tiwag, Land) sollen die Ausgaben für die Gemeinden sinken. So treffe es Kundl anstelle der vorher veranschlagten 12,83 Prozent nur mehr mit 12,38 Prozent. Auch in den weiteren Gemeinden würden die Kosten um ungefähr ein halbes Prozent sinken.

Wasserverband: Gründung am 26. Februar in Kufstein

„Für uns ist es selbsterklärend, dass auch das Land Tirol dem Verband beitritt und wir unser Bestmögliches dafür zu tun, die Tirolerinnen und Tiroler im Unterinntal vor den Hochwassergefahren zu schützen“, betont LH Platter. Aufgabe des Wasserverbandes ist die Errichtung der schutzwasserbaulichen Maßnahmen sowie die Instandhaltung und Sanierung bereits bestehender sowie neu zu errichtender Hochwasserschutzbauten und Verbandsanlagen. Die Gründungsversammlung für den Wasserverband „Hochwasserschutz Unteres Unterinntal“ findet am 26. Februar an der BH Kufstein statt. LH Platter betont dazu: „Der weitreichende Hochwasserschutz braucht die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit.“

Weitere Beiträge und Links zum Hochwasserschutzverband im Unteren Unterinntal

Einen Beitrag zu Optimierungen der Pläne zum Wasserverband Unteres Unterinntal vom Februar 2018 finden Sie hier.
Diese Pläne wurden Ende März vorgelegt – den Beitrag finden Sie hier.
Für Kramsach wurde mit der Universität Innsbruck ein Modellversuch gestartet – hier geht's zum entsprechenden Beitrag.
Den Wasserverband konnte man bereits vor seiner Gründung online begutachten – hier der Beitrag dazu.
Wie weit der Stadt Wörgl das Thema Hochwasserschutz steht, können Sie hier nachlesen.
Alle Beiträge zum Thema Dammbau in Wörgl finden Sie hier.
Alle Beiträge zum Hochwasserschutz im Unteren Unterinntal finden Sie hier.
Die Website zum Hochwasserschutz Unteres Unterinntal finden Sie hier.

Von der Gefahrenzone zum Hochwasserschutz: 2.200 Gebäude und 160 Hektar wurden als Gefahrenzonen ausgewiesen und sollen durch Maßnahmen im Verband im Unteren Unterinntal hochwassersicher werden.

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