Freiheitliche Arbeitnehmerfraktion aufgelöst
Franz Ebster: "Kein Schachzug, sondern Überzeugung"

15 Jahre lang war Franz Ebster Kammerrat der Freiheitlichen Arbeitnehmer in der Tiroler AK. Nun trat er aus der FPÖ aus und gibt eine Wahlempfehlung für Erwin Zangerl ab.
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  • 15 Jahre lang war Franz Ebster Kammerrat der Freiheitlichen Arbeitnehmer in der Tiroler AK. Nun trat er aus der FPÖ aus und gibt eine Wahlempfehlung für Erwin Zangerl ab.
  • hochgeladen von Sebastian Noggler

Politischer Paukenschlag im Tiroler Arbeiterkammer-Wahlkampf: Die Fraktion Freiheitlicher Arbeitnehmer (FA) in der Tiroler AK, sie stellt derzeit noch vier Kammerräte, hat ihre Auflösung verkündet und unterstützt im Wahlkampf die Liste von AK-Präsident Erwin Zangerl (AAB/VP). Zwei Kitzbüheler Ex-Freiheitliche kandidieren auch auf Zangerls Liste. Der Ebbser Noch-Kammerrat Franz Ebster sprach mit den BEZIRKSBLÄTTERN über die Beweggründe zur Abkehr von der FPÖ.

BEZIRK (nos). Bis zur AK-Wahl Ende Jänner ist Franz Ebster noch Arbeiterkammerrat in der Tiroler AK für die Fraktion Freiheitlicher Arbeitnehmer. Schon im Mai des Vorjahres trat der Ebbser aus der FPÖ aus – aus Gewissensgründen, wie er gegenüber den BEZIRKSBLÄTTERN erklärt:

"Ich habe jahrelang als Fraktionsobmann gegen den 12-Stunden-Tag und gegen CETA gekämpft und plötzlich hätte ich dafür sein sollen? Ich hätte doch nicht mehr in den Spiegel schauen können! Ich bin Arbeitnehmervertreter, ich kann meine Überzeugung ja nicht wechseln wie die Socken."

Keine "soziale Heimatpartei"

Mit der Einführung des 12-Stunden-Tags ohne übliche parlamentarische Begutachtung durch die türkis-blaue Bundesregierung war für Ebster das Maß voll, der Punkt erreicht aus der FPÖ auszutreten:

"Man kann doch nicht hergehen, als 'soziale Heimatpartei' oder 'wahre Arbeiterpartei', und im Wahlkampf dagegen auftreten und dann einfach die Meinung um 180 Grad drehen, weil man in der Regierung ist. Bei Kurz hat man genau gewusst woran man ist, der hat vor der Nationalratswahl seine Forderungen gestellt. Aber Strache hat vor der Wahl ja genau das Gegenteil gesagt, beim 12-Stunden-Tag wie bei CETA! Dass hier ohne Begutachtungsfrist beschlossen wurde, das ist sehr ungewöhnlich, ein reines Drüberfahren."

Ebster: "Wir unterstützen die Liste von Erwin Zangerl, nicht die FCG oder den AAB"

15 Jahre lang war Ebster in der Tiroler Arbeiterkammer aktiv, die letzten fünf Jahre als Fraktionsobmann der Freiheitlichen Arbeitnehmer. Innerparteilichen Rückhalt habe er in dieser Zeit wenig gespürt, erzählt der Busfahrer: "Wir waren immer eine Vorfeldorganisation der Tiroler Freiheitlichen und haben uns für die Arbeitnehmer eingesetzt." In der Partei sei dies oft heftig kritisiert worden. Nun löste sich die Fraktion Freiheitlicher Arbeitnehmer in der Tiroler AK auf und gab gleichzeitig ihre Unterstützung für die Liste von AK-Präsident Erwin Zangerl bekannt: "Zangerl macht Arbeitnehmerpolitik, da spielen Parteifarben eigentlich wenig Rolle. Er hat sich immer für die Arbeitnehmerbelange eingesetzt. Das heißt nicht, dass ich die FCG (Fraktion christlicher Gewerkschafter) oder den AAB (Arbeiter- und Angestelltenbund, beide VP) unterstütze, sondern die Liste von Erwin Zangerl." 
Auch sei dies weder ein politischer Schachzug, noch eine Rachetat an der Freiheitlichen Partei, stellt Ebster klar: "Es geht hier schlicht und einfach um meine Überzeugungen als Arbeitnehmervertreter."

Zwei seiner FA-Mitstreiter kandidieren nun auf Zangerls Namensliste: Der frühere FA-Obmann und Landtagsabgeordnete Heribert Mariacher und Gerald Sturm, beide aus dem Bezirk Kitzbühel, treten Ende Jänner für das Team von Zangerl und den AAB-FCG an. Ebster scheidet hingegen aus der Arbeitnehmervertretung aus, er werde seine Freizeit künftig anders verbringen, als in der AK: "Mir geht es nicht um ein Mandat, sondern um vernünftige Politik für Arbeitnehmer! Leider ist vielen Leuten nicht bewusst, was in der AK so alles geschieht, wieviel hinter den Kulissen gearbeitet wird."

Durch Wahlbeteiligung die Arbeitnehmervertretung stärken

Für Ebster ist jedenfalls klar, es braucht eine starke AK und dafür möglichst viele Arbeitnehmer, die zur Wahl gehen:

"Eine hohe Wahlbeteiligung stärkt die Arbeiterkammer und damit die Arbeitnehmerrechte. Zangerl hat seinen Job als Präsident voll erfüllt, er kann da schon etwas ausrichten."

So habe er Hoffnung, dass sich die AK "gegen die Verschlechterungen ausspricht und die Kraft zusammenbringt hier als Vertretung der Arbeitnehmer entgegen zu wirken". "Aus Arbeitnehmersicht", so Ebster, "hat die Bundesregierung jedes Augenmaß vermissen lassen. Dass sie ein Arbeitstempo aufweist, das die Leute nicht gewöhnt sind, ist eh positiv, aber unter welchen Bedingungen, zu welchem Preis?"

Zur Tiroler AK-Wahl

Rund 260.000 Mitglieder entscheiden bei der Tiroler Arbeiterkammer-Wahl von 28. Jänner bis 7. Februar über die Zusammensetzung der aus 70 Kammerräten bestehenden Vollversammlung, rund 215.000  können ihre Stimme per Briefwahl abgeben. Die weiteren 45.000 Arbeitnehmer wählen in den Betrieben. Es stehen sieben Listen zur Wahl: "Präsident Erwin Zangerl – fcg-aab", "FSG / SPÖ – Die Roten in der AK Tirol – Team Dr. Stephan Bertel, FSG","Grüne in der AK Tirol/Unabhängige GewerkschafterInnen, Grüne – UG", "FPÖ – Die soziale Heimatpartei", "Kommunistische Gewerkschaftsinitiative – International KOMintern", "SOLI Tirol" und "Gewerkschaftliche Linke".

Mehr zum Thema Arbeiterkammer in Tirol finden Sie hier.

15 Jahre lang war Franz Ebster Kammerrat der Freiheitlichen Arbeitnehmer in der Tiroler AK. Nun trat er aus der FPÖ aus und gibt eine Wahlempfehlung für Erwin Zangerl ab.
"Als freiheitlicher Arbeitnehmervertreter kann ich bei solchen Entscheidungen der Bundesregierung doch nicht mehr in den Spiegel schauen, ich habe jahrelang gegen den 12-Stunden-Tag oder CETA gekämpft."

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