AK-Wahlen
FSG-Vorsitzender Bertel in Kundl: "Idealismus ist Stärke unserer Fraktion!"

Listenzweiter Bernhard Höfler und Stephan Bertel, FSG-Vorsitzender Tirol und Spitzenkandidat, gehen mit Zuversicht in die AK-Wahl.
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Die Spitzenvertreter der roten Gewerkschaft FSG sehen sich als "Underdog" in den AK-Wahlen und fordern im Zuge dieser eine Neuausrichtung der Arbeiterkammer.

KUNDL (bfl). Es heißt David gegen Goliath. Dies unterstrich Stephan Bertel, Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) Tirol und Spitzenkandidat für die AK-Wahl, im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN in Kundl am Donnerstag, den 17. Jänner. Gemeint ist die Gegenüberstellung zum AK-Wahl-Favoriten AAB-FCG, der Liste an deren Spitze der langjährige Tiroler Arbeiterkammer-Präsident Erwin Zangerl steht.
Nichtsdestotrotz geht Bertel gemeinsam mit dem AK-Vorstand und Listenzweiten Bernhard Höfler zuversichtlich in die Wahlen. Die beiden Listenersten fordern im Rahmen dieser eine Neuausrichtung der Arbeiterkammer. Diese soll in vielen Themenbereichen eine aktivere Rolle wahrnehmen.
Als eine große Stärke seiner Fraktion bezeichnet Bertel den Idealismus, den er und seine Mitstreiter an den Tag legten. Bei den letzten Wahlen kam die FSG auf 18,50 Prozent der Stimmen und 13 Mandatare, während es die AAB-FCG mit Erwin Zangerl auf knapp 64 Prozent schaffte. "Wir sind der Underdog", sagt Bertel, der sich für die Wahlen keine konkreten Ziele gesetzt hat. Er gehe aber davon aus, dass im Ergebnis "ein Plus davor steht".

Kernthemen Wohnen und Verkehr

Als Kernthemen präsentiert die FSG Wohnen, Verkehr, aber auch Kinderbetreuung. Vor allem beim Thema Wohnen sehen die roten Gewerkschafter Handlungsbedarf. Das kürzlich vorgestellte Maßnahmenpaket der schwarz/grünen Landesregierung begrüßen Bertel und Höfler. Besonders wichtig sei hier die Schaffung von Vorbehaltsflächen für den gemeinnützigen Wohnbau.
Um das Wohnen in Tirol leistbarer zu machen, soll sich die Arbeiterkammer aber auch zusätzlich aktiv einbringen. Die FSG regt hier die Zusammenarbeit mit Partnerbanken an, um zinsfreie Darlehen für den Wohnungskauf zu erwirken. Ein weiterer, radikaler Ansatz der FSG: Die Kosten für eine Wohnung darf maximal einen gewissen Prozentsatz des Einkommens betragen.
Ein Kernthema der FSG ist aber auch Verkehr. Für Pendler brauche man noch mehr Verbindungen, einen optimierten Fahrplan sowie mehr "Park&Ride"-Anlagen. "Da ist noch mehr Potenzial drinnen", zeigt sich Bertel überzeugt. "Ein Halbstundentakt aus dem Brixental bringt bis in den Bezirk Schwaz eine deutliche Verbesserung für die Beschäftigten“, so Bertel hinsichtlich der Taktung der Züge nach Wörgl und weiter. "Gut ausgebaute Öffis sind eine Grundvoraussetzung für den Umstieg auf ein öffentliches Verkehrsmittel“, ist für Bertel klar. Die Gewerkschafter fordern deswegen, dass Arbeiter gratis mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit gelangen können. Um dies zu finanzieren, müsse man Geld von anderen Töpfen nehmen und die Mittel verschieben, so Bertel.
Im Bereich Bildung und Digitalisierung will die FSG das Angebot an Bildungsmaßnahmen erhöhen und fordert mit dem Ausbildungsangebot in die Breite zu gehen. Darüber hinaus stellt die bevorstehende, massive Veränderung der Arbeitswelt die Sozialpartner vor große Herausforderungen, zeigen sich die beiden Listenersten überzeugt. Neben einer Erhaltung der Finanzierbarkeit der Sozialsysteme gelte es, die Länge der Arbeitszeit zu verringern.
Besonders wichtig sei in Tirol auch das Thema Kinderbetreuung. Während die Arbeitszeiten flexibel sind, sind die Betreuungszeiten festgelegt. Dem relativ flexiblen Arbeitsalltag von Arbeitnehmern, insbesondere jenen mit einer Sechzig-Stunden-Woche, stehen fixe Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen gegenüber. So gibt es in vielen Gemeinden keine Ganztageskinderbetreuung. Hier müsse man das Angebot ausbauen, vor allem in den Ferien, so Bertel.

Kritik an anderen Listen

Mit Kritik an AK-Präsident Erwin Zangerl sparten Bertel und Höfler im Gespräch in Kundl nicht. Als gewählte Institution verfüge die Arbeiterkammer nicht nur über große Akzeptanz in der Bevölkerung, sondern auch über eine gewichtige Stimme. Diese Stimme vermisst Bertel momentan bei Erwin Zangerl. "Der ÖAAB als Interessenvertretung für die Arbeitnehmer ist tot. Das ist eine PR-Abteilung der Kurz-ÖVP geworden", sagt Bertel.
"Es geht darum, wo man in fünf Jahren omnipräsent Geld verwendet", sagt Listenzweiter Bernhard Höfler. Er hinterfragt auch das gegenüber Medien genannte Wahlkampfbudget Zangerls von 250.000 Euro. "250.000 Euro wird sich von Kufstein bis Reutte nicht ausgehen", so Höfler, der die Richtigkeit der Zahl anzweifelt.
Harte Worte findet Höfler auch für andere Listen:

"Die Blauen haben überhaupt nichts in der Arbeiterkammer verloren. Auch diese Kandidaten die dort mit Vorstrafen und rechtsradikalen Aussetzern in der Vergangenheit aufgefallen sind, die sind für mich schizophrene Hydranten."

Kritik übt er auch an Helmut Deutinger, dem Sprecher der Grünen in der AK. Dieser hatte ein Wahlmittel der FSG kritisiert – nämlich den Lippenbalsam der roten Gewerkschafter, der mit dem Slogan "Rot küsst besser" wirbt. Wenn Deutinger nur mit dieser Wortmeldung auffalle, dann würde er sich die Frage stellen, ob die Kammer die richtige Institution für die Grünen sei.
"Die Einzigen, die also wirklich Flagge bekennen und für die Arbeitnehmer einstehen sind wir von der Liste 2", sagt Bertel. "Wir sind die einzige Liste, die nur Betriebsräte und Personalvertreter auf der Liste hat", so Höfler. Mit 139 Gelisteten stellt die FSG die größte Liste, wobei sich laut Höfler zugleich die höchste Anzahl an Betriebsratsvorsitzenden auf dieser findet.

Neujahrsempfang in Kundl

Gleichzeitig luden SPÖ und FSG am Donnerstag auch zum Neujahrstreffen in den Gasthof Möslbichl in Kundl. Stephan Bertel und SP-Nationalrat Christian Kovacevic begrüßten zahlreiche Gäste, unter anderem auch ÖGB-Landessekretär Benjamin Praxmarer. Insgesamt folgten über fünfzig Funktionäre und Sympathisanten der Einladung und stimmten sich auf die bevorstehende AK-Wahl ein. "Der Neujahrsempfang ist für mich eine tolle Möglichkeit, mit den Betriebsräten über aktuelle Themen zu diskutieren und mich für deren Einsatz im Sinne der sozialdemokratischen Gewerkschaftsbewegung zu bedanken“, so Bertel.

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