Gesundheitswesen weiterentwickeln trotz Ausgabendeckelung

Hauptverbands-Chef Biach, die Landesräte und Kärntens LH-Stvin.
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ALPBACH (ots/red). Mit dem gemeinsamen Projekt von Bund, Ländern und Sozialversicherung sei es gelungen, die Fragmentierung der Zuständigkeiten und Kompetenzen im Gesundheitsbereich zu überwinden, zogen im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz beim Europäischen Forum Alpbach (EFA) Hauptverbandsvorsitzender Alexander Biach, die Gesundheitslandesräte Christopher Drexler (Steiermark), Peter Hacker (Wien) und Bernhard Tilg (Tirol) sowie die Kärntner Landeshauptmann-Stellvertreterin Beate Prettner eine Zwischenbilanz der "Gesundheitsreform".

„Im Jahr 2013 betraten Bund, Länder und Sozialversicherung Neuland und haben viele Schnittstellen geschlossen: Seither wird gemeinsam vernünftig und effizient für ganz Österreich geplant, gesteuert und finanziert. Mit einem neuen Governancemodell samt gemeinsamer Strategie und Ausgabendämpfungwurde eine wertschätzende und vertrauensvolle Kultur des Dialoges geschaffen. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen“, sagte Alexander Biach, Vorsitzender im Verbandsvorstand der österreichischen Sozialversicherungsträger, „Eine so transparente und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung könnte Vorbildfunktion auch für andere Politikbereiche haben.“
Die Reform wirke und bringe zahlreiche konkrete Verbesserungen: von der Senkung der Krankenhaushäufigkeit bis zu einer Erhöhung des Anteils der sechsjährigen Kinder mit kariesfreiem Gebiss, so der Tenor.

Für den Wiener Peter Hacker ist die Gesundheitsreform für die Bevölkerung von großer Bedeutung: „Wir haben hierzu eine seit mehreren Jahren gültige Vereinbarung zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung, an die sich alle Beteiligten zu halten haben. Dringend notwendig ist eine Weiterentwicklung nach dem Prinzip der Finanzierung aus einem Topf, im Sinne einer gemeinsamen Steuerung und abgestimmten Entwicklung für die Spitäler und den niedergelassenen Bereich.“
Der steirische Gesundheitslandesrat Christopher Drexler betont: „Die steirischen Reformvorhaben verfolgen das ambitionierte Ziel, dass die Steirerinnen und Steirer gesünder sein und länger leben sollen, als der Rest der Welt. Dazu müssen wir eine Neuordnung des Gesundheitssystems in Angriff nehmen, um die bestmögliche Versorgung sicherstellen zu können. Die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Sozialversicherung unter dem Dach der Zielsteuerung ist der entscheidende Unterbau, um das moderne Gesundheitssystem der Zukunft auf den Weg zu bringen.“
Auch der Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg betonte das gute Miteinander: „Mit der 15a Vereinbarung zur Zielsteuerung-Gesundheit hat Österreich im Jahr 2017 einen sehr wichtigen Schritt gesetzt, um das Gesundheitswesen zu reformieren und weiter zu entwickeln. In Tirol hat die Landeszielsteuerungskommission in der Zwischenzeit 49 konkrete Maßnahmen in die operative Umsetzung gebracht. Das gute Miteinander von Land Tirol, Tiroler Gemeindeverband, Tiroler Gebietskrankenkasse und weiteren Sozialversicherungsträgern ist jene Basis, welche eine nachhaltige Weiterentwicklung des Gesundheitswesens unter Einhaltung der vereinbarten Ausgabenobergrenzen ermöglicht.“
Kärntnens Landeshauptmann-Stellvertreterin Beate Prettner: „Wenn alle Finanziers des Gesundheitssystems koordiniert agieren, ergibt das ein geballtes Knowhow und dieses Knowhow ermöglicht einen gezielten und effizienten Einsatz von Geldmitteln.“

75 Primärversorgungseinheiten bis 2021

Eine "Innovation im Versorgungsbereich" seien die "Primärversorgungseinheiten", von denen bereits sieben in Betrieb sind. Bis 2021 sollen gemäß Zielsteuerungsvertrag mindestens 75 solcher Einheiten geschaffen werden. Für diese Projekte wurden von Bund, Ländern und Sozialversicherung gemeinsam 200 Millionen Euro beiseite gelegt.
Als nächster Schwerpunkt seien Facharztzentren in Planung. Ziel sei die Zusammenarbeit zwischen Medizinern unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam mit anderen Gesundheitsdiensteanbietern unter einem Dach. Patienten sollen von einer umfassenden Versorgung und von längeren Öffnungszeiten profitieren. Für die Ärzte und Dienstleister ergäbe sich durch die Arbeitsteilung eine verbesserte Work-Life-Balance.

"Ausgaben im Griff"

Die Projekte zum Leistungsausbau und zur Versorgungsverbesserung seien gelungen, während gleichzeitig die Kostensteigerung gedämpft werden konnte, so die Gesundheitsexperten. Zwischen 1990 und 2013 seien die Gesundheitsausgaben – ohne Langzeitpflege – durchschnittlich um 5,2 Prozent pro Jahr gestiegen, im Dialog der Zielsteuerungspartner konnte eine Einigung auf eine Ausgabenobergrenze erzielt werden. Dazu Biach: „Die Kosten im Auge zu behalten ist wichtig, um die Finanzierbarkeit der Gesundheitsversorgung langfristig sicherzustellen. Wir haben es aber geschafft, nicht nur die Ausgabensteigerungen in den Griff zu bekommen, sondern gleichzeitig auch noch die Versorgungsleistung für alle Versicherten auszubauen. Wir investieren mehr in den Gesundheitsbereich, aber zielgesteuert und im gemeinsamen Einvernehmen. Die bisherigen Ergebnisse sind hervorragend. Bereits seit 2012 liegen die tatsächlichen Ausgaben von Sozialversicherung und Ländern sogar konstant unter der vereinbarten Obergrenze. Mit erfolgreicher Reformarbeit muss unser Gesundheitssystem weiter in Fahrt bleiben und die Bedürfnisse der Österreicher in den Mittelpunkt stellen. Gemeinsam statt gegeneinander – die Gesundheitsreform kann anderen Politikbereichen als Vorbild dienen.“

Elektronischer Impfpass

Die Gesundheitsreform bleibe nicht stehen, wie die Experten betonten. Im Zielsteuerungsvertrag bis 2021 sind für die nächsten Jahre zahlreiche Maßnahmen vorgesehen, die durch die Zielsteuerungspartner gemeinsam umgesetzt werden: vom Aufbau weiterer Versorgungsstrukturen – Stichwort Facharztzentren – über die bundesweite telefonische Gesundheitsberatung (Tel 1450) bis zur gezielten Förderung der Gesundheitskompetenz. Durch die Einführung eines elektronischen Impfpasses soll die derzeit zu niedrige Durchimpfungsrate gegen Masern, Mumps und Röteln erhöht und so ein Beitrag zur optimalen Versorgung von Kindern und Jugendlichen geleistet werden. "Mit diesen und einer Vielzahl weiterer Maßnahmen halten wir unser Gesundheitssystem zukunftsfit", meinen die Partner.

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