Alles unbebaut
Im Bezirk schlummern 4,8 Millionen m² gewidmetes Bauland

"Die Volkspartei behauptet immer wieder, die vorhandenen Baulandreserven seien nicht attraktiv, aber das stimmt nicht, weder für Tirol, noch für den Bezirk Kufstein", sagt LA Markus Sint: "Wir haben seit Generationen genügend gewidmetes Bauland, aber die VP weigert sich, das zu mobilisieren!"
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  • "Die Volkspartei behauptet immer wieder, die vorhandenen Baulandreserven seien nicht attraktiv, aber das stimmt nicht, weder für Tirol, noch für den Bezirk Kufstein", sagt LA Markus Sint: "Wir haben seit Generationen genügend gewidmetes Bauland, aber die VP weigert sich, das zu mobilisieren!"
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Im Bezirk Kufstein schlummern rund 4,8 Millionen Quadratmeter unbebauten, aber gewidmeten Baulands, das geht aus einer Erhebung der "Liste Fritz" hervor. In über der Hälfte der 30 Gemeinden im Bezirk lägen jeweils mehr als 100.000 Quadratmeter Bauland brach, meint LA Markus Sint.

BEZIRK KUFSTEIN (nos). "Zuerst müssen wir an die Reserven gehen, bevor neuer Grund versiegelt wird", meint "Liste Fritz"-LA Markus Sint, "jeden Quadratmeter, den wir aus dem gewidmeten Bauland mobilisieren, müssen wir weniger widmen!"

Um leistbares Wohnen, besonders durch Gemeinnützigen Wohnbau, zu ermöglichen braucht es zu aller erst günstige Baugrundstücke. Damit für Projekte weniger Grünflächen umgewidmet werden, fordert die "Liste Fritz" zuerst auf die bereits als Bauland gewidmeten Flächen zurück zu greifen, denn davon wäre noch einiges an Reserven vorhanden, so Sint. "Die Volkspartei behauptet immer wieder, die vorhandenen Baulandreserven seien nicht attraktiv, aber das stimmt nicht, weder für Tirol, noch für den Bezirk Kufstein", sagt Sint: "Wir haben seit Generationen genügend gewidmetes Bauland, aber die VP weigert sich, das zu mobilisieren!"
Keine sieben Prozent der Landesfläche Tirols eigenen sich als Dauersiedlungsraum, rund 12,4 Prozent sind "besiedelbar". Die Flächen sind also beschränkt. "Das heißt nicht, dass wir morgen voll sind, aber der Grund ist nicht beliebig vermehrbar", führt der "Liste Fritz"-LA aus.

Um sich einen genauen Überblick über die Baulandreserven im Land zu machen, habe die "Liste Fritz" versucht diese Zahlen vom Land zu bekommen, erzählt Sint, das sei aber nicht gelungen. Über das Tiroler Rauminformationsservice ("tiris") konnten die Daten aber selbst ausgehoben werden. Allein für den Bezirk Kufstein ergab die Auflistung rund 4,8 Millionen bereits gewidmeter, aber unbebauter Bauland-Quadratmeter. Die größten Reserven werden dabei in Wörgl gehortet: 583.000 Quadratmeter Bauland schlummern dort noch unbebaut vor sich hin.

TROG mit "Schönheitsfehler"

Damit das Ziel erreicht werden könne, also leistbaren Grund und Boden für leistbares Wohnen zur Verfügung zu stellen, will die "Liste Fritz" 10 Prozent der Baulandreserven als Vorbehaltsflächen für geförderten Wohnbau ausgewiesen sehen. Im neu überarbeiteten Tiroler Raumordnungsgesetz (TROG) sieht Sint einen Schönheitsfehler: "Im neuen TROG gibt es zwar einen Passus zum Mindestausmaß von Vorbehaltsflächen, aber keine Festlegung dazu. Wir wollen hier eine Ergänzung einbringen und einen Prozentwert festlegen, ich bin überzeugt, das bringt uns in der Sache weiter", erklärt LA Sint. Die Zehn-Prozent-Regel mache aus seiner Sicht Sinn, weil dadurch eine Verhältnismäßigkeit gegeben sei. Zudem sei dieses Ausmaß auch für die Gemeinden stemmbar, die parallel zur Mobilisierung Infrastruktur wie Kanalanschlüsse und Straßen, aber auch zusätzliche Plätze in Kindergärten und Altenwohnheimen mit einplanen, finanzieren und errichten müssten. "Das muss Hand in Hand gehen", weiß Sint. 

"Das steht seit 25 Jahren im Gesetz!"

Seit 1994, so Sint, gibt es das Instrument der "Vorbehaltsflächen"-Widmung, der Kann-Passus werde aber nur von 60 der 279 Tiroler Gemeinden derzeit angewandt. "Die Regeln und Gesetze sind alle schon vorhanden, wir könnten das tun", meint Sint, der darin "ein spannendes Instrument" sieht, das "seit 25 Jahren im Gesetz steht".

Im ursprünglichen Ansatz, der Vorschreibung durch das Land, würden bei Umwidmungen Baulandanteile "abgezwackt", um sie zu günstigeren Preisen für gemeindeeigene Projekte, den Bodenfonds, Gemeinnützige Wohnbaugesellschaften, oder sonst auch Privaten zur Verfügung zu stellen. Wird binnen 10 Jahren dort nicht gebaut, wird zurückgewidmet.

Dass dieses Instrument nicht öfter oder stärker zum Einsatz kommt, sieht Sint im fehlenden Willen der VP und im fehlenden Interesse der Grünen begründet. Der Landesregierung fehle "Mut und Wille", meint Sint.

Enteignung? "Eingriff wird zur Pflicht"

"Mit dem Rücken zur Wand geht im Verkehr plötzlich viel, was vorher nicht machbar gewesen ist", sagt Sint, "beim Wohnen steuern wir auf die selbe Situation hin." Dem Gegenargument einer Enteignungspolitik tritt Sint vehement entgegen: "Es ist ein Eingriff ins Eigentum, wie auch bei der Vertragsraumordnung. Aber es geht um ein höheres Ziel, nämlich leistbares Wohnen, da wird sein solches Eingreifen zur Pflicht."

16 Gemeinden im Bezirk haben über 100.000 m² gewidmeten Baulands "übrig"

  1. Wörgl – 583.000 m²
  2. Kufstein – 388.000 m²
  3. Kramsach – 369.000 m²
  4. Kirchbichl – 367.000 m²
  5. Kundl – 351.000 m²
  6. Breitenbach – 258.000 m²
  7. Wildschönau – 214.000 m²
  8. Langkampfen – 209.000 m²
  9. Walchsee – 186.000 m²
  10. Ebbs – 167.000 m²
  11. Söll – 162.000 m²
  12. Ellmau – 157.000 m²
  13. Radfeld – 150.000 m²
  14. Angerberg – 141.000 m²
  15. Niederndorf – 122.000 m²
  16. Bad Häring – 118.000 m²

In 16 der 30 Gemeinden im Bezirk Kufstein stehen, so Sint, aktuell über 100.000 m² gewidmeten Baulands zur Verfügung, die bislang noch nicht bebaut seien. In Wörgl gäbe es sogar über 500.000 m² Bauland-Reserven, weitere vier Gemeinden – Kufstein, Kramsach, Kirchbichl und Kundl – haben über 350.000 m² unbebaut im Gemeindegebiet liegen. In fünf Gemeinden  – Rettenschöss, Mariastein, Erl, Niederndorferberg und Rattenberg – ist die Reserve kleiner als 50.000 m², wie die Zahlen, die die "Liste Fritz" aus dem "tiris" holte, zeigen.

Die Reserven im Landesvergleich

Landesweit, so Sint, gäbe es in Tirol 36.000.000 m² an Baulandreserven, was theoretisch Platz für 360.000 zusätzliche Einwohner ergäbe, meint die "Liste Fritz". Eine verdichtete Bauweise sei dabei noch nicht einmal berücksichtigt.
Die Stadt Innsbruck habe die größten gewidmeten Reserven im Petto, 1,18 Millionen m² gewidmeten Baulands, dahinter folgen Reutte, Telfs, Imst und Wörgl.

Nach Arzl im Pitztal (402 m²) hat Rattenberg (1.445 m²) die zweitniedrigsten Reserven in Tirol, auf Platz 8 der Gemeinden mit den wenigsten Reserven findet sich Niederndorferberg (9.111 m²).

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Alle Beiträge zum Thema "Leistbares Wohnen" in Tirol finden Sie hier.
Alle Beiträge zum Thema Wohnbauförderung in Tirol finden Sie hier.

Autor:

Sebastian Noggler aus Kufstein

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