Ranking: Die Gemeindefinanzen im Blick

Von den 30 Gemeinden im Bezirk Kufstein bilanzierten 56 Prozent (17 Gemeinden) im Jahr 2014 positiv.
2Bilder
  • Von den 30 Gemeinden im Bezirk Kufstein bilanzierten 56 Prozent (17 Gemeinden) im Jahr 2014 positiv.
  • Foto: mev.de
  • hochgeladen von Sebastian Noggler

Nicht nur kurz vor der Gemeinderatswahl am 28. Februar lohnt es sich, hier einen Blick drauf zu werfen: Unter www.gemeindefinanzen.at können Bürger die Finanzen ihrer Gemeinde und deren Entwicklung zwischen 2009 und 2014 nachvollziehen. Sauber aufgeschlüsselt nach Budgetgruppen (0-9) und übersichtlich grafisch aufbereitet, lassen sich so nicht nur die Gelder im Auge behalten, Nutzer können auch einzelne Gemeinden miteinander vergleichen. Die Datensätze dazu stammen von der Statistik Austria, die Website betreibt der Österreichische Gemeindebund.

13 von 30 Gemeinden mit mehr Ausgaben als Einnahmen

56 Prozent der Gemeinden im Bezirk Kufstein bilanzierten 2014 positiv, dreizehn gaben mehr aus, als sie einnehmen konnten. In Breitenbach klaffte dabei mit rund 290.000 "fehlenden" Euro die größte negative Spanne der monetären Schere, während Langkampfen mit 1,03 Millionen Euro "Gewinn" im Jahr 2014 bilanzierte.

Regel und Ausnahmen

Vergleicht man die Ausgaben für die zehn Haushaltsgruppen in den Gemeindebudgets, so ist es nicht verwunderlich, dass in acht von zehn Fällen die Bezirkshauptstadt mit Abstand am meisten dafür in die Hand nehmen muss. Mit knapp unter 20.000 Einwohnern und viel zu betreuender Infrastruktur sind hier die meisten finanziellen Aufwendungen zu leisten. Nur für die Posten 6 (Straßen- und Wasserbau) und 7 (Wirtschaftsförderung) gibt Kufstein weniger aus als eine andere Gemeinde im Bezirk – Wörgl. 4,49 Millionen Euro (Ku: 2,51) steckten die Wörgler 2014 in Straßen- und Wasserbau, zudem 1,22 Millionen (Ku: 1,01) in die Wirtschaftsförderung der Stadt. Bei den Ausgaben für die Gruppe 1, Öffentliche Ordnung und Sicherheit, nahm nur Söll mit 1,05 Millionen im Jahr 2014 so viel Geld in die Hand wie die Festungsstadt.
So ist es auch nicht überraschend, dass die auf Einwohner bezogen kleinste Gemeinde auch in sechs von zehn Posten die geringsten Ausgaben vorweisen kann. In der Haushaltsgruppe 2," Unterricht, Erziehung, Sport und Wissenschaft", investierte aber Rattenberg mit 110.000 Euro im Jahr 2014 am wenigsten, für "Kunst, Kultur und Kultus" (3) gab Rettenschöß im Bezirk mit 14.101 Euro die kleinste Summe aus, die Wirtschaftsförderung (7) fiel mit 2.581 ausbezahlten Euro in Angath am bescheidensten aus und für die Finanzwirtschaft hatte die Gemeinde Niederndorferberg mit 24.194 Euro am wenigsten übrig.

Insgesamt zehn Milionen Plus

Summiert man alle 30 Gemeindebudgets im Bezirk, so nahmen die Gemeinden im Jahr 2014 zusammen 270 Millionen Euro ein, davon 91,55 Millionen Euro aus Ertragsanteilen und 52,89 Millionen Euro eigene Steuern, und gaben rund 260 Millionen Euro aus. Mit 69,64 Milionen Euro schlagen bezirksweit Dienstleistungen zu Buche, die sich die Gemeinden leisten müssen, tirolweit waren das sogar rund 650 Millionen Euro.
8.972.000 Euro gingen im Bezirk auf dem Finanzmarkt verloren. Die Gemeinden nahmen gemeinsam 15,3 Millionen Euro aus Finanztransaktionen ein, gaben aber 24,3 Millionen Euro dafür aus.

Auffälligkeiten der Gemeinden

Alpbach musste 2014 1,42 Millionen Euro für Dienstleistungen bezahlen. In den Jahren zuvor waren es immer rund 1,1 Millionen.
Angath musste 2013 satte 0,93 Millionen für Dienstleistungen hinblättern, im Folgejahr waren es nur mehr 0,33 Millionen.
Angerberg investiert in Straßen, Wasserbau und Verkehr. Das Budget hierfür stieg von 2010 mit 240.000 Euro auf 930.000 Euro im Jahr 2014 stetig an.
Bad Häring steckte 2011 2,93 Millionen Euro ins Schulbudget, 2014 waren es 1,67 Millionen Euro – beinahe so viel wie die Gemeinde für Dienstleistungen ausgibt (1,75 Millionen Euro).
Brandenberg muss seit 2011 für "Soziale Wohlfahrt" (700.000 Euro) tiefer ins Gemeindebudget greifen, als für die in Anspruch genommenen Dienstleistungen (600.000 Euro).
Breitenbachs Ausgaben für Dienstleistungen haben sich nach dem Fünfjahreshoch des Jahres 2013 (1,74 Mio) auf einem Niveau von 1,38 Millionen Euro eingependelt und bleiben der mit Abstand größte Posten.
Brixlegg gab mit 2,52 Millionen Euro auch im Jahr 2014 zum dritten Mal in Folge am meisten für "Soziale Wohfahrt" aus.
Ebbs greift bei Dienstleistungen tief in die Tasche. 3,34 Millionen musste man 2014 dafür bezahlen, um eine Million mehr als für den Straßenbau.
Ellmau legt mit 2,8 Millionen Euro für Dienstleistungen um beinahe zwei Millionen Euro mehr auf den Tisch als für den zweitgrößten Posten, das Schulbudget.
Erls Dienstleistungkosten betrugen 2011 und 2012 jeweils knapp 1,2 Millionen Euro, 2014 waren es noch 0,71 Millionen. Das Unterrichtsbudget hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt.
Kirchbichls Schulneubau hatte 2011 grobe Auswirkungen auf das Gemeindebudget, seitdem machen wieder die Dienstleistungen mit 3,07 Millionen Euro den größten Haushaltsposten aus.
Kramsach reduzierte die Dienstleistungskosten seit 2009 (3,92 Mio) um beinahe die Hälfte auf heute 1,92 Millionen Euro. Für Unterricht (2,21 Mio) und "Soziale Wohlfahrt" (3,27 Mio) greift die Gemeinde tiefer in die Tasche.
Kufstein sieht seit 2011 seine Dienstleistungsausgaben stetig ansteigen, von damals 13,55 Millionen Euro auf 18,69 Millionen im Jahr 2014. Damit ist dieser Posten mit weitem Abstand der größte im Budget: Zehn Millionen Euro "schwerer" als der nächsthöchste, die Bildung mit 8,8 Millionen Euro.
Kundl reduzierte seine Dienstleistungskosten aus dem "Spitzenjahr" 2013, als man beinahe sieben Millionen Euro ausgeben musste, auf 4,77 Millionen im Jahr 2014.
Langkampfens Unterrichtsbudget kletterte von 850.000 Euro im Jahr 2010 auf 3,51 Millionen im jahr 2013. Mit Abschluss des Schulneubaus nahm die Gemeinde 2014 nochmals 2,56 Millionen Euro dafür in die Hand.
Mariastein musste 2013 mit einer relativen Kostenexplosion in der Verwaltung fertig werden. Von 91.000 Euro im Jahr 2011 schnellten diese auf 570.000 Euro im Jahr 2013. 2014 konnten sie auf 130.000 Euro verringert werden.
Münster fettete seinen Unterrichtshaushalt auf, von 1,1 Millionen im Jahr 2013 auf 2,4 Millionen im Folgejahr.
Niederndorf veranschlagte nach drei Jahren mit insgesamt rund 8,8 Millionen Euro Ausgaben 2014 wieder ein Unterrichtsbudget auf "Normalhöhe" von 800.000 Euro.
Niederndorferberg muss nicht zuletzt aufgrund seiner Gliederung besonders in Straßenbau investieren, dennoch verdreifachte sich seit 2011 auch das Unterrichtsbudget.
Radfeld verringerte die Ausgaben für Dienstleistungen im Jahr 2014 um 300.000 Euro auf 1,5 Millionen.
Rattenberg konnte die Ausgaben für Dienstleistungen von 2010 bis 2013 mehr als halbieren, gab 2014 dann knapp 600.000 Euro dafür aus.
Reith gibt für "Soziale Wohlfahrt" gleich viel aus wie für Dienstleistungen: 1,27 Millionen Euro.
Rettenschöss muss für Straßenbau und Verwaltung knapp die Hälfte seines gesamten Gemeindebudgets auf den Tisch legen.
Scheffau schwankte bei den Dienstleistungskosten in den vergangenen fünf Jahren zwischen 800.000 Euro und 1,2 Millionen, 2014 waren es 1,03 Millionen Euro.
Auch Schwoich muss vorallem für Dienstleistungen bezahlen: 1,09 Millionen Euro.
Söll musste 2014 um 1,2 Millionen Euro mehr für Dienstleistungen bezahlen, als 2013. Auch das Straßenbaubudget stieg in den vergangenen Jahren stetig – von 2012 auf 2014 um knapp zwei Millionen Euro.
Thiersee gab 2013 beinahe drei Millionen Euro für Dienstleistungen aus, 2014 waren es noch 2,23 Millionen.
Walchsee reduzierte die Verwaltungskosten von 2009 bis 2014 um satte 1,21 Millionen Euro von 1,62 Millionen auf 410.000 Euro.
Wildschönau hat drei große Haushaltsgruppen im Budget zu bedienen: 1,95 Millionen für "Soziale Wohlfahrt", 1,81 Millionen für Dienstleistungen und 1,47 Millionen Euro für Unterricht und Schulen.
Wörgl gab 2014 7,83 Millionen Euro für Dienstleistungen aus, 5,69 Millionen Euro für Schulen. 4,49 Millionen gingen in den drittgrößten Posten, den Straßen- und Wasserba. 2013 wurden dafür sogar schwindelerregende 17,34 Millionen Euro verwendet. Gab die Stadt 2011 noch 500.000 Euro für Schutzwasserbauten aus, waren es 2014 nur knapp unter 50.000 Euro.

Von den 30 Gemeinden im Bezirk Kufstein bilanzierten 56 Prozent (17 Gemeinden) im Jahr 2014 positiv.
Einen ungeschönten Blick in die Gemeindekassen können Interessierte auf www.gemeindefinanzen.at riskieren.
Autor:

Sebastian Noggler aus Kufstein

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Newsletter Anmeldung!

Du willst Infos, Veranstaltungen und Gewinnspiele aus deiner Umgebung?

Dann melde dich jetzt für den kostenlosen Newsletter aus deiner Region an!

ANMELDEN

Newsletter Anmeldung!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.