Kaisertal
Stadt Kufstein will Forstbetrieb zurückholen und "herunterfahren"

In Kufstein wurde Kritik am Forstbetrieb der Stadtwerke im Kaisertal laut. Nun meldete sich Bgm. Martin Krumschnabel zu Wort: Bereits seit dem Frühjahr 2019 plane er Schritte in Richtung einer völligen Außernutzung-Stellung des gesamten Kaisertales.
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  • In Kufstein wurde Kritik am Forstbetrieb der Stadtwerke im Kaisertal laut. Nun meldete sich Bgm. Martin Krumschnabel zu Wort: Bereits seit dem Frühjahr 2019 plane er Schritte in Richtung einer völligen Außernutzung-Stellung des gesamten Kaisertales.
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Kufsteins Bürgermeister widerspricht "grüner" Kritik zur Forstbewirtschaftung des Kaisertals durch die Stadtwerke. Krumschnabel offenbart gleichzeitig Pläne für Rückführung des Forstbetriebes an die Stadt sowie "Außernutzung-Stellung" – damit beabsichtigt er, den Forstbetrieb zurückzufahren und den Wald "in die Natur" zu entlassen. 

KUFSTEIN (bfl). Wie "sehr" der Wald in Kufstein bewirtschaftet wird und ob diese Bewirtschaftung denn zielführend und rechtens ist, das wurde kürzlich in der Festungsstadt zur Debatte. So bemängelten unter anderem Vertreter des Offenen Grünen Forums (OGF) Kufstein die vermeintlich "höhere" Bewirtschaftung des Waldes im Kaisertal, seitdem die Stadtgemeinde Kufstein den Forstbetrieb im Jahr 2016 an die Stadtwerke GmbH auslagerte. Die Stadtwerke widersprechen den Vorwürfen, während Bgm. Martin Krumschnabel als Reaktion darauf die bereits geplante Rückholung des Forstbetriebs zur Stadt und eine mögliche "Außernutzung-Stellung" ankündigte. 

Auslagerung 2016 mit Ziel: "schwarze Zahlen"

Die Bewirtschaftung der Wälder ist dabei beinahe "naturgemäß" mit finanziellen Verlusten verbunden. Die Stadt Kufstein verpachtete im Jahr 2016 deswegen ihren Forst der eigenen "Tochter", um Kosten einzusparen, und lagerte dabei auch die Mitarbeiter der Forstabteilung aus. Ziel der Stadtwerke sei es gewesen über fünf Jahre hin den Forstbetrieb im operativen Bereich "in" schwarze Zahlen zu führen. Nun wurde aber Kritik an der Auslagerung laut. Zu viele Fahrten, zu viele neue Forststraßen würden ins Naturschutzgebiet im Kaisertal geführt. Um die jährlichen wirtschaftlichen Verluste auszugleichen, würden die Stadtwerke die Bewirtschaftung des Waldes zu sehr vorantreiben, lautete also – salopp gesagt – der Vorwurf. 

Grüne fordern Prüfung

Man hätte den Beschluss damals im Gemeinderat zwar mitgetragen, wolle jetzt aber diese Entscheidung auf den Prüfstand stellen, urteilten auch die Kufsteiner Grünen in einer Aussendung. „Für eine naturschutzkonforme Bewirtschaftung des unter Schutz gestellten Kaisertals, kann nicht nur das Gesetz den Rahmen vorgeben, sondern wir haben als Stadt Kufstein auch eine moralische Verpflichtung unseren Naturräumen gegenüber“, sagt Victoria da Costa (OGF). Die Stadtwerke müssten sich hier erklären und darlegen, wie sie den "forstwirtschaftlichen Nutzungsdruck" im Kaisertal reduzieren wollen. Es sei die Aufgabe der Stadtpolitik zu prüfen, ob der Forst wieder in die Stadtverwaltung geholt werden muss, um das Kaisertal und damit auch einen wichtigen Naturraum in seiner Ursprünglichkeit erhalten zu können. 

„Für eine naturschutzkonforme Bewirtschaftung des unter Schutz gestellten Kaisertals, kann nicht nur das Gesetz den Rahmen vorgeben, sondern wir haben als Stadt Kufstein auch eine moralische Verpflichtung unseren Naturräumen gegenüber“, sagt Victoria da Costa (Offenes Grünes Forum Kufstein).
  • „Für eine naturschutzkonforme Bewirtschaftung des unter Schutz gestellten Kaisertals, kann nicht nur das Gesetz den Rahmen vorgeben, sondern wir haben als Stadt Kufstein auch eine moralische Verpflichtung unseren Naturräumen gegenüber“, sagt Victoria da Costa (Offenes Grünes Forum Kufstein).
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Atzl: Noch weit unter der "erlaubten" Ernte

Den Vorwürfen widersprachen sowohl Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Atzl, als auch Kufsteins Bgm. Martin Krumschnabel. Man entnehme mehr als vorher, allerdings liege man noch weit unter der "erlaubten" Ernte, räumt Atzl ein und belegt das mit Zahlen: Die Stadt Kufstein entnahm von 2009 (ein Jahr nach der Tunneleröffnung 2008) bis 2016 durchschnittlich jährlich 900 Erntefestmeter. Von 2016 bis 2020 entnahmen die Stadtwerke durchschnittlich 1.400 Erntefestmeter pro Jahr. Vorgesehen wären laut dem sogenannten "Waldwirtschaftsoperat", das mit der Bezirksforstinspektion 2016 erstellt wurde, sogar maximal 2.800 Erntefestmeter, die jährlich entnommen werden könnten. Diese Vorgabe ist für zwanzig Jahre gültig.

Markus Atzl kann sich den Ursprung der Vorwürfe rund um die Forstbewirtschaftung durch die Stadtwerke nicht ganz erklären – diese seien "aus der Luft gegriffen".
  • Markus Atzl kann sich den Ursprung der Vorwürfe rund um die Forstbewirtschaftung durch die Stadtwerke nicht ganz erklären – diese seien "aus der Luft gegriffen".
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Krumschnabel: Sogar weniger Wege und Fahrten

Eine Steigerung der Fahrten sei nicht gegeben, da bereits vor einigen Jahren die Tonnage verdoppelt wurde, womit sogar eine deutliche Reduzierung der Fahrten erreicht werden konnte, erklärte Bgm. Krumschnabel. Auch der Straßenbau im Kaisertal habe nicht zugenommen, sondern massiv abgenommen. "Wurde nach der Errichtung des Kaisertaltunnels von 2009 bis 2016 1,8 km Wege gebaut und 8 km umgebaut, sind es seit der Verpachtung an die Stadtwerke Kufstein lediglich vierzig Meter neue Wege und 600 Meter umgebaute Wege geworden", hält Krumschnabel fest. 
"Geplant wäre derzeit noch ein Weg oberhalb der Hechleitalm: der sogenannte Ledererweg", erklärt indes Stadtwerke-GF Atzl. Mit einer Länge von knapp unter 1.000 Metern soll dieser, abzweigend von dem Sonnseitweg Richtung Ritzau-Alm, zur Erschließung der Hänge Richtung Vorderkaiserfelden führen. Dort will man Fichten-Monokulturen bearbeiten und den Wald dort – wegen des Klimawandels – in einen Mischwald umbauen. Wichtig sei dies auch für die Hofingerquelle, da sich dadurch eine bessere Filterwirkung durch die Bäume einstelle, so Atzl. 

Außernutzung-Stellung soll kommen

Bürgermeister Martin Krumschnabel offenbarte auch bereits seit 2019 vorliegende Pläne für eine völlige Außernutzung-Stellung des gesamten Kaisertales. Damit würde man den Wald dort sozusagen sich selbst überlassen. Die Vorbereitungen dazu könnten allerdings zwanzig bis vierzig Jahre dauern, Markus Oberbichler, Förster der Stadtwerke Kufstein – wenn der Wald denn dafür überhaupt vorbereitet wird.
Ein Teil der Kufsteiner Wälder im Kaisertal wird seit Jahren nicht mehr bewirtschaftet, hinsichtlich der zweiten Hälfte habe der Bürgermeister über die Stadtwerke bereits im Juli 2019 ein Gutachten bei der Firma Revital in Auftrag gegeben, um die Außernutzung-Stellung der restlichen Wälder im Kaisertal zu prüfen. Dieses Gutachten liegt seit Februar 2020 vor und nimmt eine Abwägung zwischen ökologischen und ökonomischen Folgen einer solchen Maßnahme vor.

„Das Gutachten ist völlig eindeutig, ökologisch wäre es sinnvoll, die restlichen Wälder im Kaisertal außer Nutzung zu stellen. Die dagegen ins Treffen geführten ökonomischen Argumente sind aus meiner Sicht unbeachtlich, da der Klimaschutz jedenfalls vorgehen muss",

so Krumschnabel.

Um die Maßnahmen zu beschleunigen, die laut dem Gutachten schrittweise über Jahre vollzogen werden könnten, möchte Krumschnabel im Einvernehmen mit den Stadtwerken bereits ab 31. März 2021 den derzeitigen Pachtvertrag beenden und den Forstbetrieb wieder zur Stadt Kufstein zurückholen. „Wir können dann unseren eigenen Leuten die Anweisung geben, so wenig wie möglich zu schlägern, womit auch der Verkehr im Kaisertal noch einmal abnehmen wird.“

Der Wald im Kaisertal und seine Bewirtschaftung wurden zum Streitthema in Kufstein.
  • Der Wald im Kaisertal und seine Bewirtschaftung wurden zum Streitthema in Kufstein.
  • Foto: BB Archiv
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Mehr zu den Wäldern Kufsteins

Die Stadtgemeinde ist der zweitgrößte Waldbesitzer in Tirol, besitzt sie doch 3.200 Hektar Wald, Almen und Brachflächen. 2.500 Hektar davon liegen im Kaisertal – verteilt auf die Gemeinden Ebbs, Walchsee und Kufstein. Die weiteren 700 Hektar liegen am Thierberg, teilweise im Gemeindegebiet von Thiersee, oder im Stadtgebiet, etwa am Zellerberg. Rund 1.300 Hektar Wald bewirtschaften die Stadtwerke Kufstein. Zusätzlich werden pro Jahr mehr als 10.000 Bäume neu gepflanzt und aufgeforstet. Der Waldbesitz ist in die Reviere Thierberg, Stadtberg und Kaisertal untergliedert.

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