Respekt aber niemals Angst

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KALTENBACH eh. Regionalsport traf sich mit Motorradrennfahrer Simon Kröll (24) vom HAITE-Racing-Team, zuhause im Zillertal, zum Interview. Dabei erzählte er, wie viel Zeit und Geld er für sein Hobby hergibt, warum ein Regenrennen zum größten Erfolg zählt und dass nichts und niemand ihn vom Motorsport abbringen könnte.

RSP.: Wie bist du, als Privatperson, ohne Verein, dazu gekommen, bei Motorradrennen mitzufahren?
Simon Kröll:
Zum Straßenrennsport bin ich vor drei Jahren gekommen, als mich Manfred Klausner auf den Salzburgring eingeladen hat, um mit meinem Straßenmotorrad ein paar Runden zu drehen.

RSP.: Wie finanzierst du diesen Sport, gibt es Sponsoren?
Simon Kröll:
Es wird alles von mir selber bezahlt.

RSP.: Und von welchem Betrag sprechen wir da?
Simon Kröll:
Ohne Motorrad sind es grob geschätzt pro Jahr EUR 10.000,00. Also für Rennstrecken, Sprit, Verpflegung, Transportkosten und Reifen.

RSP.: Wer begleitet dich zu deinen Rennen? Hast du ein Team, das dir z.B.: beim Reifen wechseln hilft?
Simon Kröll:
Mechaniker habe ich keinen. Wenn mein Vater Zeit hat nehme ich ihn mit und sonst eben die Kollegen die dabei sind wie eben Manfred Klausner, Klaus Holzer und Sepp Sattler.

RSP.: Wie viele Rennen fährst du im Jahr?
Simon Kröll:
Der Cup heuer beinhaltet sechs Rennen. Ein Wochenende im März und das erste Wochenende im April waren wir bei einem Veranstalter zum Frühjahrestraining eingeladen. Das ist kostengünstig und ich bin gleich fit, wenn die ersten Rennen starten.

RSP.: Wie bereitest du dich mental und körperlich auf ein Rennen vor?
Simon Kröll:
Fitness ist enorm wichtig. Mental bereite ich mich nicht besonders darauf vor. Ich sehe das nicht verbissen. Wenn es gut geht ist es super, wenn es nicht so gut geht, kommt das nächste Rennen. Eine halbe Stunde vor dem Rennen setzt ich die Kopfhörer auf und höre Musik um ruhig zu werden und runter zu kommen. Dann rein in das Gewand und ab geht’s. Ich bin diesbezüglich sehr unkompliziert. Einen hatten wir dabei, den durfte eine Stunde vor Rennbeginn niemand mehr ansprechen. Der war derart konzentriert.

RSP.: Besteht für dich die Möglichkeit, in ein Profi-Team zu kommen?
Simon Kröll:
Ich bin dazu leider schon zu alt. Ich fahre für das HAITE-Racing-Team. Von einem Bekannten der Junge ist jetzt neun Jahre alt, der fährt heuer beim ADAC Junior Cup mit und dort sind Talentescouts vor Ort. Wenn ich bei der Österreichischen Staatsmeisterschaft vorne dabei bin, dann hab ich es für mich schon geschafft.

RSP.: Was war dein größter Erfolg bisher?
Simon Kröll:
Der war letztes Jahr, bei meinem ersten Regenrennen. Ich hatte davor erst ein Training im Regen. Ich wusste noch nicht, wie genau mein Motorrad, die Reifen und alles reagiert. In Spielberg gab es plötzlichen Platzregen und ich konnte den vierten Platz belegen. Bei den Rundenzeiten war ich super dabei. Für mich selber war das der größte Erfolg. Mit einem besseren Know How würde bestimmt noch mehr gehen.

RSP.: Fährst du privat auf der Straße schneller als anderer Motorradfahrer? Ist das wie Training für dich?
Simon Kröll:
Nein. Mein Vater hatte auf der Straße einen schweren Motorradunfall und seither fahre ich überhaupt nicht mehr auf der Straße. Er ist unschuldig dazu gekommen und das steht nicht dafür. Du musst schon mehr auf die andern aufpassen als auf dich selber und daher hab ich das ganz gelassen.

RSP.: Wie viele Stunden trainierst du? Du hast auch einen Job, eine Frau, wie geht sich das alles aus?
Simon Kröll:
Größtenteils geht mein Urlaub für die Rennen und alles drauf. Wir fahren zu den Rennen und bleiben manchmal fünf Tag länger und schauen uns das Land an. Für uns sind auch die Wochenenden die wir bei Rennen sind wie Urlaub. Sicher werden durch das Training andere Dinge vernachlässigt.

RSP.: Auf welcher Strecke trainierst du hauptsächlich?
Simon Kröll:
Vor allem in Ungarn am Pannonia Ring und in Rijeka. Spielberg ist auch eine gute Option nur leider sehr teuer. Das Training dort beschränkt sich auf einmal pro Jahr. Der Pannonia Ring ist sehr kurvenreich und ich muss technisch mit dem Motorrad viel arbeiten. Die Rennstrecke in Rijeka ist technisch nicht sehr anspruchsvoll, dafür ist dort die Linienwahl sehr wichtig, damit ein schöner Fahrfluss möglich ist. Die Abwechslung der beiden Strecken ist super zum trainieren.

RSP.: Fährt die Angst bei den Rennen mit?
Simon Kröll:
Teils, teils. Ein gesunder Menschenverstand hat natürlich Angst und die ist auch dabei. Aber wenn du die ganze Zeit denkst, „das und das könnte passieren“, ist es besser gar nicht erst auf ein Motorrad zu steigen. Mit dem nötigen Respekt an die Sache heranzugehen ist gesünder.

RSP.: Wie viel passiert wirklich bei einem Sturz?
Simon Kröll:
Das lässt sich schwer einschätzen. Es spielen viele Faktoren mit. Ein dramatisch scheinender Sturz kann durch ausreichende Auslaufzonen gar nicht so viel anrichten und dann hast du ein technisches Gebrechen und erlebst einen schweren Unfall. Viele Stürze gehen Gott sei Dank glimpflich aus aber natürlich haben wir auch schon schwerere erlebt. Den Betroffenen geht’s jedoch wieder gut und sie sind wieder mit dabei im Rennsport.

RSP.: Gibt es eine Lieblings Rennstrecke?
Simon Kröll:
Eigentlich nicht. Ich fahre auf jeder Strecke gerne. Dieses Jahr haben wir im Cup zwei neue Strecken, auf denen ich noch nie gefahren bin. Den Hungaro Ring und eine Strecke in Tschechien (Brün). Ich bin sehr gespannt wie die zu fahren sind. Ich hoffe, mich schnell an die beiden zu gewöhnen.

RSP.: Wie viel Tage hast du Zeit, dich an eine Strecke zu gewöhnen?
Simon Kröll:
Wir haben heuer zwischen 2- und 3-Tages Veranstaltungen. Bei den 3-Tages-Veranstaltungen geht das super. Ein Tag ist reines Training; keine Rennen und keine Qualifikation. Bei den 2-Tages-Veranstaltungen ist die Zeit sehr knapp bemessen. Wir fahren drei Trainings, eine Qualifikation und das Rennen. Bei einer Strecke die man noch nie gefahren ist, sind Videos sehr hilfreich. Auch mit Hilfe von Computerspielen können sich Fahrer neue Strecken einprägen, was jedoch nicht mein Fall ist.

RSP.: Was müsste passieren oder welchen Grund gäbe es, das Rennen fahren sein zu lassen?
Simon Kröll:
Es gibt keinen Grund. Es kann kommen was will. Ich betreibe Motorsport von Klein auf und werde den Motorsport nie ganz lassen. Ich bin zehn Jahre Motocross gefahren. Ein guter Trainingskollege hatte einen sehr schweren Unfall, der Gott sei Dank glimpflich ausgegangen ist. Das hat mir einen Dämpfer gegeben. Später stellte sich die Frage: Schule oder Lehre? Ich hab mich entschieden einen Beruf zu erlernen und den Motorsport zurück zu schrauben. Ein Hobby kann immer wieder begonnen werden.

RSP.: Was war deine höchste Geschwindigkeit, die du je gefahren bist?
Simon Kröll:
Das war mit der 600er Yamaha und es waren rund 265 Km/h.

RSP.: Welches Motorrad fährst du jetzt?
Simon Kröll: Eine Yamaha R6, Baujahr 2007. Eine von den wenigen, die von dem Baujahr noch herumfahren. Die meisten haben das Nachfolgemodell und diese sind aktuell wie Sand am Meer auf den Rennstrecken vertreten. Mit einer 600er zu fahren ist momentan ein Boom, was super ist, weil wieder viele neue starke Fahrer nachkommen. Viele kommen vom R6 Cup oder IDM zurück zur Hobbybasis, weil ihnen der Wirbel drum herum zu stressig wird und sie keine Freude mehr dabei haben. Solang ein Hobby auch eines bleiben kann, passt das gut. Sobald jemand sagen würde das oder das muss sein, würde ich auch überlegen ob ich das noch will.
Zurück zum Motorrad: Ich bin wirklich sehr zufrieden. Sie ist sehr handlich und von der Leistung absolut konkurrenzfähig.

RSP.: Wenn kein Unfall passiert, wie oft kauft man sich ein neues Motorrad?
Simon Kröll:
Wie es sich mit dem Budget ausgeht. Wie gesagt, ich bin sehr zufrieden, das Nachfolgemodell kann nicht recht viel mehr, auch die anderen 600er sind nicht viel besser und eine 1000er möchte ich erst einmal nicht fahren. Meine Devise ist: Solang ich die 600er nicht am Limit bewege, möchte ich nicht mehr PS unterm Arsch haben, als ich brauche.

RSP.: Was bedeute für dich Motorradfahren?
Simon Kröll:
Für mich ist es eine super Zeit um vom Alltagsstress herunter zu kommen. Das Zusammensein mit den Freunden ist ein wichtiger Punkt, weil ich unter Woche auf Grund von Arbeit und Training keine Zeit für die Kollegen habe. Die Rennen sind die Ruhepause, dich ich von daheim brauche. Ich sehe neue Länder und die familiäre Atmosphäre bei den Rennen ist absolut super.

RSP.: Was sind deine Ziele für die Saison?
Simon Kröll:
Sturz frei durch die Saison kommen und hoffentlich wieder ein paar Top Ten Ergebnisse. Vielleicht geht auch mehr aber ich lass mir die Türen offen.

Autor:

Erwin Hofbauer aus Wels & Wels Land

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