"Frau Holle": Volkshilfe-Sozialbetrieb will "fair waschen statt verwaschen"

"Frau Holle", ein sozialökonomischer Betrieb der Volkshilfe in Kufstein, qualifiziert Wiedereinsteigerinnen für den Arbeitsmarkt.
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KUFSTEIN (nos). Mit "Frau Holle" will die Volkshilfe Frauen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben unterstützen. Auch zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen, training und Begleitung bietet der sozialökonomische Betrieb in Kufstein an. Die ersten Erfahrungen in der Festungsstadt waren durauch positiv: die ersten beiden Mitarbeiterinnen konnten bereits in den Regel-Arbeitsmarkt weitervermittelt werden. "Um Menschen ein möglichst eigenständiges Leben zu ermöglichen, ist eine geregelte Arbeit eine wichtige Basis", weiß Volkshilfe-Geschäftsführerin Kerstin Egger. Im Auftrag des AMS setzt die Volskhilfe diese arbeitsmarktpolitische Maßnahme um.

Für die Volkshilfe ergab sich die Möglichkeit eine Reinigung in Kufstein zu betreiben eher durch Zufall. Das bestehende Unternehmen in den Josef-Egger-Straße 5 musste mit Jahresende 2016 aus privaten Gründen schließen, die Volkshilfe übernahm mit Unterstützung des AMS Tirol Räume und Austattung und richtete "Frau Holle" ein.
Vier Betreuerinnen – zwei Trainerinnen, eine Sozialpädagogin und die Teamleiterin – kümmern sich um die berufliche Weiterentwicklung von acht Teilzeitkräften. Die Branche wurde dabei nicht ganz zufällig gewählt: "Wir richten nur dort sozialökonomische Betriebe ein, wo sie keine Konkurrenz zum freien Markt bieten", erklärte Tirols AMS-Chef Anton Kern. Eine weitere Textilreinigung gibt es in der Festungsstadt nicht. Auch Bgm Martin Krumschnabel begrüßt das Projekt außerordentlich, besonders den Ansatz "auf Gebiete auszuweichen, in denen es keine Konkurrenz gibt, aber die Dienstleistung notwendig ist". Er meinte, dass sich auch die öffentliche Hand "nicht aus der verantwortung stehlen" dürfe. Deshalb unterstütze die Stadtgemeinde solche Projekte, auch wenn es nicht in ihren ureigensten Aufgaben liege. Krumschnabel kündigte an: "Wir sind als Gemeinde sicherlich bereit, hier weitere gemeinsame Kooperationen einzugehen."

Gezielte Förderung für Frauen

"Es gibt Menschen, die Unterstützung bei Qualifikation und Wiedereinstieg brauchen", weiß AMS-Chef Kern. 550 bis 570 Menschen sind jährlich in Tirol in Sozialbetrieben wie "Frau Holle" beschäftigt. Solche "Transitarbeitsplätze" seien durchaus ein Erfolgsmodell, so Kern. Im Durchschnitt bleiben sie acht Monate lang in den Trainings-Unternehmen, ehe sie weitervermittelt werden können. Maximal dürfen Interessierte bis zu ein Jahr lang dort mitarbeiten.
Für die Ablöse der Geräte, Umbauarbeiten und weitere Einrichtung stellte das AMS Tirol der Volkshilfe 70.000 Euro als Startinvestition zur Verfügung, zudem werden die laufenden Kosten mit jährlich rund 280.000 Euro abgefedert. Rund 85.000 Euro davon soll "Frau Holle" selbst erwirtschaften.
Dass dies gelingt, daran haben Volkshilfe und AMS wenig Zweifel. Seit rund 20 Jahren existiert die Wäscherei "Libelle" in Innsbruck in ähnlicher Form, 2015 übernahm die Volkshilfe den Betrieb von einem anderen Trägerverein. Dort liege die Eigenerlös-Qute bei rund 43 Prozent. Über ein Drittel der Mitarbeiter konnte nachhaltig am Arbeitsmarkt vermittelt werden.
"Frau Holle" und die "Libelle" sind speziell als Fördermaßnahmen für Frauen konzipiert, um eine verbesserte Gleichstellung von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt zu erreichen. Die Einrichtungen wenden sich besonders an ältere, schlechter qualifizierte oder in ihrer Gesundheit eingeschränkte Frauen. Auch als Unterstützung zum Wiedereinstieg in die Arbeitswelt nach längeren Kinderbetreuungszeiten sind die sozialökonomischen Reinigungen gedacht.

"Momentan zählen wir im Bezirk Kufstein 2.002 Arbeitslose, davon sind 1.100 Frauen", weiß Kufsteins AMS-Leiter Hans-Jörg Steinlechner. 400 Personen befinden sich aktuell in Schulungsmaßnahmen des AMS. Da es "zu wenig Angebote für Frauen", komme "Frau Holle" wie gerufen.
Entscheidend für den Aufbau des Betriebs sei auch das gute Miteinander des Sozialpartner-Regionalbeirats, wie die Anwesenden betonten. Mit der "Werkbank" in Wörgl betreibt die Volkshilfe noch ein weiteres sozialökonomisches Unternehmen im Bezirk. Über 40 Prozent der Mitarbeiter dort sind über 55 Jahre alt – sie haben es am heimischen Arbeitsmarkt besonders schwer.

Autor:

Sebastian Noggler aus Kufstein

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