Handel, Fachkräfte, Gründerszene
Kufstein will in drei Schritten zum gestärkten Vorzeige-Standort werden

Kufstein will den Kampf gegen den Onlinehandel aufnehmen und setzt dafür auf Kompetenz und Service im stationären Handel in der Innenstadt.
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  • Kufstein will den Kampf gegen den Onlinehandel aufnehmen und setzt dafür auf Kompetenz und Service im stationären Handel in der Innenstadt.
  • Foto: Standortmarketing Kufstein GmbH
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Mit drei Maßnahmenbündeln will das Standortmarketing Kufstein das Profil der Region rund um die Festungsstadt schärfen. Unter dem Motto "Region 4.0" soll der stationäre Handel gegenüber dem stetig steigenden Onlinehandelsvolumen gestärkt werden, sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber überregionaler präsentieren können und durch einen Wettbewerb die Gründerszene in der Fachhochschulstadt florieren. Tenor der Projektpartner: "Kufstein funktioniert, aber wir wollen besser werden."

BEZIRK KUFSTEIN (nos). "Ein Projekt, über das man in den nächsten drei Jahren noch viel hören wird", läuft momentan in Kufstein und der "Leader"-Region "Kufstein und Umgebung, Untere Schranne, Kaiserwinkl" (KUUSK) an. Die Eckdaten und Ziele dazu präsentierte Standortmarketing-GF Thomas Ebner gemeinsam mit Projektpartnern am 16. Jänner in der Festungsstadt.

Handelsstandort Kufstein: "Internet ist der größte Konkurrent"

In den Jahren 2014 und 2018 analysierte das Kufsteiner Standortmarketing gemeinsam mit dem oberösterreichischen Beratungsunternehmen CIMA die den Einzelhandel und die Kaufkraftdaten für Kufstein und die Region. Das daraus resultierende Bild zeigte einerseits eine relativ hohe Kaufkraftbindung unter den Kufsteinern, 79 Prozent des Volumens bleibt in der Stadt, sowie ein wachsendes Einzugsgebiet für den Kufsteiner Handel, andererseits aber auch eine eklatant hohe Zunahme im Onlinehandel-Bereich. Mittlerweile fließen rund 7,6 Millionen Euro im Jahr aus der Festungsstadt zu Internethändlern. "Das ist der größte Konkurrent", wissen Ebner und sein Standortmarketing. Schon aus den Analysen der CIMA wurden erste Schritte und Gegenstrategien entwickelt, etwa die Betonung von Einkaufserlebnis und Serviecharakter, aber auch die verbesserte Sichtbarkeit auf Internetplattformen – Stichwort: Google-Suche.

Web-Nachhilfe, Fachkräfte-Anwerbung, Gründer-Initiative

"Wir haben hier in Kufstein ein sehr gutes Produkt", so Ebner mit Blick auf den Branchenmix in der Innenstadt, "in der Stadt gibt es nur wenige Leerstände, die visuell weh tun, und auch am Abend is in Kufstein einiges los, hier werden nicht die Gehsteige hochgeklappt." Dennoch habe man die Analyseergebnisse und die Erfahrungen mit den ersten Standortmaßnahmen "als Aufgabe für das Standortmarketing wahrgenommen", wie Ebner ausführte.
Mit einem dreiteiligen, aus Fördermitteln der EU, des Bundes, des Landes Tirol, der Stadt Kufstein sowie Projektpartnern aus verschiedensten Bereichen finanzierten Projekt soll das Standortprofil nun weiter geschärft werden. 413.000 Euro umfasst das Projekt im Ganzen, 60 Prozent davon sollen über Bund, Land und EU-Töpfe einfließen. Die Stadt Kufstein selbst nimmt rund 24.000 Euro dafür in die Hand. Damit soll den bestehenden Händlern dabei geholfen werden, dass ihre Angebote im Netz zu finden sind, Unternehmen bei der Selbstdarstellung auf der Suche nach Fachkräften und innovativen Gründern mit Sachleistungen und Unterstützung.

"Digital Coaching" als Nachhilfe für die Online-Welt

Viele potenzielle Kunden informieren sich über bestimmte Produkte vorab im Netz, bevor sie sich eventuell auf den Weg in einen Laden machen – dessen Öffnungszeiten, Kontaktdaten und Warenangebot ebenso online gesucht werden, aber selten auch gefunden. "Wir reden hier wirklich von den Basics: Emailadressen, Kontaktnummern, richtige Öffnungszeiten, ... , da gibt es einiges zu tun", musste der Standortmarkting-GF zugeben. Mit Hilfe von "Digital Coaching"-Angeboten soll nun Nachhilfe für die Händler geschaffen werden. Angefangen mit der Analyse bestehender Webauftritte durch die FH Kufstein, über Coaching-Angebote bis zu weiterführenden Seminaren soll den Händlern Entwicklungspotenzial aufgezeigt und das passende Werkzeug an die Hand gegeben werden. "Es ist ein ähnliches Konzept, wie wir es aus dem Tourismus im Bereich Vermietercoaching kennen", vergleicht Ebner die Digitaloffensive. Eigene Plattformen zu schaffen, wie Ende 2019 vollmundig vonseiten der Bezirks-Wirtschaftskammer in den Raum gestellt, sei dabei nicht die vordringlichste Aufgabe, sondern vielmehr bereits bestehende Tools und Plattformen zu nutzen. CIMA-GF Roland Murauer betonte eindringlich:

"Eine lokale Online-Plattform ist ein Schuss in's Knie für jedes Stadt- und Regionalmarketing! Das ist derzeit schlichtweg Geldverbrennung."

"Employer Region" soll "Mitarbeitermarke" schaffen

Der Wirtschaftsstandort lebt von den Unternehmen und deren Mitarbeiter, viele Branchen beklagen einen steigenden Fachkräftebedarf. Dieses Problem geht freilich auch an Kufstein nicht vorbei. Darum will man unter dem Sammelbegriff "Employer Region" (zu deutsch: "Arbeitgeber-Region") heimische Unternehmen bei der Außendarstellung unterstützen und die Region rund um Kufstein als attraktiven Lebens- und Arbeitsort darstellen. "Warum soll jemand nicht von München nach Kufstein pendeln, wenn er innerhalb der bayerischen Landeshauptstadt die selbe Zeit benötigt?", stellte Ebner in den Raum.

"Stadt-Up"-Wettbewerb

Bis zum Anmeldeschluss am 16. Juni können im Rahmen eines Gründer-Wettbewerbs innovative, neue Betriebskonzepte eingereicht werden, die im Juli diesen Jahres von einer Jury begutachtet werden sollen. Der Innovationsgrad der Konzeptidee, die nachhaltigen Zukunftschancen, die Innenstadtrelevanz und das Bereicherungspotenzial werden dabei als Kriterien herangezogen. Als Ziel gibt das Standortmarketing fünf Neugründungen binnen zwei Jahren aus, wie GF Ebner festhielt: "Daran soll man uns messen, das ist das absolute Ziel."
Die fünf bestgereihten Konzepte erhalten von Stadt und Partnern Sachleistungen von insgesamt 100.000 Euro: Von Steuerberater-, über Anwaltsleistungen, Medienpartnerschaften, Internet-Package oder "Dienst-E-Bike" bis hin zu Leistungen in Sachen Bau und Innenausbau. Die erstplatzierte Idee bekommt diese im Umfang von 30.000 Euro, die zweitplatzierte von 21.000, die fünftplatzierte von immerhin noch 15.000 Euro.
Der öffentliche Kick-Off zum Wettbewerb wird am 27. Jänner in Kufstein mit einem Impulsvortrag von Theresa Schleicher (Zukunftsinstitut) unter dem Titel „Wie sieht die Zukunft desHandels aus?" stattfinden. Mehr Infos dazu gibt's auf stadtup-kufstein.at

Kufsteins Innenstadthandel ist "kein totes Pferd"

Roland Murauer, GF CIMA, resümierte die Stadtentwicklung Kufsteins in den vergangenen Jahren und attestiert: "Man reitet hier kein totes Pferd." Es gelte dem Onlinehandel entgegenzutreten, den Standort überregionaler zu bewerben, neue Ideen zu fördern und mit neuen Konzepten ("urban manufacturing", "3rd place") von großen Filialketten Abstand zu gewinnen. Ausschlaggebend für erfolgreiche Umsetzungen seien auch die Immobilieneigentümer, so Murauer. Sie sollten motiviert werden, um Leerstände zu beseitigen und neue Nutzungskonzepte zu ermöglichen.
"Stadt-up"-Projekte, wie Kufstein nun startet, begleitete CIMA bereits 2017 in Ried im Innkreis, wo aktuell eine zweite Phase läuft, sowie derzeit in Trofaiach, Lustenau und den bayerischen Gemeinden Krumbach und Ebermannstadt.

"Das gibt uns sehr viel Vertrauen, dass das in Kufstein gut funktionieren wird", zeigte sich Bgm Martin Krumschnabel zuversichtlich und lobte die Zusammenarbeit mit den Beratern von CIMA, die "tatsächlichen Input" geliefert hätten, keine bloßen Überschriften oder Wunsch-Protokolle. Die Stadt fühle sich "gut beraten", so der Bürgermeister.

Überdurchschnittliche Werte für Handel
CIMA-Studie erteilt Stadt Kufstein gutes Zeugnis
Autor:

Sebastian Noggler aus Kufstein

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