Interview in Kufstein
Lisa Mauracher: "Den Lehrlingen steht alles offen"

Lisa Mauracher, die das Ayurveda Resort Sonnhof in Thiersee leitet und Julia Geistberger vom Stadthotel Alpenrose Kufstein (v.l.) setzen in ihren Betrieben vermehrt auf Lehrlinge.
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Lisa Mauracher, die das Ayurveda Resort Sonnhof in Thiersee leitet und Julia Geistberger vom Stadthotel Alpenrose Kufstein sprechen im Interview mit den BEZIRKSBLÄTTERN über das Thema Lehre.

KUFSTEIN, THIERSEE (bfl). Der Bedarf an Lehrlingen in Tourismusberufen und in der Gastronomie ist derzeit groß – trotz der Coronakrise. Lisa Mauracher, die das Ayurveda Resort Sonnhof in Thiersee leitet und Julia Geistberger vom Stadthotel Alpenrose Kufstein erzählen im Interview mit den BEZIRKSBLÄTTERN in Kufstein, warum die Lehre für viele Jugendliche ein Gewinn sein kann, welche Benefits es im Tourismus- und Gastronomiebereich gibt und warum sie vermehrt auf Lehrlinge in ihren Betrieben setzen.

BEZIRKSBLÄTTER: Wie habt ihr die Corona-Krise überstanden und wie geht es euch im laufenden Betrieb?
Lisa Mauracher:
Die Corona-Krise ist soweit gut überstanden. Ich glaube, wir haben das Beste daraus gemacht und haben in der Zeit geschaut, was können wir machen. Wir haben "Lives" auf Instagram gegeben und im Haus Weiterbildungen für die Lehrlinge veranstaltet. Das ist sehr gut angekommen. Danach sind wir voller Kraft wieder in die neue Saison gestartet. Wir sind, wenn das so weitergeht, sehr zufrieden und hoffen auf einen guten Herbst. 
Julia Geistberger: Restaurant-technisch ist der laufende Betrieb sehr gut. Wir haben uns sehr gefreut, dass wir die Restaurantgäste wieder begrüßen konnten – hier haben wir viele Stammgäste aus der Umgebung. Im Hotel ist die Lage anders. Wir hatten viele Businessgäste und das ist ein Segment, das momentan gerade ausfällt. Aber das Kufsteinerland hat das sehr gut gelöst und viele Angebote für die Individualgäste geschaffen. 

BB: Der Lehrlingsmangel ist ja vor allem ein Problem im Tourismus- und Gastrobereich. Woran, glaubt ihr, liegt das? Wie kann man das Problem lösen?
Mauracher:
Schade ist, dass wir im Tourismus nicht so ein gutes Image haben. Das Image ist noch sehr geprägt von früher – mit Überstunden und nicht wertschätzenden Chefs oder Unternehmern. Das war vielleicht früher so, aber da hat sich sehr viel getan, wo man den Lehrling dort abholt, wo er ist, wo man schaut, wo seine Stärken liegen und was man machen kann. Der Lehrling hat geregelte Arbeitszeiten und hat auch am Wochenende frei. Natürlich ist das alles Abmachungssache, aber die Jungen gehen dort hin, wo es feine Arbeitszeiten gibt und wo sie viel verdienen. Dafür waren wir früher leider nicht bekannt. Aber das dreht sich nun langsam. Für uns ist der Lehrling sehr wichtig und bekommt viele Chancen, sich selbst zu entwickeln. Die Lehrlinge kommen mit 15 oder 16 Jahren und wissen vielleicht noch nicht genau, was sie wollen und probieren sich selber aus. Da sind wir Unternehmer gefragt, dass wir sie auch unterstützen. 

BB: Gibt es hier vielleicht Bereiche oder Regionen, die besser dastehen und gehört Kufstein dazu, weil zum Beispiel auch ehemalige „Urlauber“ gerne in der Region arbeiten – und das auch noch im Tourismus?
Mauracher:
Ich glaube, wenn das mehr suggeriert wird auf jeden Fall. Viele Leute denken sich, da würde ich auch gerne arbeiten, da machen andere Urlaub. Aber ich denke, man darf da noch mehr Aufmerksamkeit schaffen, das den Gästen schon vermitteln und da über den Tourismusverband und dem Land mehr Energie hineinstecken.  

BB: Wie viele Lehrlinge sind derzeit bei euch beschäftigt?
Mauracher:
Wir haben sieben Lehrlinge – in den Bereichen Küche, Rezeption, Spa-Bereich und Service. Und dann gibt es noch die HGA-Lehre (Hotel- und Gastgewerbeassistent, Anmerkung), das sind dann alle drei Bereiche.
Geistberger: Wir haben im Moment drei Lehrlinge – zwei davon in der Küche und einen HGA-Lehrling.

BB: Wo sucht ihr noch Nachwuchstalente?
Mauracher:
HGA-Lehrlinge sind jederzeit willkommen, weil die dann drei Berufe haben – nämlich Rezeption, Küche und Service. Aber auch Küchenlehrlinge und Bürokaufmann/-frau wären interessant. 
Geistberger: Bei uns auch auf alle Fälle HGA-Lehrlinge und auch Bürokaufmann/-frau. 

BB: Was ist euer Ziel bei der Lehrlingsbeschäftigung?
Mauracher: Zehn Lehrlinge wären nicht schlecht.
Geistberger: Wir sind ja ein kleineres Team, aber auf vier Lehrlinge – das schaffen wir dann auch.

BB: Warum sollten sich Jugendliche für eine Lehre im Tourismus oder in der Gastronomie entscheiden?
Mauracher:
Erstens wegen dem Arbeitsplatz, weil das wirklich ein Platz ist, wo andere Menschen gerne sind und dort sogar Urlaub machen. Aber auch weil sie extrem viel am Gast selbst lernen – der Umgang und das Herzliche, das braucht man in allen Beziehungen. Dann ist zum Beispiel die HGA Lehre sehr vielfältig. Man lernt eine sehr gute Menschenkenntnis und wir sind auch als Betrieb bereit, den Lehrlingen Seminarbesuche zu bieten. Hier kann man die Stärken unterstützen und untermauern. Hinzu kommen noch Sprachen und verschiedene Kulturen, die die Lehrlinge kennenlernen. Bei uns im Ayurveda Hotel kommt noch der Bereich Gesundheit hinzu. 
Geistberger: Es gibt auch Dinge, die man für sich ins Privatleben mitnimmt, dass man zum Beispiel Kochen lernt, und dass man sich beim Thema Service, Wein und beim Genussthema dann auskennt. Unser Restaurantleiter ist Sommelier und macht sehr viele Schulungen, bei denen wir zusammensitzen oder vielleicht auch neue Menükarten gemeinsam durchprobieren und dort auch Weine dazu probieren. 

BB: Welche Vorteile hat man als Lehrling? Gibt es besondere Benefits, die euren Lehrlingen winken?
Mauracher:
Das Wissen, das sie von uns vermittelt bekommen, Umgangsformen, die Sprache und das Gesundheitsthema. Natürlich sind wir auch, was die Entlohnung betrifft, großzügig. Wir veranstalten auch immer wieder Events und man hat auch die Möglichkeit bei beiden Partnerhotels zu arbeiten. Lehrlinge bekommen bei unseren Massagen zudem fünfzig Prozent Rabatt, aber auch Ayurveda-Wissen über Kurse. Wenn jemand bei uns übernachten will, dann bieten wir da auch ganz spezielle Konditionen an.
Wenn der Lehrling will, dann gibt es auch ganz viele Aufstiegsmöglichkeiten. Dadurch, dass die Lehre schon so in der Praxis verankert ist und der Lehrling den Betrieb dann schon so gut kennt, kann man danach – wenn das stimmig ist – noch ganz viel machen. Da bekommt der Lehrling dann auch Verantwortung. Ich glaube es gibt im Allgemeinen schon wieder einen kleinen Trend hin zur Lehre. Viele wollen Geld verdienen und unabhängig sein, und das ist auch ein Vorteil von der Lehre. Gerade im Tourismus steht Lehrlingen – wenn sie die Lehre gemacht haben – alles offen. Sie können auf der ganzen Welt arbeiten und mit dem Wissen viel entdecken. Sie bekommen auch immer einen Job. Das ist für junge Menschen, die viel reisen wollen, ein guter Input.
Geistberger: Bei uns gibt es auch Mitarbeiterkonditionen, wenn jemand übernachten möchte. Aber zu den Vorteilen zählt auch die Verantwortung, wenn man wirklich gleich von Tag eins an beim Gast steht, wenn man bei uns im Service oder an der Rezeption ist. Und natürlich auch das Umfeld: Es ist jemand da, wenn die Lehrlinge etwas brauchen. 

BB: Setzt ihr heute mehr auf Lehrlinge als in der Vergangenheit?
Mauracher:
Wir nehmen nun eher mehr Lehrlinge. Das hat sich so entwickelt. Wir arbeiten einfach gerne mit Lehrlingen. Ich muss auch sagen, dass man Nerven und Zeit braucht, aber wenn man das entwickelt hat, ist es ein tolles Miteinander. Man muss sich als Betrieb auch so aufstellen, dass man für Lehrlinge die Zeit hat. Denn sie brauchen genaueste Einschulung und man muss für die Lehrlinge da sein. 
Geistberger: Wir sind auch mit einem Lehrling gestartet, jetzt haben wir drei. Es ist auch ein gegenseitiges Lernen. Es kommen auch immer wieder Dinge, die die Lehrlinge aus der Berufsschule mitnehmen, wie neue Trends, die man vielleicht selbst noch nicht kennt. Das ist auch immer ganz spannend. 

BB: Was muss man für eine Lehre im Tourismus- bzw. Gastrobereich mitbringen?
Mauracher:
Dieses Aufgeschlossene ist meiner Meinung nach wichtig – wenn der Lehrling nicht in der Küche, sondern draußen ist. Da braucht der Lehrling schon das Gefühl "ich mag Menschen" oder "ich will mit Menschen arbeiten". Wichtig ist auch, dass man das gerne macht – denn dann kann man alles lernen. Sauberes Auftreten, Bereitschaft, Verlässlichkeit und Pünktlichkeit sind natürlich wichtig, aber ansonsten kann man alles von Null auf lernen. 
Geistberger: Wir sind hier auch so eingestellt. Ganz wichtig ist immer die Leidenschaft und der Wille, denn zeigen können wir den Lehrlingen alles.

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