"Power2X Kufstein"
TIWAG plant mit Partnern Wasserstoff-Zentrum fürs Unterland

20 Millionen Euro schwer ist das Wasserstoff-Pilotprojekt der TIWAG in Kufstein.
5Bilder
  • 20 Millionen Euro schwer ist das Wasserstoff-Pilotprojekt der TIWAG in Kufstein.
  • Foto: TIWAG
  • hochgeladen von Sebastian Noggler

Der Tiroler Landesenergieversorger, die Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG), plant ein Pilotprojekt in Kufstein. Auf einem 9.000 Quadratmeter großen Areal nahe dem Festungsstädter Fernheizwerk soll eine Anlage zur Wasserstoffproduktion und Energiespeicherung entstehen. Die Sektorenkoppelung von Strom, Wärme, Kälte und Mobilität sei in dieser Form österreichweit einzigartig, betonen die Projektpartner.

KUFSTEIN (nos). Ein Klimaschutzprojekt will die TIWAG im Kufsteiner Wald umsetzen, im Mittelpunkt steht die Dekarbonisierung der Energieerzeugung in Tirol, also die Abkehr vom Kohlenstoff-Ausstoß (CO2). Die Vorstände Erich Entstrasser und Johann Herdina präsentierten die Pläne für das Pilotprojekt "Power2X Kufstein" gemeinsam mit LHStv Josef Geisler und zahlreichen Vertretern der Partnerunternehmen am 16. Juli in Kufstein.

TIWAG will Energiesektoren effizient koppeln

"Weitestgehend CO2-frei", so Entstrasser, könne die TIWAG schon heute Strom in Tirol produzieren. Um den Kohlendioxidausstoß weiter zu minimieren, will das Unternehmen nun dem Thema Sektorkoppelung größere Aufmerksamkeit schenken. TIWAG und Land sehen ein "essentielles Pilotprojekt" in der geplanten Anlage bei Kufstein-Süd. 
Unter Sektorkoppelung verstehen die Experten eine Schnittstelle zwischen unterschiedlichen Energiesektoren wie Wärme/Kälte, Wasserstoff, Strom oder Mobilität. "Ziel der Übung", so LHStv Geisler, "ist zu sehen, wo macht der Einsatz von Wasserstoff Sinn." "Es hilft wenig, wenn jemand die Klimakrise ausruft, aber nicht sagt, was wir dagegen tun können", meint Geisler. Die Wasserstofftechnologie sei keine einfache, aber eine interessante Speichermöglichkeit für Überschussenergie. "Dieses Projekt zeigt, welche Möglichkeiten da sind." Für Geisler ist das Klimaprojekt auch "ein höchst wirtschaftliches Thema", da die Energie in der Region produziert und gespeichert werden könne. "Die Energiewende funktioniert nur mit Strom – Wasserkraft, Solar, Geothermie...", erklärt der LHStv.

Am Kufsteiner Wald geplant

Mit dem Standort am Kufsteiner Wald habe man ein ideales Feld gefunden, können hier doch das TIWAG-Wasserkraftwerk Langkampfen, die "Bioenergie Kufstein" (Biomasse Heizkraftwerk), die TIGAS-Leitung (Erdgasnetz), Wärmepumpen-Energie und eine Kälteschiene zum BKH Kufstein zusammengeschlossen werden. Die "optimale Verbindung" am Standort ermögliche eine Anlage, die es "in dieser Form noch nicht gibt", eine "optimale Verbindung", wie Projektleiter Andreas Burger ausführte. Dadurch erlange man einen Gesamtwirkungsgrad von 85 Prozent der Energieleistung. "Darauf sind wir ganz stolz", so Burger.

Die Anlage soll auf einem Grundstück der Stadtwerke Kufstein errichtet werden. In unmittelbarer Nähe befinden sich auch eine Hoch- und Niederdruckgasleitung der TIGAS sowie eine Grundwasserentnahmestelle für den Wärmepumpenbetrieb. Die neue "Power2X"-Anlage soll gemeinsam mit der Bioenergie Kufstein künftig rund 60 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt Kufstein mit CO2-freier Wärme abdecken. Die vor Ort erzeugte Kälte kann im Bezirkskrankenhaus Kufstein für die Klimatisierung der Operationsräume verwendet werden. Das Projekt inkludiert eine moderne Wasserstoffinfrastruktur bestehend aus Elektrolyseanlage, Tankstelle sowie Schnellladesysteme für E-Autos.

Wasserstoff- und E-Tankstelle

Auf 9.000 Quadratmetern sollen – direkt neben dem Grundstück, auf dem die Fa. Mauracher eine umstrittene Baurestmassenaufbereitungsanlage plant – das Betriebs- und einige Nebengebäude entstehen, einen wesentlichen Teil der Anlage soll eine Wasserstoff- und E-Tankstelle bilden. Fokus legen die Projektanten dabei besonders auf den Schwerverkehr, wo sie einen rascheren Umbau der Lkw- und Busflotten beobachten. Projektpartner wie MAN und Hyundai, aber auch MPreis, Dettendorfer oder Inntaler bestärken sie in dieser Feststellung. Die Tiroler Supermarktkette plane mit 2021 die Umstellung ihrer Lkw auf Wasserstoff. "Der Wasserstoff wird wesentlicher Bestandteil des Schwerverkehrs sein", erklärt Entstrasser. Er hält neben der verringerten CO2-Belastung auch eine mögliche Verkehrsentlastung für möglich, nicht zuletzt aufgrund der Verortung der Anlage nahe des Recyclinghofes der Stadt.
Elf Megawatt Gesamtleistung könne die Anlage maximal bewältigen, rein theoretisch eine Tonne Wasserstoff am Tag erzeugen. "Wir kalkulieren mit rund 250 bis 300 Tonnen Wasserstoff im Jahr", erklärt Projektleiter Burger. Ein entsprechender Lkw könne derzeit etwa 40 bis 50 kg Wasserstoff aufnehmen und damit etwa 550 Kilometer Strecke zurücklegen, rechnen die Projektanten vor. Das Kraftwerk Langkampfen habe eine Energieleistung von 31,5 Megawatt.

TIWAG Energiesektoren: "Wir haben ja alles"

"Die TIWAG ist sehr stolz, hier etwas zu machen", fasste Vorstand Johann Herdina nochmals zusammen. Das Projekt sei "ein kleiner Schritt für den Klimaschutz weltweit, aber ein großer Schritt für die Dekarbonisierung in der Region Kufstein". Über das "Horizon 2020"-Programm der Europäischen Union habe die TIWAG mit ihren Partnern um Fördergelder für das 20-Millionen-Euro-Projekt angesucht, eine Entscheidung darüber erwarte man mit Herbst diesen Jahres, so Herdina. Bis zu fünf Millionen Euro könnte Brüssel beisteuern.
In den Jahren 2020/21 sollen dann die Detailplanungen und Genehmigungsverfahren folgen, Ende 2022 könnte die Anlage dann in Betrieb gehen. "Am Ende wird die TIWAG das bezahlen", bestätigt Herdina, immerhin sei das Thema Sektorenkoppelung für das Unternehmen ein zentrales Thema, da die TIWAG und ihre Tochterunternehmen mit Wasserkraft, Gas, Wärme etc über einige Energiesektoren in Tirol verfügen – "Wir haben ja alles", freut sich der TIWAG-Vorstand.
Mit dem Wasserstoffzentrum in Kufstein sollen auch Erfahrungen gemacht werden, um den Energieträger auch in anderen Tiroler Regionen weiter zu forcieren, so Entstrasser: "Es sind auch andere Standorte geplant, etwa bei MPreis in Völs, oder im Zillertal, wo eine Wasserstoffregion im entstehen ist." Ein Direktanschluss, wie er in Kufstein mit dem Wasserkraftwerk Langkampfen geplant ist, sei dabei ein Sonderfall.

Große Partner an Bord

Neben den regionalen Unternehmen wie den Stadtwerken, MPreis, FEN Systems, der Zillertaler Verkehrsbetriebe AG und Inntaler Logistik-Park zählen auch die Asfinag sowie die Dettendorfer Gruppe aus Nussdorf am Inn (Bayern) und die Automobilgrößen MAN und Hyundai zu den Partnern. Nikolaus Fleischhacker (FEN Systems) erläutert:

„Mit diesem Projekt wird grüner Wasserstoff für verschiedene regionale Bedarfsdeckungsszenarien aufbereitet. Er eignet sich u.a. ganz besonders für den wasserstoffelektrischen Schwerverkehr, der über weite Strecken schwere Lasten transportieren muss und kurze Betankungszeiten braucht“.

Lukas Walter, Senior Vice President bei der MAN Truck & Bus AG, betont: „Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit dem Thema der emissionsfreien Mobilität und wollen bis spätestens 2021 an unserem Standort in München erste Prototypen eines Wasserstoff-LKW auf die Straße bringen. Die Nähe zur 'Power2X'-Anlage der TIWAG bietet sich ideal für erste Testfahrten an.“
Georg Dettendorfer ergänzt: „Als großes Speditionsunternehmen sehen wir auch die Entwicklungen in den alternativen Kraftstoffen, insbesondere im Bereich Wasserstoff und unterstützen das Projekt "Power2X Kufstein" als wichtigen Baustein für die Verringerung der Emissionen entlang der Fernverkehr- und Nahverkehrsrouten“. Zwischen TIWAG und den Partnern wurden bereits entsprechende Absichtserklärungen getroffen.

Alle Beiträge zum Thema Wasserstoffantrieb finden Sie hier.
Alle Beiträge zum Thema TIWAG finden Sie hier.

Autor:

Sebastian Noggler aus Kufstein

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Newsletter Anmeldung!

Du willst Infos, Veranstaltungen und Gewinnspiele aus deiner Umgebung?

Dann melde dich jetzt für den kostenlosen Newsletter aus deiner Region an!

ANMELDEN

Newsletter Anmeldung!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.