18.11.2016, 11:40 Uhr

Handwerkszeug für Tourengeher und Freerider

Abseits gesicherter Pisten müssen Wintersprotler besonders verantwortungsvoll agieren. (Foto: ÖAV)

Jährlich begeistern sich mehr Menschen für Touren abseits gesicherter Pisten. Der Alpenverein trägt dieser Entwicklung Rechnung und gibt ein „Lawinen Update“.

KUFSTEIN. „Beim Erkennen der Lawinengefahr sind dem Menschen enge Grenzen gesetzt“, weiß Michael Larcher, Leiter der Bergsportabteilung im Österreichischen Alpenverein. Der Schweizer Lawinenexperte Werner Munter formulierte noch radikaler, dass "die Schneebrettgefahr im freien Gelände überhaupt nicht erkennbar" sei und er vergleicht die Lawinengefahr mit Radioaktivität – auch die ist mit unseren Sinnesorganen nicht festzustellen.
Zu chaotisch ist das Zusammenspiel von meteorologischen, schnee-physikalischen und geländetypischen Faktoren, die für die Stabilität der Schneedecke im Steilhang verantwortlich sind. Genau darum dreht sich das gesamte Thema der praktischen Lawinenkunde: Wie stabil ist die Schneedecke im Steilhang? Verträgt der Hang die Zusatzbelastung?
Michael Larcher, Bergführer, Gerichts-Sachverständiger und Leiter der Bergsportabteilung im Alpenverein, erläutert Ursachen und Fehler und welche Lehren der „Normalskitourengeher“ daraus ziehen sollte: "Wir wollen Tourengeher, Snowboarder und Freerider vor der Tour abholen und zu mehr Bewustseinsbildung über Lawinengefahr hinführen. Dann können sie aus Wetter- und Lawinenbericht, Schulung, Begutachtung vor und auf Tour die richtige Einschätzung und Maßnahmen treffen, im Zweifel den Rückzug antreten, damit die Bergrettung erst gar nicht ausrücken muss."

Gerald Aichner, Vorsitzender ÖAV Landesverband Tirol: „Es ist die Verpflichtung des Alpenvereins als Bergsportorganisation, den Mitgliedern das erforderliche 'know how' zu bieten, ihnen die bestmögliche Vorbereitung auf den Skitourenwinter zu ermöglichen. Entscheidend ist nicht der Wetterbericht, entscheidend ist, dass ich durch theoretische und praktische Kenntnisse und Schulungen in die Lage versetzt bin, die objektiven Gefahren richtig einzuschätzen und mein Verhalten danach auszurichten.“

Stop or Go?

Das Konzept „Stop or Go“ des Alpenvereins hat sich inzwischen als äußerst effizient erwiesen und in der Ausbildung etabliert. Es besteht aus drei Werkzeugen, die nachweislich helfen, das Risiko zu senken und gute Entscheidungen zu treffen: 1. Einfache, aber mächtige Faustregeln (Check 1).
2. Fragen die unsere Wahrnehmung steuern (Check 2) und uns helfen, auf die wirklich wichtigen Phänomene zu achten (z.B. Triebschnee).
3. Eine Checkliste mit  „Standardmaßnahmen“.
Zusammen bilden sie einen praktikablen Werkzeugkasten, um risikobewusst zu handeln und zu entscheiden.

„Lawinen Update 2016“

Lawinenereignisse bilden den Schwerpunkt dieses Informationsabends und dienen als Grundlage, den aktuellen Stand der Unfallvermeidung und Rettungstechnik zu vertiefen. Der Referent, Michael Larcher, ist Bergführer, Gerichts-Sachverständiger und Leiter der Bergsportabteilung im Alpenverein. Larcher erläutert die grundlegenden Vorkehrungen zur Unfallvermeidung und was Tourengeher und Freerider aus der Analyse von Unfällen lernen können. Larcher:
„Ein Vortrag kann niemals die praktische Ausbildung im Gelände ersetzen, er kann aber dazu motivieren, das große Kursangebot des Alpenvereins zu nützen. Ausbildung im Schnee macht Spaß!“

Die vom Alpenverein Hall in Tirol seit 2000 erprobte Infoveranstaltung „Lawinen update“ findet heuer erstmals auch in Kufstein statt – 29. November, Beginn 19.30 Uhr, "Novum", Marktgasse 20, Kufstein.

Lawinenkurse "Theorie & Praxis"

Die diesjährigen Lawinenkurse finden am 6. Jänner 2017 um 8 Uhr bei der Bergrettung in Kufstein statt. Nach der Theorie im Schulungsraum geht's gemeinsam ins Gelände.
Dafür brauchen die Teilnehmer Ausrüstung: Rucksack, Tourenschi mit Fell (Snowboard, Schneeschuhe), VS-Gerät, Schaufel, Sonde.

Erklärt, beübt und trainiert werden der richtige Einsatz der Sicherheitsausrüstung, Schnee- und Lawinenkunde, Beurteilung der Lawinengefahr sowie die Verschüttetensuche.

Kostenbeitrag: ÖAV Mitglied Sektion Kufstein 20 Euro, ÖAV Mitglied 30 Euro, Nicht-Mitglied 45 Euro. Anmeldung bis Freitag, den 23. Dezember im ÖAV-Büro.
Tel: 05372 62767 E-Mail: oeav-kufstein@kufnet.at
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