14.03.2017, 13:30 Uhr

Alle paar Jahre wurde "umgedeckt"

Hugo Messner kennt die hohe Kunst der Legschindelherstellung. (Foto: MTB)

Hugo Messner ist einer der wenigen, die Schindel noch nach alter Tradition anfertigen können. Dieses Wissen demonstriert er auch gerne Interessierten im Kramsacher Höfemuseum.

KRAMSACH. Der 84-jährige Hugo Messner ist Meister im Schindel-machen. Im Höfemuseum führt er seine Kunst immer wieder vor. Geschickt treibt er das Schindelmesser ins Holz. Da staunen die Besucher dann. Schon früh ging der Bauernbub seinem Vater zur Hand, wenn der alle paar Jahre die Dächer „umdecken“ musste. „Die Schindeln haben eine Tag- und eine Nachtseite“, erzählt Hugo Messner den neugierigen Zusehern, während er mit dem Spalteisen das Holz bearbeitet. Die Tagseite ist der Witterung ausgesetzt. Um sie zur geschützten Nachtseite zu machen, wird Schindel für Schindel umgedreht. Um nach dieser Methode beispielsweise das ganze Dach des Hacklerhofs im Museum auszutauschen brauchen drei Leute eine ganze Woche. Der Großteil der alten Höfe ist mit Legschindeln gedeckt. „Zu tun gibt es immer etwas“, lacht Hugo Messner. Um uraltes Handwerk wie dieses zu entdecken, lädt das Museum Tiroler Bauernhöfe an jedem Sonntag einen Spezialisten seiner Zunft ein. So können Besucher über 25 verschiedene Handwerksarten entdecken, die abwechselnd angeboten werden. „Wir versuchen dem ursprünglichen Tiroler Handwerk eine Plattform zu bieten, damit die alte Tradition nicht in Vergessenheit gerät“, erzählt Hans Knoll, Obmann des Freilichtmuseums. Handwerker, Bäuerinnen und Bäcker zeigen viele in Vergessenheit geratene oder fast ausgestorbene Herstellungsweisen und Handwerkskünste. Man bekommt die Möglichkeit, altes Handwerk hautnah mitzuerleben, das von Menschen aus der Region noch ausgeübt wird.

Über 25 Handwerksarten

Das Kramsacher Freilichtmuseum ist für seine Bauernhöfe und Nebengebäude, wie Säge, Mühle, Schmiede oder die beiden Kapellen aus den verschiedenen Talschaften Tirols bekannt. Im Gelände macht sich ein Hauch von Nostalgie breit, wenn man die Höfe als eindrucksvolle Zeugen einer verschwundenen Kultur entdeckt. Vor dieser Kulisse entfalten die Handwerksvorführungen einen besonderen Charme. Über 25 verschiedene Handwerksarten führen in eine längst vergessene Zeit zurück. Eine Zeit, in der man sich ohne technische Hilfsmittel, Fließendwasser oder elektrischen Strom durch den harten Alltag am Land kämpfte. Gerade vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, mit welcher Raffinesse und Ideenreichtum unsere Vorfahren arbeiteten und dass diese Traditionen bis in die heutige Generation weitergegeben wurden.


Das Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach ist ab Palmsonntag von 9 bis 17 Uhr geöffnet, ab Mai bis 18 Uhr.

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