29.11.2016, 15:47 Uhr

Vom lokalen Kebapladen und dem "Schaumschläger Kitzbühel"

Fray & Jingy im Homestudio

"Straight outta Tiroi" kommen die Kufsteiner Jingy & Fray und haben folgerichtig ihre gemeinsame EP so getauft.

KUFSTEIN (nos). Eine runde halbe Stunde Dialekt-Rap mit einem Zungenschlag aus den Tiefen der Unteren Schranne, gestützt und unterstrichen von feinen Boombap-Beats bieten Franz "Fray" Pichler (24) und Stefan "Jingy" Margreiter (30) seit kurzem der HipHop-geneigten Hörerschaft.
Seit dem ersten gemeinsamen Song 2014 und dem ersten Auftritt 2015 reifte die Idee zur gemeinsamen EP, die sie am 5. November im Innsbrucker p.m.k. erstmals live präsentierten.

"Vielleicht müssen wir uns damit abfinden, dass im Unterland wenig möglich ist", meinen die Newcomer zur Veranstaltungsdichte im Genre. HipHop ist im Veranstaltungsreigen im Bezirk klar Nischenprogramm. "Eigentlich gäbe es eh eine Basis", heißt ihr Resümee auch nachdem sie ihre "Dope Beatz"-Serie wieder ad acta gelegt haben.
Ein Pfeiler der Basis ist da zum Beispiel der Hopfgartner John Dizzy (Rebel Musig Crew), der auf der Debüt-EP der Kufsteiner für einen Track mit von der Partie ist. Zusammen mit Tux (Fire Mountain) sowie Jingy & Fray probiert man als "I-Tek Squad" bald neue Wege.



Auf dem vielversprechenden Erstling der beiden Festungsstädter finden sich elf Tracks (inklusive Intro & drei Skits), darunter sowohl ein passend benanntes, entspanntes "Smooth" mit Madda Rah, als auch eine augenzwinkernd steile Abrechnung mit dem Lifestyle der Gamsstadt – "Schaumschläger Kitzbühel" feat. Beast Poet – inklusive "Hansi"-Cut und blumig ausschweifenden Beschreibungen und Sympathiebekundungen für die "bessere Gesellschaft" und das Selbstverständnis mancher Urlaubsgäste. Das bringt Fray auch im EP-Titel-gebenden Track "Straight Outta Tiroi" überspitzt verdichtet zum Ausdruck:
"Mein Ausländerhoss beschränkt si auf gödige Preissn, de Schönen und Reichen, de glam vor eana dad si de Wöd vaneign."

Dass auch das nicht der Weisheit letzter Schluss ist, zeigt sich mit "Sudern", wo Fray gemeinsam mit Jay Miracho dann den Hörern und nicht zuletzt sich selbst den Spiegel vorhält – "pass auf, es kanntat wer moana, dir gangats guad".
Zum Finale der EP treffen sich schließlich Jay Miracho, Poi, Däk Intellekt, Krank Spenca und John Dizzy mit Fray zum Dope Beat Cypher.
Wem die bis auf wenige Gastbeiträge konsequent in Mundart gehaltenem Rap-Parts der Scheibe auch nach mehrmaligem Versuch noch spanisch vorkommen, der kann's im beigelegten Booklet nachlesen. Jingys geschmeidige Beats kommen größtenteils in feiner, jazziger Oldschool-Ostküsten-Aufmachung daher und legen sich perfekt unter die Mundartreime. Das Tonträger-Debut von Jingy & Fray erinnert Dialektrap-"Insider" wohl an Grämsns "84/14" und kann sich auf jeden Fall hören lassen – bleibt zu hoffen, dass davon mehr nachkommt.

Live gibt's Jingy & Fray beispielsweise beim Regel Musig Crew-Konzert am 21. Jänner im Wörgler Komma oder im Rahmen des mittlerweile dritten "Jib City"-Snowboardcontest am 25. Februar am Unteren Stadtplatz zu hören. Die EP "Straight outta Tiroi" gibt's im Internet über Bandcamp (da kann man auch reinhören), in Kufstein bei "weningers fein.kost" oder direkt bei den beiden Burschen zu hören und zu kaufen.
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