22.03.2017, 10:11 Uhr

17 Hektar Baulandüberhang in Walchsee – Gemeinde will gegensteuern

Bgm Dieter Wittlinger und Raumplaner Erich Ortner (Foto: Eberharter)

Bauland, Widmungen und Verkehrsprobleme beherrschten die öffentliche Gemeindeversammlung in Walchsee am 20. März.

WALCHSEE (be). Das Thema Raumordnung stand bei der öffentlichen Gemeindeversammlung am Montagabend in Walchsee im Mittelpunkt. Mit 1. März hat der Gemeinderat die erste Auflage beschlossen, die nun bis 19. April in der Gemeinde aufliegt bzw. über die Gemeindehomepage einsichtig ist. Bis Ende des Jahres muss die Verlängerung der Raumordnung abgeschlossen sein.

Raumplaner Erich Ortner erklärte den Anwesenden das Grundsätzliche:
„Die Materie ist komplex, da viele Maßnahmen berücksichtigt werden müssen und nicht beliebig geändert werden kann.“

1994 wurde vom Land Tirol die Raumplanung beschlossen, weil man nach jahrzehntelangen Erfahrungen feststellen musste, dass bei vielen Flächenwidmungen falsch entschieden wurde. Grundsätzlich sollten die Gemeinde die Raumordnung selbst steuern und bestimmen. Allerdings gibt es im Zusammenhang mit überörtlichen Interessen widersprüchliche Ziele. In dem Fall muss individuell abgestimmt werden, welche Ziele letztlich überwiegen.

Ein Problem in Walchsee sind die Altwidmungen – vielfach als Bauland – diese sind aber großteils nicht verfügbar oder zu einem Preis, den sich junge Gemeindebürger nicht leisten können. 17 Hektar beträgt dieser Baulandüberhang und das vor allem im Bereich des Dorfzentrums. Bgm. Dieter Wittlinger kritisierte, dass im Zusammenhang mit Rückwidmungen die Politik versagt habe: „Der Gesetzgeber hätte die Möglichkeit dies zu ändern, es traut sich aber keiner drüber!“ Stattdessen wurden im Vorjahr den Gemeinden sogar Verschärfungen auferlegt, etwa dass im Fall einer Rückwidmung die Gemeinde dem Grundeigentümer eine Ausgleichszahlung zu entrichten habe. Aus diesem Grund hat man in Walchsee festgelegt, dass Umwidmungen ausschließlich für solche Flächen vorgenommen werden, die zum Verbau zur Verfügung stehen. Zudem muss der Eigentümer einen Vertrag mit der Gemeinde abschließen, wobei "ein sozial verträglicher Preis" festgelegt wurde. Dieser beträgt derzeit 120 Euro pro Quadratmater.


Von Zuhörern wurde kritisiert, dass bei Neubauten nicht auf das örtliche Erscheinungsbild geachtet werde. Ortner erklärte, dass es keine örtlichen Bauvorschriften mehr gibt, dass die Gemeinde nur mehr über den Bebauungsplan eingreifen kann. Wittlinger ist allerdings der Überzeugung, dass nicht alles mit Punkt und Komma vorgeschrieben werden muss:
„Mit mir kann so eine nach hinten orientierte Politik nicht betrieben werden. Das sollen andere machen. Ich werden nicht vorschreiben, dass so gebaut werden muss, wie vor 50 Jahren!“


Verkehrsentlastung notwendig

Ein Thema bei der Gemeindeversammlung war auch die Verkehrsentlastung im Ortskern. In diesem Zusammenhang startet am 20. April ein verkürzter Bürgerbeteiligungsprozess. Zusammen mit den Vorarbeiten im Zusammenhang mit der Dorfentwicklung will man dann Einschränkungen erreichen, die die L172 als Durchzugsstraße weniger attraktiv machen. Vizebgm. Bernhard Geisler bestätigte aber auch, dass man alte Pläne einer Umfahrung aus den Schubladen geholt hat und daran arbeiten werde. Wittlinger geht jedoch davon aus, dass es wohl Jahrzehnte dauern wird, bis diese realisiert werden können. „Das Problem mit dem Schwerverkehr können wir alleine nicht lösen, dazu brauchen wird die Unterstützung der Nachbargemeinden“, erläuterte Geisler.
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