08.06.2017, 10:30 Uhr

Können wir auf die nächste Generation zählen?

Dr. Martina Leibovici-Mühlberger (Mitte) mit Dir. Andreas Ehrenstrasser (VS Bad Häring), Heidi Astl (KG Bad Häring), Dir. Andrea Bichler (VS Schwoich) und Martina Strasser (KG Schwoich) beim Vortrag (v.l.). (Foto: Nageler)
SCHWOICH (hn). Am 1. Juni luden die Volksschulen und die Kindergärten der beiden Gemeinden Schwoich und Bad Häring zu einem Vortragsabend mit der Ärztin, Psychotherapeutin und Erziehungsberaterin Dr. Martina Leibovici-Mühlberger. Der durchaus provokante Titel „Wenn die Tyrannenkinder erwachsen werden“ lockte mehr als 200 Besucher in den Schwoicher Gemeindesaal.
Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen, gepaart mit einem gesunden „Wiener Schmäh“ machten die Ausführungen griffig und kurzweilig. Dr. Leibovici, selbst Mutter von vier Kindern, beleuchtet das Dilemma unserer Kinder und Jugendlichen, die oft den Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsen zu sein scheinen. Kann man also auf die nächste Generation zählen?
Die Ärztin berichtete von einem besorgniserregenden Anstieg von Krankheitsbildern wie ADHS, Adipositas, Autismus, Diabetes mellitus, Schlafstörungen etc. bei unseren Kinder und Jugendlichen und gab Einblicke in die gesellschaftspolitischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, die letztlich zu einem narzisstischen Individualismus, zur vielzitierten „Ich-AG“, führten.
Eine Studie der WHO hat ergeben, dass die reichste Gesellschaft die höchste Rate an psychischen Störungen, Krankheiten, und Arbeitsunfähigkeiten aufweist. Für Österreich bedeutet das: Rund 50.000 Jugendliche sind momentan nicht fähig, im Berufsleben Fuß zu fassen, bzw. einen geregelten Tagesablauf zu bewältigen.
Schließlich gab die Referentin aber doch einen hoffnungsvollen, positiven Ausblick auf unsere nächste Generation: Wenn wir die Kinder Gemeinschaft erfahren lassen, Grenzen setzen und doch in Zusammenarbeit von Eltern und Bildungseinrichtungen die persönliche Freiheit unserer Kinder akzeptieren, dann würde im Idealfall aus einem narzisstischen ein sozialer Individualismus.
Am Ende gab Dr. Leibovici noch Einblick in ihr persönliches Projekt in der Toskana, wo Jugendliche in einem Langzeitaufenthalt von sechs bis acht Wochen an die Alltagsbewältigung und geregelte Tagesabläufe zurückgeführt werden sollen.
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