19.01.2018, 11:58 Uhr

Kufsteins Stadttheater hat viel vor im Jubiläumsjahr

Hildegard Reitberger, Herbert Oberhofer, Klaus Reitberger und Bianca Gröters (v.l.) haben mit ihrem Stadttheater viel vor.

110 Jahre Stadttheater Kufstein: Zusatztermine für "Käfig voller Narren" und "Shirley Valentine"; "Altweiberfrühling" im April, verdrehter "Jedermann" als Freiluftstück im Festungsneuhof und traditionell vor Weihnachten Grimm-Märchen "Allerleirauh".

KUFSTEIN (nos). Ein großes und ein kleines Jubiläum kann das Stadttheater Kufstein heuer feiern: Zum einen geht die umtriebige, 1908 gegründete, Laien-Bühne in ihr 110. Bestandsjahr und kann – bis auf die Weltkriege – auf "durchgespielte" Jahre zurückblicken. Zum anderen werden in Kufstein nun schon seit 1983 im Advent durchgehend Märchen für Kinder auf die Bühne gebracht – also seit 35 Jahren!
Die Theaterenthusiasten sind freilich nicht müde geworden und so werde in der heurigen Saison neben zwei Wiederaufnahmen auch drei neue Stücke auf den Spielplan kommen. Besonders der "verdrehte Jedermann" als Freiluftspektakel im Festungsneuhof birgt dabei Überraschungen.

"Shirley Valentine" & "Käfig" nochmal zu sehen

Dass das Ein-Personen-Stück aus der Feder von Willy Russell so erfolgreich würde, hatte Hauptdarstellerin und Obfrau Hildegard Reitberger im Vorjahr nicht gedacht. Am 2. März gibt's aufgrund des überraschenden Erfolgs noch einmal eine Aufführung von "Shirley Valentine" in Kufstein, am 10. März in der Partnerstadt Frauenfeld und im April bei den Theatertagen in Osttirol.
Ein richtig durchschlagender Erfolg war die Travestie-Musical-Komödie "La Cage aux Folles" ("Ein Käfig voller Narren"), die insgesamt rund 2.500 Zuschauer anlockte. Schon im Vorjahr wurden zwei Extra-Termine geboten, auch die fünf Zusatzvorstellungen im Februar 2018 waren bereits binnen 14 Tagen – ohne vorherige Ankündigung – ausverkauft. Darum gibt's den "Käfig" im Oktober und November noch insgesamt zehn Mal im Kulturquartier zu sehen.

Aus "Herbstzeitlosen" wird "Altweiberfrühling" in Kufstein

Wir haben ja doch einige ältere Damen, die gerne und gut Theater spielen", meinte Obfrau Reitberger zur ersten Premiere im heurigen Jahr. Stefan Vögels Komödie nach dem Film "Herbstzeitlosen" startet am 6. April im Kultur Quartier unter der Regie von Elisabeth Mader. Mit im Plan ist auch eine Benefiz- Aufführung von "Altweiberfrühling" zugunsten des Hospizhaus-Neubaus in Hall

Verdreht: Frau "Jedermann" mit Göttin, Teufelin und Buhl

Klaus Reitberger nahm sich Hugo von Hofmannsthals Klassiker "Jedermann" vor, 1910 veröffentlicht und damit ähnlich alt wie das Stadttheater, und stellte das Stück dabei beinah auf den Kopf. "Wir zeigen einen 'Jedermann', wie er meines Wissens nach noch nie gespeilt wurde", erklärt der Bearbeiter, der für die Kufsteiner Version des Salzburger Kultstücks die Geschlechterrollen verdrehte. "Frau Jedermann", eine reiche Witwe, bekommt es mit einem männlichen Buhl zu tun. Auch Gott und Teufel werden in der Festungsstadt weiblich besetzt, als Bühne dient der ambitionierten Truppe im Juni und Juli der Festungsneuhof am Fuß des Wahrzeichens. Mit der bestehenden, überdachten Tribüne sollen dort rund 150 Zuschauer Platz finden, Kulissen werden diese wohl vergebens suchen, der Platz selbst, die Zugänge und der Festungslift werden dafür miteinbezogen, so Reitberger.
Auch die Endaussage soll eine andere sein, denn statt einer Jenseits-gewandten
Moralität will Reitberger einen "Diesseits-bejaenden Jedermann" zeigen. Schon seit Jahren habe sich das Stadttheater um diesen Aufführungsort bemüht, nach vielen vergeblichen Versuchen ist dies 2018 nun gelungen. Auch "Top-City"-GF Emanuel Präauer freut sich auf das "hochspannende Stück" an einem der "schönsten Plätze der Stadt" und könnte sich auch vorstellen, Reitbergers "Jedermännin" als jährlichen Fixpunkt ins Programm zu nehmen.

Grimms "Allerleirauh" ab November

Bianca (Bearbeitung) und Barbara Gröters (Regie) nehmen sich im Spätherbst und Advent wieder der Gebrüder Grimm und ihrer "weniger ausgelutschten" Märchen an. Für das Jahr 2018 fiel die Wahl auf "Allerleirauh", das "vielleicht am wenigsten kindgerechte Märchen" der Geschichtensammler, so Bianca Gröters. Die Kindergartenpädagogin kümmerte sich allerdings um eine kinderfreundliche Version, damit Jung und Alt gleichermaßen viel Spaß am Stück haben werden – "Ich mache Märchen für Kinder", erklärt Gröters und erzählt, dass so manche Erwachsene mit "Alibi-Kindern" zu den Vorstellungen kommen, um die Märchen zu erleben.


"Die Einnahmen würden die Ausgaben nie decken, auch wenn immer ausverkauft ist", dankt Stadttheater-Obfrau Reitberger den Unterstützern und Sponsoren, vorallem der Raiffeisen Bezirksbank, der Stadt Kufstein und dem Tourismusverband "Kufsteinerland", die der Bühne mit finanziellen und materiellen Leistungen zur Seite stehen.
Neben den eigenen Inszenierungen stehen die Stadttheater-Mitglieder auch für kurzfristige und bereits länger andauernde Nebenprojekte Habtacht. So werden wieder rund 30 Enthuasiasten auf und neben der Bühne für den Operettensommer aktiv, wo heuer "Anatevka" auf dem Spielplan steht.
Für das nächste Jahr plant Reitberger mit ihren Mitstreitern eine schauspielerische Umsetzung des bei erscheinen 1909 wild diskutierten "Skandalbuchs" von Sepp Schluiferer "Fern von Europa".
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