21.11.2016, 07:48 Uhr

Mini Med: "An Autounfällen sterben weniger als an Depressionen"

"Volles Haus" zur MIni Med Vorlesung über Depressionen und Angststörungen. (Foto: Haun)

Depressionen, Angststörungen & Ermüdung waren Thema beim letzten heurigen Mini Med Studium.

KUNDL (flo). "Langsam wird der Raum zu klein", freute sich Dieter zur Nedden, der wissenschaftliche Leiter von Mini Med Tirol zu Beginn der Vorlesung aus der Reihe Mini Med Studium über Depressionen, Angststörungen und Ermüdung, am vergangenen Mittwoch, den 16. November.

"Psychische Krankheiten sind leider noch immer Krankheiten zweiter Klasse und bekommen daher oft auch nur schlechte Behandlung!" betonte zur Nedden und merkte an dass es in der Schweiz beispielsweise für rund 100.000 Menschen nur 30 Psychologen gibt und in Österreich noch weniger. Der Referent des Abends, Primar Dr. Carl Miller, startete scherzend: "Bis ich zum Teil Übermüdung komme, könnt ihr da hinten vor lauter Müdigkeit gar nicht mehr stehen!"

Miller begann seinen Vortrag mit dem Thema Depression: "Das sogenannte 'Burn Out' gibt es fachlich nicht, es ist nämlich auch nur eine Depression!" Die meisten Depressionserkrankungen treten zwischen dem 30. und 44. Lebensjahr auf, wobei eine solche Episode unbehandelt zwischen sechs und zwölf Monaten dauert. Rund 75 Prozent der Patienten erleiden mehr als eine Episode.
Depression ist der häufigste Grund für Suizid, so Miller:
"Das Risiko bei einem Autounfall zu sterben ist wesentlich geringer als an einer Depression, besonders seit der IGL eingeführt wurde!"

Anhand einer Statistik veranschaulichte der Referent, dass im Jahr 2000 die Depression den vierten Platz bei den gesundheitspolitischen Problemen belegte und voraussichtlich im Jahre 2020 nach Herzerkrankungen sogar bereits auf dem zweiten Platz liegen werde. Weiters betonte er, dass zwischen 7 bis 15 Prozent der Bevölkerung depressive Störungen aller Art aufweisen, wobei Frauen häufiger betroffen seien als Männer.
"Heutzutage ist die Depression die zweit häufigste Ursache für eine Reha oder einen frühzeitigen Ruhestand!", so der Referent. Im Rahmen einer internationalen Studie wurde nachgewiesen, dass 69 Prozent der Erkrankten nur aufgrund von mit Depressionen einher gehenden körperlichen Beschwerden einen Arzt aufsuchten. 30 Prozent dieser Patienten litten zum Teil schon länger als fünf Jahre vor der Diagnosestellung unter körperlichen Symptomen.

Psychische Störungen werden in körperlich begründbare Psychosen mit organischen Ursachen sowie körperlich nicht begründbare Psychosen (manische Depressionen & Schizophrenie) und Sonderformen wie Persönlichkeitsstörungen und Belastungsreaktionen unterteilt.
Unter den psychischen Krankheiten ist die Depression mit 59 Prozent auch die Hauptursache aller Krankenhausaufenthalte. Bei nur einem Drittel der Patienten wird eine sogenannte Remission (dauerhaftes Nachlassen der Symptome) erreicht.
Traumatisierende Ereignisse, wie etwa der Verlust von Angehörigen, oder auch die Pensionierung ("Pensionsschock") können im Alter Ursachen für eine Depression sein, ebenso organische Erkrankungen. "Besonders schwer ist bei Alkoholkranken herauszufinden, ob sie trinken weil sie depressiv sind, oder ob sie der Alkohol depressiv macht", erklärte Miller.

Danach griff er das Thema Angststörungen auf und erklärte, dass man eine konkrete Angst wie zum Beispiel Angst vor Spinnen oder Schlangen als Phobie bezeichnet. Auch ein Waschzwang ist der Angst unterzuordnen, da die Patienten Angst vor Bakterien haben und sich deshalb dauernd waschen. "Für die Haut ist es der reine Horror, wenn jemand zehn Stunden unter der Dusche steht", merkte Miller an. Panikattacken treten ohne Vorwarnung auf und Betroffene vermeinde danach bewusst Orte und Situationen in denen sie eine Panikattacke befürchten. "Dadurch verlieren sie ihre sozialen Kontakte und irgendwann trauen sie sich dann gar nicht mehr vor's Haus" erklärt der Referent ehe er abschließend das Thema Ermüdung noch kurz erläuterte und sich danach den zahlreichen Fragen der Zuhörer stellte.
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